Kultur Südpfalz Verführung in Musik

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Prickelnde musikalische Verführungskunst, wilde Instrumentaldialoge und feurige Klangfarben: Das Eröffnungskonzert des Festivalsommers im Stiftsgut Keysermühle war ein Glanzlicht für Klezmer-freunde. Unter dem Titel „Don Juan à la Klez“ verwob das Trio Jem des Ausnahmeklarinettisten Helmut Eisel Jem Opernmelodien mit Klezmermusik und dichtete bekannte Geschichten eindrucksvoll neu.

Der Saarbrücker, einer der besten und vielseitigsten Klezmer-Klarinettisten Europas, der weltweit konzertiert und Workshops leitet, moderierte humorvoll das Konzert mit seinen ebenfalls exzellenten Partnern Michael Marz (Gitarre/Vocals) und Stefan Engelmann (Kontrabass). Die leidenschaftliche jüdische Volksmusik war ein passender Auftakt zum fünften Kultursommer im Stiftsgut mit dem Motto „Weltenwandler“. Zu erleben war ein Mix aus Bearbeitungen von Musik aus Mozart-Opern und Eigenarrangements. Mit spaßigen Gags und unter Einbeziehung des Publikums riefen die Klezmermusiker eine heitere, rhythmisch ansteckende Atmosphäre hervor. Und das bei der variantenreichen, charmant verspielten „Zeitenreise“, bei der zuerst leichtfüßigen, dann inbrünstig schnellen Version von Mozarts „Notte e giorno faticar“ oder bei den temperamentvollen Eisel-Arrangements wie „Der Komtur“, „Sachikos Tune“ oder „Trolls Freilach“. Faszinierend war, wie fantasie- und genussvoll das Trio Mozarts „Don Giovanni“ unter die Lupe nahm, dabei wunderbare Turteleien inszenierte und liebestrunken instrumental verführte. Besonders die Frauen, die der Charmeur Helmut Eisel mit seiner Bassettklarinette „bezirzte“. Dafür verließ er auch schon mal die Bühne und schmachtete die Damen im Saal musikalisch an. Ein Ohrenschmaus waren auch der fröhliche Scatgesang des Gitarristen Marx als Solist oder im Duo mit Eisel sowie die Soli des Kontrabassisten Stefan Engelmann, etwa in Mozarts Rosenarie. Die verführerische „Don Giovanni“- Musik passe ideal zur Lebensfreude und Erzählkunst des Klezmer, mit seinen lustigen, traurigen und ergreifenden Momenten, so Eisel. Der Musiker sei eine Art „Gefäß“ für die Musik – und Klezmorim sein bedeute „Musik weitergeben“, die möglichst nachhallen solle, erklärte er. Fesselnd waren an dem Abend auch die virtuosen „Freilach“-Rhythmen, die wie stets auf dem Sprung wirkten und für viel Witz und Spannung sorgten. Aufhorchen ließen weiter das sensible Gitarrensolo zu „La ci darem la mano“ von Marx, variantenreiche Eisel-Kompositionen wie „Don“t speak, Play“, „FlitzFlitz“ und „My jiddische Mamme“. Dazu erzählte Eisel anrührende Hintergrundgeschichten. Etwa über ein Festivalprojekt mit Flüchtlingen, wo sich Musik als verbindendes Element und fruchtbares Kommunikationsmittel erwies. Für die 15 wunderschönen Klezmer-Beiträge aus dem Repertoire des Trios mit Tango, Gypsy Swing und Klassikelementen gab es viele spontanen Bravorufe und einen verdient dicken Applaus vom Publikum. Das hatte sich zuvor beim „Klezmer Freilach“ auf Eisel-Anweisung mit ei-nem „Ojojoi“- Kanon eingebracht und sang am Ende der Zugaben „Ursulas Freilach“ und „Saraya Nights“ einen Summton. Das war stimmig, auch wenn es wegen einiger lichter Reihen kein donnernder Chor war.

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