Rheinpfalz Vermietet und doch leer

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Der Landkreis Südwestpfalz hat seine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Contwiger Schwesternhaus St. Laurentius geschlossen, zahlt dort aber weiter Miete. Die Alte Mühle in Contwig wird noch genutzt: Dort sind laut Kreisverwaltung derzeit neun Jugendliche untergebracht.

Im ehemaligen Schwesternhaus neben der katholischen Kirche in Contwig war Ende 2015 eine Clearingstelle eingerichtet worden, ausgelegt auf bis zu 16 junge Flüchtlinge. Nachdem vergangenen Herbst die letzten beiden katholischen Schwestern nach Speyer gezogen waren, hatte der Kreis das Schwesternhaus für rund 14.000 Euro renoviert. Seit Juli wohnen dort keine Flüchtlinge mehr. Bis dahin kamen 30 unbegleitete minderjährige Ausländer unter. Die Unterkunft sei ohnehin eine Übergangslösung gewesen, erklärt Kreissprecher Ruven Fritzinger. Der Regionalverband Westpfalz der Johanniter-Unfall-Hilfe, der die Flüchtlinge im Schwesternhaus betreute, habe eine Betriebserlaubnis für betreute Wohngruppen in Pirmasens bekommen. Die in Contwig betreuten Jugendlichen seien nach Pirmasens gewechselt. Der Kreis zahlt nach wie vor Miete fürs Schwesternhaus − „damit wir es schnellstmöglich wieder belegen können“, falls wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, so Fritzinger. Details zum Vertrag − wie viel und wie lange der Kreis Miete zahlt − sagt er nicht. Da der Mietvertrag noch läuft, macht sich die Pfarrei nach eigenen Angaben noch keine Gedanken, was aus dem Schwesternhaus langfristig werden soll. Zumal der Pfarrsaal im Haus nach wie vor genutzt wird. Dort treffen sich regelmäßig kirchliche, aber auch andere Gruppen. Die zweite Contwiger Unterkunft für junge Flüchtlinge in der Alten Mühle in der Bahnhofstraße, die im November eingerichtet wurde, gibt es nach wie vor. Laut Kreisverwaltung kümmert sich das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) dort um neun Jugendliche. Das Jugendamt ist laut Fritzinger aktuell für 70 unbegleitete minderjährige Ausländer zuständig. Seit November habe die Behörde 81 Fälle bearbeitet. Sechs der jungen Menschen seien volljährig geworden. Mit 18 verlassen die Flüchtlinge für gewöhnlich die Einrichtungen für Jugendliche. Unter gewissen Voraussetzungen kann die Jugendhilfe auch noch nach dem 18. Geburtstag gewährt werden. Durch Familienzusammenführungen seien fünf junge Flüchtlinge „in andere Zuständigkeiten“ übergeben worden; sie verließen die Unterkünfte für Jugendliche. Von den derzeit 70 unbegleiteten jungen Ausländern werden 48 im Rahmen der Hilfe zur Erziehung in Jugendhilfe-Einrichtungen betreut. „Die von uns in Anspruch genommenen Einrichtungen befinden sich in Trier (sechs Jugendliche), Birkenfeld (sechs), Homburg (sieben), Schwegenheim (zwei), Pirmasens (18) und Contwig (neun)“, erklärt Fritzinger, dass längst nicht alle jungen Flüchtlinge, um die sich der Kreis kümmern muss, auch in der Südwestpfalz leben. Die 18 jungen Ausländer, die in Pirmasens betreut werden, verteilen sich dort auf Einrichtungen der Johanniter, der Diakonie und des Nardinihauses. Neben dem Jugendamt des Kreises bringen dort auch die Jugendämter Pirmasens und Zweibrücken Jugendliche unter. Auch außerhalb solcher Unterkünften unterstützt der Kreis minderjährige Flüchtlinge. 18 junge Ausländer, die dem Kreis zugewiesen sind, leben bei Verwandten. Vier Jugendliche bekommen ambulante Hilfen zur Erziehung, „um deren Integration und Verselbstständigung in ihrem familiären Umfeld zu gewährleisten beziehungsweise um den besonders belastenden Lebensumständen gerecht zu werden“, sagt Fritzinger. Dabei geht es um sprachliche und schulische Qualifizierung und um die Integration in Vereine, aber auch um Hilfe, um belastende Erlebnisse der Flucht zu verarbeiten. Zunächst hatte die Kreisverwaltung Pflegefamilien gesucht, um junge Flüchtlinge unterzubringen, die sich alleine auf den Weg nach Deutschland gemacht hatten oder im Laufe der Flucht von ihrer Familie getrennt wurden. Die Flüchtlinge seien jedoch fast alle bereits im Jugendalter, für das das Angebot einer Pflegefamilie „grundsätzlich kaum noch geeignet ist“, so Fritzinger. Die wenigen Kinder, die im Kreis ankamen, seien in der Regel mit älteren Geschwistern gereist. „Eine Geschwistertrennung kam nicht in Frage“, so Fritzinger. Deshalb habe die Kreisverwaltung aufgehört, nach Pflegefamilien zu suchen.

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