Rheinpfalz Viele Klicks für den Saumagen

Eindeutig Freitag: Klaus und Katja Hambel präsentieren die wohlgeformten frischen Saumagen in der Wurstküche.
Eindeutig Freitag: Klaus und Katja Hambel präsentieren die wohlgeformten frischen Saumagen in der Wurstküche.

«Wachenheim.» Immerhin 30 Prozent des Verkaufs laufen über Bestellungen per Telefon oder online über die Homepage der Metzgerei Hambel. Dort füllen die Kunden ihren Warenkorb mit Saumagen & Co. Virtuell und nicht im Ladengeschäft. „Da hat sich vieles geändert“, erzählen die Geschwister Klaus und Katja Hambel im Gespräch. Seit rund zwei Jahren laufen die Online-Bestellungen, mit denen die Kunden vom PC oder Smartphone aus einkaufen, ins Hambelsche Fakturierungssystem. „Das macht es wirklich einfacher für uns“, sagt die 46-Jährige: „Online-Bestellungen kann ich doppelt so schnell fertigmachen.“ Diese Bestellungen und die korrespondierenden Rechnungen werden elektronisch erstellt, versendet, empfangen und archiviert. „Das ist Zeit- und Geldersparnis“, sagt Katja Hambel. Grundrezeptur nicht verändert Der Freitag ist nach wie vor der Saumagentag: Daran hat sich seit den drei Jahrzehnten, seitdem das berühmteste Produkt aus der Wachenheimer Metzgerei fast weltweit vertrieben wird, nichts geändert. Und auch nicht am Produktionsablauf in der Wurstküche. Auch an der Grund-Rezeptur des Saumagens hat die Metzgerei nicht gerüttelt: Kohl ließ ihn so prominenten Gästen wie Michael Gorbatschow, Boris Jelzin, Margret Thatcher, John Major, König Juan Carlos von Spanien und vielen mehr servieren. „Selbst in Taiwan wurde unser Saumagen schon verzehrt, und vorher eigenhändig von Klaus Hambel zubereitet“, wirbt Hambel stolz. Kundschaft gibt es auch in Schottland für die Pfälzer Spezialität, wo der Saumagen bekanntlich Konkurrenz vom gefüllten Schafsmagen bekommt, vom Haggis. Weitere Namen, die Fernweh erzeugen wie Stockholm, Neuseeland, Tokio stehen unter anderem für die Lieferadressen, an die die Wachenheimer Produkte verschickt werden. Und dank Internet & Co. setzen die Hambels bei der Vermarktung inzwischen nicht mehr nur auf Politstars, sondern auch auf die eigene Darstellung im Netz mit der firmeneigenen Homepage, die sie extern von einem Fachmann betreuen und pflegen lassen. Renner Saumagen-Ravioli Neben der berühmtesten Spezialität Saumagen hat die Traditionsmetzgerei in der Hintergasse 1 auch die Klassiker Leber- und Blutwurst, Schwartenmagen, Bratwurst und Leberknödel im Angebot. „Mit Saumagen gefüllte Ravioli sind momentan der Renner“, schwärmt Chef Hambel. Und auch die kleinen Saumagen-Medaillons seien sehr gefragt. Regelmäßig geht der Lieferwagen auf Tour und peilt die Rhein- und Neckar-Schiene an. Traditionell geht es in der Wurstküche zu: Die Pfälzer Spezialität wird immer noch ohne digitale Helfer hergestellt. Zwar assistieren Computerprogramme Klaus Hambel bei der Arbeit. Aber er vertraut hier noch auf seine bewährten Helfer, wie beispielsweise auf die Würfel- und Portioniermaschine, die drei Kochkessel und die vier Kühlwannen, wo die Köstlichkeiten entstehen. Das älteste Stück ist die Förder- und Verschließmaschine aus dem Jahr 1961: „Das gleiche Baujahr wie ich“, sagt der Metzgermeister mit einem Schmunzeln. Immerhin produziert alleine die Dosenmaschine rund 3600 Dosen Wurst pro Stunde. Das 13-köpfige Team fertigt mit seinen drei Metzgern um Chef Klaus wöchentlich rund drei Tonnen Wurstwaren und erwirtschaftet so einen jährlichen Umsatz im größeren sechsstelligen Eurobereich. An Produktionstagen stehen Klaus Hambel und sein Team spätestens ab fünf Uhr morgens in der Wurstküche. Die 580 Quadratmeter Betriebsfläche samt Verkaufsraum beherbergen unter anderem fünf Kühlräume mit 60 Kubikmetern Kühlfläche, wichtiges gut überwachtes Herzstück des Betriebs, sagt Hambel. „Unsere Metzgerei ist ein Familienbetrieb, in dem die ganze Familie mitarbeitet“, betonen die Geschwister. Gelernt hat Klaus Hambel, dem heute seine Frau Silvia zur Hand geht, in einer kleinen Metzgerei in Speyer. Er gründete den Wachenheimer Betrieb Hambel im Jahr 1985 und übernahm die bewährten Rezepte von Vater Walter, der bis dato sogenannte „Adventsschlachtungen“ durchführte. Seit 1993 ist auch Schwester Katja mit im Geschäft und gründete im Jahr 1996 einen eigenen Delikatessen- und Feinkostbereich. Zukunft des Betriebs gesichert Um die Zukunft des Betriebs müssen sich die Hambels offenbar keine allzu großen Sorgen machen: Der 19-jährige Sohn des Firmenchefs studiert mittlerweile Betriebswirtschaft und macht im Anschluss seine Metzgerlehre. „Philipp will definitiv bei uns einsteigen.“ Und auch die jüngere der beiden Töchter von Katja Hambel – Mara, gerade mal acht Jahre alt – kann sich bereits eine berufliche Zukunft mit Saumagen und Co. vorstellen ...

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