Rheinpfalz Viel spricht für Wende bei Terex
Nach fünf Jahren rückläufiger Umsätze mehren sich Anzeichen, dass der Kranbauer Terex die Wende in Zweibrücken geschafft hat. „Wenn jetzt kein Einbruch mehr kommt, der sich nicht abzeichnet, werden wir 2015 mit einer etwa fünf prozentigen Umsatzsteigerung gegenüber 2014 abschließen. Wir gewinnen Vertrauen bei den Kunden zurück und damit Aufträge“, sagt Standort-Chef Klaus Beulker.
Seit Juli 2014 hat der 49-jährige Westfale die Verantwortung für den größten Arbeitgeber in Zweibrücken und den personell stärksten Standort im Terex-Konzern. 1622 Mitarbeiter arbeiten an der Dinglerstraße, am Wallerscheid und in Bierbach. Vor fünf Jahren waren es noch 1950, dazu rund 500 Befristete und Leiharbeiter. „Der Standort hat schwierige Zeiten durchgemacht, auch mit den bitteren Entscheidungen des Personalabbaus. Umso mehr freut es uns, dass alles auf eine Kehrtwende hindeutet. Ich bin vorsichtig, will nichts versprechend, aber es geht wieder in die richtige Richtung. Das kommende Jahr planen wir wie das laufende“, sagt Beulker. Die Beschäftigung, die Auslastung der drei Werke, sei so gut, dass eine Aufgabe des Stahlbaus Bierbach „kein Thema ist“, so Beulker. Ende 2014 hatte Terex erwogen, die rund 200 Mitarbeiter auf den Wallerscheid, zu den dort 500 tätigen, zu verlegen und die Produktion im alten Mannesmann-Hallenbau aufzugeben. Man habe das ernsthaft geprüft, verfolge den Plan aber nicht mehr, betont Beulker. Bei den für 2015 ausgegebenen Jahreszielen, unter anderem die Durchlaufzeiten für den Bau der Raupen- und Autokrane, von Auftragseingang bis zur Auslieferung, zu verkürzen, habe man Fortschritte gemacht. Signifikante sogar bei der Verringerung der Kapital bindenden Materialbestände. All das stärke die Wettbewerbssituation. „Bei den Raupenkranen sind wir in Europa die Nummer eins, bei den Teleskopkranen davon aber weit entfernt. Bei Letzteren haben wir seit 2010 Marktanteile verloren. Zum Teil bewusst, weil wir die Modellgruppen durchforstet haben, bereinigt haben. Weil wir Modelle, mit denen wir kein Geld verdienen, aussortiert haben. Aber es stimmt, wir hatten auch Kunden verloren“, will Klaus Beulker die Situation gar nicht beschönigen. Tiefpunkt war der Ende 2013 erforderliche Abbau von 120 Stellen der Stammbelegschaft. Aber auch aus dieser Situation habe man Lehren gezogen. Viele Tage verbringe er bei Kunden oder in Gesprächen mit der Kundschaft im Werk. „Dabei lernt man fachlich, von der Kundenanforderung her, viel. Und sich auch kennen“, sieht Beulker darin eine sehr gute Investition. Für die gute Beschäftigung sorge insbesondere der 2013 bei der Messe Bauma vorgestellte 650-Tonnen-Raupenkran SL 3800. Vom speziell für die Montage von Windkraftanlagen eingesetzten Kran – Hakenhöhe bis 159 Meter – seien 2014 schon 50 Exemplare verkauft worden. „Mit dem SL, das zeigt sich immer mehr, stehen wir super im Markt“, so Beulker. Beim seit Herbst zu habenden fünfachsigen Teleskop-Autokran „Explorer“ zögen die Verkäufe an. Im April findet die weltgrößte Messe für Baumaschinen, die Bauma, in München statt. Ohne Konkretes preisgeben zu wollen, kündigt Beulker dafür Neuerungen an. Nicht auszuschließen, dass positive Kennzahlen, insbesondere positive Umsatzentwicklung, wieder zu einem Personalaufbau in Zweibrücken führen wird. Man habe kaum mehr Mitarbeiter mit befristeten Verträgen und nur eine marginale Anzahl von Leiharbeitern an Bord. Versprechungen will Beulker aber keine machen. Abgesehen vom Beschluss, dass man 2016 wieder auf das langjährige Niveau, rund 25 Azubis einzustellen, zurückkehren werde. Auch Industriekaufleute werde man wieder ausbilden. Nach einer Kürzung der Plätze um die Hälfte und eine Konzentration auf die gewerblichen Ausbildungsberufe, hatten vor einem Monat nur 13 Azubis beim fünftgrößten Metallausbilder im Land anfangen können. Am 11. August kündigten Terex und die finnische Konecranes an, fusionieren und den weitweit größten Maschinenbauer für Hebetechnik (mit 32.000 Mitarbeiter) formen zu wollen. Kartellbehörden sind dabei, jedes Geschäftsfeld auf Marktverträglichkeit hin zu überprüfen. Für Beulker ist klar: „Die Fusion wird keine Auswirkungen auf unsere Werke haben. Konecranes baut keine Krane wie die unsrigen.“ (cps)