Grossniedesheim
Tradition lebt wieder auf: Kerweborsch feiert Rückkehr auf Kerwebühne (mit Bildergalerie)
Dass sich nach der Wiedereinführung des Kerweumzugs im vergangenen Jahr am Sonntagnachmittag erneut ein Umzug durch Großniedesheim schlängelte, darüber ist der neue Ortsbürgermeister Markus Wilhelm (SPD) froh und stolz. Für das Großniedesheimer Urgestein Thomas Scheuermann war nach der erfolgreichen Wiederbelebung klar, dass auch der Brauch der „Kerweredd“ eine neue Chance bekommen sollte. Er stellte sich als Kerweborsch zur Verfügung und hatte seinen ersten offiziellen Auftritt in schwarzer Weste und mit roter Nelke am Zylinderhut mit Markus Wilhelm am Freitagmorgen in der Grundschule. Dort freuten sich die Kinder bei tollem Sommerwetter riesig über das spendierte Eis.
Das Wetter trug am Freitag- und Samstagabend außer der Musik von den Mondays und DJ Sapphire dazu bei, dass die Leute bis nach Mitternacht auf dem Kerweplatz blieben. Vereinszelte und die Kinderhüpfburg waren auf dem Sportplatz aufgestellt worden. Ein Konzept, das sich 2025 laut Bürgermeister Wilhelm bewährt hat. „Wir ziehen immer wieder kleine Stellschrauben nach“, berichtet er und meint die stetigen Verbesserungen. So wurde in diesem Jahr ein fester Zeltboden installiert – für den Fall, dass es regnet. Das sollte sich am Sonntagnachmittag noch auszahlen.
Kerweborsch startet Umzug
Die Großniedesheimer machten es sich auf Campingstühlen vor ihren teils mit grüngelben Ortsfahnen geschmückten Häusern bequem und warteten auf den mit 34 Nummern angekündigten Umzug. Pünktlich um 14 Uhr läutete Kerweborsch Scheuermann mit der Glocke und dem Ruf „Wem gehört die Kerwe?“ in der Heppenheimer Straße das Umzugsspektakel ein. Begleitet wurde es von den ehemaligen Kerweburschen Klaus, Ralf und Heinrich. Letzterer soll 1990 der Letzte gewesen sein, der das Amt ausübte.
Aus offenen Cabrios grüßten in tollen Kleidern die Dirmsteiner Karnevalsprinzessin und die Weinhoheiten aus Kleinniedesheim und dem Leiningerland. Miss Strohhut Larissa Kießling verbindet mit der Großniedesheimer Kerwe etwas Besonderes: 2025 war es ihr erster Auftritt nach ihrer Ernennung. Weil die neue Miss Strohhut noch nicht im Amt ist, durfte Larissa ein zweites Mal in der Eckbachgemeinde die Stadt Frankenthal repräsentieren.
Mackenbacher spielen auf
„Hier muss man ja richtig sportlich sein und sich bücken“, war einer der Kommentare zu den ins Publikum geworfenen kleinen Geschenken. Für fröhliche Klänge sorgten der Guggemusikzug aus Ludwigshafen und die Mackenbacher Blaskapelle im Planwagen.
Vom Lastwagen der Großniedesheimer Firma Nagel-Neumann erklang laute Partymusik. Unter dem Titel „Zwergenzirkus“ präsentierte sich der Kindergarten. Einige der jüngsten Artisten liefen als Clowns oder in Tierkostümen ausdauernd die komplette Strecke hinter dem Planwagen her.
An das 300. Kirchenjubiläum erinnerte der Motivwagen aus Kleinniedesheim. Während aus den Wagen ortsansässiger Handwerksbetriebe Stimmungsmusik erklang und die Fußgruppen der Vereine bekannten Gesichtern zuwinkten, wagte der eine oder andere Besucher einen Blick in den Himmel. Selbsternannte Wetterkenner meinten: „Maximal drei Drobbe.“ Was sich als Fehlprognose erwies.
Platzregen setzt ein
Zeitgleich mit dem Auftritt von Kerweborsch Thomas Scheuermann gegen 15 Uhr auf der Sportplatzbühne setzte ein 15-minütiger Platzregen ein, sodass Scheuermann vom ursprünglichen Konzept abweichen musste. Eigentlich wollte er auf der großen Leiter stehend vortragen, so aber zog er es vor, sich unter das sichere Bühnendach zu stellen. Trotz seiner lauten Stimme ging die Rede zeitweise im lauten Regenschauer unter.
Altbürgermeister bekommt „Fett weg“
Altbürgermeister Michael Walther (SPD) bekam als erster sein Fett weg, weil man ausgerechnet vor seinem Anwesen die Dorffahne vermisste. An eine Kontrolle in der alten Schreinerei erinnerte der Kerweborsch mit der Frage: „Verschwunde wie Geischter, kääner mehr do. Mer frogt sich im Ort: Bleibt des jetz so?“ Immer wieder das Schorleglas erhebend erinnerte Scheuermann an das Fassanstich-Debakel vom vergangenen Jahr. Dass man jetzt zur Autoanmeldung nach Schifferstadt muss statt ins nahe Heßheim, fand der Kerweborsch nicht lustig, erheiternd hingegen einen Hundebesitzer, der sich „naggisch“ beim kurzen Gassigang ausgesperrt haben soll.
Dankesworte von Scheuermann galten seinen beiden Redenschreibern Johanna Orth und Yannik Scherf.