Eisenberg „Viele Flüchtlinge wollen arbeiten“

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Es benötigt viel Bürokratie, um einen Asylsuchenden in einem Unternehmen beschäftigen zu können. Einzureichende Formulare und nicht zuletzt die fehlenden Deutschkenntnisse der Bewerber stehen einer Einstellung oft im Weg. Doch es gibt auch Betriebe in der Verbandsgemeinde Eisenberg, die sich trotz dieser Hürden nicht abschrecken lassen und sogar Asylsuchende nicht nur beschäftigen, sondern auch ausbilden.

„Viele Flüchtlinge wollen arbeiten und sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen“, sagt Karlheinz Holtzhäuser, Ausbildungsleiter der Firma Gienanth GmbH in Eisenberg. Natürlich sei das für beide Seiten kein einfacher Weg, aber wenn die Qualifikation stimme, sehe er keinen Grund, diesen Menschen nicht die gleiche Chance wie den anderen Bewerbern zu geben. Momentan bildet das Unternehmen einen 25-jährigen Afghanen für die Firma Oerlikon Schweißtechnik GmbH in Eisenberg aus. Dank des Ausbildungsverbundes Leiningerland, dem beide Betriebe angehören, ist diese Kooperation möglich. Auszubildende dieser Firmen können die Lehrwerkstätten der anderen nutzen. „Unsere Unternehmen sind offen, und wir sehen es als soziale Verpflichtung, damit einen Teil zur Integration beizutragen“, so Holtzhäuser. Natürlich musste der junge Mann, der nun im ersten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker ist, ein konventionelles Auswahlverfahren durchlaufen. „Deutschkenntnisse sind Voraussetzung, damit allein schon die Sicherheitsmaßnahmen in einem Betrieb verstanden werden“, weiß der Ausbildungsleiter. Deshalb habe der junge Afghane, der seit 2011 in Deutschland lebt, auch einen Integrationskurs besucht. Eine Reihe von Formalitäten gab es zu erledigen. Der im Heimatland erreichte Schulabschluss musste anerkannt werden. Unterstützung erhielt der junge Mann von der Leininger Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit (LIGA) in Grünstadt. Eine ehrenamtliche Betreuerin, die er dort kennenlernte, half ihm mit den Bewerbungsunterlagen. Weiterhin mussten noch gesetzliche Hürden bezüglich des Aufenthaltstitels genommen werden. Eine Voraussetzung beispielsweise zum Erlangen des Status „Aussetzung der Abschiebung“ war der Nachweis über einen Ausbildungsvertrag. Umgekehrt konnte der Ausbildungsvertrag nur dann wirksam werden, wenn eine „Duldung“ gewährt wurde. Nun behält der Afghane für ein Jahr befristet diesen Status – mit der Option einer Verlängerung bei einem Ausbildungserfolg im ersten Lehrjahr. Ein Beispiel gelungener Integration, findet Holtzhäuser, der besonders die Eigeninitiative des Mannes lobt. Denn bereits jetzt glänze der Auszubildende mit großartigen Leistungen. Auch für Claus Kuhnhardt, Geschäftsführer des Waldhotels in Eisenberg, stehen Arbeitsbereitschaft und Teamfähigkeit an erster Stelle. Das Hotel beschäftigt zwei Asylsuchende – beide machen eine Ausbildung und sind im ersten Lehrjahr. „Gerade die Hotelbranche ist sehr international. Wir sind auf Arbeitskräfte angewiesen“, sagt der Hotelier. Auch er musste für seine zwei Auszubildenden etliche Formulare ausfüllen, damit ein 24-jähriger Afghane eine Ausbildung zum Restaurantfachmann und eine 20-jährige Kenianerin eine Ausbildung zur Hotelfachfrau beginnen konnte. Die Bürokratie fresse einen fast auf, schildert Claus Kuhnhardt die Problematik. Das sei wohl auch der Grund, weshalb wenige Betriebe asylsuchende Flüchtlinge beschäftigen, so der Geschäftsführer.

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