Kultur Südpfalz Von Air Force und Swing bis Casanova

91-96747631.jpg

Casanova: die Farbigkeit seiner Person mittels sinfonischer Blasmusik darzubieten und einem Blasorchester, das es gewohnt ist, immer noch „einen drauf zu legen“, eine musikalische Höchstleistung abzuverlangen: das war der Anspruch von Dirigent Stefan Grefig bei dem Konzert am Ostermontag in Landau.

Zwei Mitglieder des Orchesters, Querflötist Dominik Wilson und Querflötistin Martha Koziol, führten durch das Programm, das mit einem Paukenschlag begann. Die Sinfonic Ouverture stammt von James Barnes, einem der renommiertesten amerikanischen Komponisten der Bläsersinfonik. Als Auftragsarbeit zur Jubiläumsfeier der U. S. Air Force Band komponiert, riss sie die Zuhörer sofort mit ihren ausgeprägten Rhythmen und ihrer raffinierten Instrumentation mit. In den Takten, in denen die Blechblasinstrumente schweigen, sind leichte Harfentöne zu hören, ein reizvoller Kontrast. Der 41-jährige Pfälzer Stefan Grefig, Chefdirigent des Landespolizeiorchesters, war hochkonzentriert mit jedem der Musiker in direktem Kontakt. Er wirkte am Pult, als gebe er mit jedem einzelnen Finger seiner linken Hand mehreren verschiedenen Instrumenten gleichzeitig den Einsatz. Nach dem Kapellmeisterstudium in Maastricht erreichte er das Diplom in Musikpädagogik und Trompete an den Musikhochschulen in Wiesbaden und Frankfurt. Er dirigierte die Rheinhessische Bläserphilharmonie und das Freiburger Blasorchester und erreichte das Siegertreppchen bei mehreren Orchesterwettbewerben, unter anderem beim „Certamen international de Bandes de Musica“ 2014 in Valencia. Konzertauftritte führten ihn immer wieder ins Ausland. Die „Variazoni Sinfoniche su Non Potho Reposare“ von Hardy Mertens (Sinfonische Variationen über „Ich kann nicht ruh’n) schildern die Situation der aufgrund der Armut ausgewanderten Menschen aus Sardinien. Die Insel wird als eine Frau beschrieben. Es ist Musik über Sehnsucht, Liebe und Heimweh. Querflöten und Klarinetten spielen im Dialog, dazwischen erklingen ein helles Glöckchen, summen die Musiker. Nach dem letzten Ton der Wiedergabe verharrte das Publikum Sekunden lang stille. Es folgte langanhaltender Applaus. „Danse Folatre“ von Claude T. Smith, angesagt als Tour de Force unter Smiths Kompositionen, ist eine Auftragsarbeit für die U. S. Air Force Band und will die außergewöhnlichen Fähigkeiten jedes ihrer Register zeigen. Bei der „Grand Fanfare“ von Giancarlo Castro D’Addona ist unweigerlich der Einfluss der lateinamerikanischen Musik, des Jazz und der Filmmusik zu spüren. Es ist ein Werk mit vielen Rhythmus- und Tempowechseln. Im „Casanova – Concerto For Cello und Wind Orchestra“ umreißt der Komponist Johan de Meij die illustre Persönlichkeit Giacomo Casanovas. Dieser wurde verklanglicht und gespielt von Solocellist Sebastian Hennemann. Tenorhorn, Kontrabassklarinette, Trommel und Holzklapper beschreiben die Verfolgung, das Aufbrechen der Gefängniszelle und Gewehrsalven. Hennemann aus Dernbach, Jahrgang 1988, derzeit Solocellist im Loh-Orchester Sondershausen, heimste zahlreiche Bundespreise bei „Jugend musiziert“ ein. Er spielte den Casanova sehr enthusiastisch und war ganz augenscheinlich eins mit seinem Cello. Ebenso in seiner Zugabe, der Etude 24 von Rostropovich. Die Zugabe, ein Swing-Titel von Yusuke Fukuda, zeigte eine ähnliche Dynamik wie ein Rodeo und war quasi ein Wettkampf zwischen Dirigent und Orchester. Etwa die Hälfte der Musizierenden im Alter zwischen 18 und 27 stammen aus der Südpfalz, so der Managementverantwortliche des veranstaltenden Landesmusikrats, Walter Schumacher-Löffler. Schirmherr war Oberbürgermeister Thomas Hirsch.

Mehr zum Thema
x