Rheinpfalz Voller Einsatz auf schwankenden Planken

Mannheim. Still und ruhig, fast idyllisch liegt die „Regina Rheni“ im Mannheimer Mühlauhafen. Doch an manchen Tagen geht es im Bauch und auf Deck des 900-Tonnen-Schiffs alles andere als still und ruhig zu. Dann kämpfen sich Feuerwehrleute unter teils extremen Bedingungen durch Feuerwände, Wasserfluten und stockfinstere Labyrinthe. Die „Regina Rheni“ ist nämlich ein modernes, schwimmendes Ausbildungszentrum für Wehrleute – spezialisiert auf die Taktik und Technik zur Gefahrenabwehr auf Binnenwasserstraßen.
In Europa sei so ein Schiff einzigartig, sagt Lieutenant Thierry Romilly. Der französische Feuerwehrmann ist Leiter der Mobilen Übungsanlage (MÜB) und hat das Schiff quasi mit aufgebaut. Dass der 58-Jährige aus dem Nachbarland kommt, ist kein Zufall. Denn die Idee für den Schiffsumbau hatte die französische Feuerwehr (SDIS) des Departements 67 vom Niederrhein. 2013 wurde nach Plänen erfahrener Feuerwehrleute wie Romilly mit dem Bau begonnen. Rund neun Monate später war die „Regina Rheni“ einsatzbereit. „Wir wollten ein Trainingslager, das so nah wie möglich an der Realität ist“, erzählt Romilly in Mannheim. An Land seien realitätsnahe Übungen etwa zur Bekämpfung von Havarien, Schiffsbränden oder Gefahrgutunfällen auf dem Wasser kaum möglich. Zudem sollte das Trainingsgelände nah zu den Trainierenden transportiert werden können. Und das Wichtigste: „Es soll für die gemeinsame Ausbildung von Franzosen und Deutschen eingesetzt werden, damit diese im Krisenfall ohne große Kenntnisse der jeweils anderen Sprache zusammenarbeiten können.“ Immerhin sei der Rhein auf einer langen Strecke deutsch und französisch, gibt Romilly zu bedenken. Und gerade bei Schiffsunfällen stünden die Rettungskräfte vor oftmals unbekannten Situationen, die ihnen alles abverlangten. Etwa drei Millionen Euro hat der Umbau des ehemaligen Frachtschiffs gekostet. Finanziert wurde er einerseits mit Mitteln der EU, andererseits haben sich die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie die SDIS finanziell beteiligt. Doch offen – und das sei kaum bekannt, so Romilly – sei es für alle, die die Gefahrenabwehr trainieren möchten, egal ob Berufs-, Freiwillige Feuerwehr oder andere Einsatzkräfte diverser Rettungsdienste wie etwa das Technische Hilfswerk (THW). Zurzeit stehen auf dem Schiff sieben Simulatoren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. Darunter eine Atemschutz-Übungsstrecke, ein unstabiler, das heißt kippbarer Container, mit dem auch Lastwagen-Unfälle simuliert werden können, eine Anlage, um chemische Unfälle auf Schiffen zu simulieren, oder auch ein Feuerhaus. Und während Romilly durch die MÜB führt, wird deutlich, was die Feuerwehrleute alles leisten müssen. Bei der Atemschutz-Übungsanlage etwa tasten sie sich in totaler Finsternis durch verschiedene Schiffsräume. „Denn bei einem Schiffsunfall gibt es möglicherweise auch keinen Strom mehr“, sagt Romilly. Mal ist es eng, mal ganz niedrig, mal geht es die Leiter hoch, mal runter – und das in voller Feuerwehrmontur. Plötzlich ist der Untergrund anders oder die Trainierenden stecken in der Sackgasse. Wie bei einem richtigen Einsatz wissen sie auch nicht, auf welche Hindernisse sie stoßen. Zur Sicherheit sind aber immer Ausbilder anwesend, die notfalls per Fernbedienung das Licht anschalten können und zu Hilfe eilen, wenn es nötig ist. Nicht weniger eindrucksvoll ist die Brandübungsanlage. „Innerhalb von vier Minuten können wir das Feuerhaus auf 650 Grad aufheizen“, sagt Romilly. Eine Temperatur, die nicht ungewöhnlich bei Schiffsbränden sei, bei einem Brand im Maschinenraum, in der Küche oder in einer Kabine. Schließlich werde bei einem Schiff aus Metall so ziemlich alles rundherum heiß. Im Trainingszentrum wird der Brand dabei mit einer Gasanlage erzeugt. Mittlerweile nähmen Rettungskräfte aus ganz Deutschland und Frankreich die MÜB in Anspruch, sagt Romilly. Das Schiff liegt bislang jeweils mehrere Monate in Straßburg, Mülhausen oder eben – wie jetzt – in Mannheim, wo es bis Oktober bleiben wird. Unter den Trainingsgästen befinden sich in dieser Zeit neben Mannheimer Feuerwehren auch die Werksfeuerwehr der BASF sowie die Feuerwehr Ludwigshafen.