Rheinpfalz Trippstadt: Das Hobby zum Beruf gemacht
Auf Burg Lichtenberg war sie schon einmal zum Luchs-Vortrag, doch der Schreibtisch, an dem die Biologin Sylvia Idelberger bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz das Projekt „EU Life Luchs“ leitet, steht im Trippstadter Schloss. Auch dort ist sie von Luchsen umzingelt.
Der Luchs ist allgegenwärtig. Sendehalsband, Fotos, Flyer oder Haare potenzieller Beutetiere: Auf und um den Schreibtisch von Sylvia Idelberger deutet viel auf den Mittelpunkt ihre Arbeit. Die Biologin arbeitet im Trippstadter Schloss mit ihrem kleinen Team am Projekt „EU Life Luchs“.
Der Weg zum Schreibtisch von Sylvia Idelberger passt zu ihrem Job. Gewöhnlich ist am Trippstadter Schloss nämlich nichts. Erst einmal ein paar herrschaftliche Treppen hinauf, die große Holztür öffnen, hinein in den hochräumigen Flur und durch eine weitere leicht antiquierte Tür geht es vorbei am Schreibtisch des Kollegen Michael Back. Manchmal warten dort auch die Schweißhunde, die sich mit dem Auffinden von Luchsen bestens auskennen. Beim Besuch der RHEINPFALZ nehmen sie wohl eine Auszeit daheim. Dafür sitzen Michael Back und auch Judith Ohm an ihren Schreibtischen. Fehlt nur Annina Prüssing, und das Team Life Luchs wäre komplett.
Seit 20 Jahren schon mit Artenschutz beschäftigt
„Hier macht jeder alles“, will Sylvia Idelberger sich gar nicht hervorheben. Auch ihr Team will sie bei der bislang sehr erfolgreichen Wiederansiedlung des Luchses im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen nicht alleine wissen. „Es ist ein gemeinsames Projekt einer ganzen Region“, sieht Idelberger eine große Bandbreite an Partnern und Interessengruppen hinter dem Luchs. Von den Jägern über die Nutztierhalter bis zu den Verbandsgemeinden gehe es grenzüberschreitend auf einer konstruktiven gemeinsamen Ebene voran. Und wie es voran geht! 16 der geplanten 20 in der Schweiz oder in der Slowakei gefangenen Luchse sind bereits in den Pfälzerwald umgesiedelt worden. Nachwuchs hat es in der Pfalz bekanntlich ja auch schon gegeben.
Artenschutz ist genau das, was die aus Neustadt stammende 44-jährige Sylvia Idelberger bewegt. „Ich beschäftige mich bestimmt schon seit 20 Jahren mit Artenschutzprojekten. Jede Tierart ist spannend“, hat die Biologin, die an der TU Kaiserslautern studiert hat, längst ihr Hobby zum Beruf gemacht. Erst waren es Amphibien und Reptilien, und nun schon seit 2010 der Luchs. Idelberger war schon bei der Gründung des Luchsvereins dabei, arbeitet seit 2013 bei der Stiftung Natur und Umwelt und leitet seit 2015 das noch bis September 2021 laufende Luchsprojekt.
„Kein Tag ist wie der andere.“ Zwar findet es Idelberger nicht ganz so prickelnd, viel Zeit am Schreibtisch verbringen zu müssen, aber die Luchse sorgen selbst im Büro für gewaltige Abwechslung. „Das individuelle Verhaltensmuster der einzelnen Luchse miterleben zu können ist schon schön“, erzählt sie unter anderem von der Luchsdame, die nur wenig den Pfälzerwald erkundet oder von einem anderen, der in wenigen Tagen locker über 300 Kilometer marschiert ist. Das „Beobachten“ der Luchse funktioniert mittels der Sendehalsbänder. Nur, die haben eine begrenzte Batterie. „Unsere große Bitte ist es: Wenn jemand im Wald einen Luchs sieht, bitte bei uns melden“, betont Idelberger, jede Meldung sei für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes wichtig.
Falls der Luchs kommt: „Moment genießen, Foto machen“
Die Wahrscheinlichkeit eins der Tiere zu sehen, sei zwar nicht hoch, aber auch nicht ausgeschlossen. Auch bei den Luchsen zeige sich ein individuelles Verhalten: Einige verschwinden direkt, andere bleiben und schauen erst einmal irritiert und vielleicht verärgert, weil sie selbst nicht besser aufgepasst haben und der Mensch sie nun entdecken konnte. „Den Moment genießen, vielleicht ein Foto machen und melden“, rät die Biologin. Selbst hat sie die Tiere alle beim Transport in die Pfälzerwald in natura erlebt und doch war eine weitere Begegnung etwas Besonderes für sie. „Auf der Heimfahrt von Trippstadt nach Neustadt habe ich tatsächlich Lucky gesehen“, erzählt sie.
Privat geht sie auch ohne den Grund „Luchs“ gerne in den Wald, auch mal mit dem Rad. „Das ist ausbaufähig“, muss sie aber doch lachen. Die Luchse nehmen sie halt arg in Beschlag. Das aber ist ihr zufolge „schon schön!“
Info
- Wer Fragen rund um die Luchse hat, kann sich gerne beim „Life Luchs Projekt“ in Trippstadt melden. Alle Infos unter www.snu.rlp.de.
- Wer einen Luchs gesehen hat, der kann sich zudem per Telefon an die Hotline 06306-911199 oder per E-Mail an luchs@snu.rlp.de wenden.