Rheinpfalz Terex droht mit Aus für Standort

Placeholder-Image

Der Zweibrücker Kranbauer Terex will sein Vergütungssystem umstellen. In drei Runden verhandelte das Unternehmen mit dem Betriebsrat und der IG Metall – ohne Ergebnis. Nach dem Streit mit der Gewerkschaft fährt die Konzernleitung nun schweres Geschütz auf. Sie fragt nämlich: Ist der Standort überhaupt zukunftsfähig?

Das Management der Muttergesellschaft, der US-amerikanischen Terex Corporation, ist massiv verunsichert. Das steht in einer Stellungnahme des Zweibrücker Standortleiters Klaus Beulker. Als Grund nennt Beulker, dass die Verhandlungen vor der neutralen betrieblichen Einigungsstelle über den Wechsel des Systems der Bezahlung von rund 800 Mitarbeitern in der Produktion nach drei Runden ergebnislos abgebrochen wurden. Für die Konzernleitung stelle sich die Frage, ob der Standort für den Bau schwerer Raupen- und Autokrane überhaupt zukunftsfähig sei, so Beulker, der im Sommer zum neuen Chef in Zweibrücken bestellt worden war. „Wir sind traurig über den Abbruch der Verhandlungen. Dieser Einigungsstellentermin hat uns eine echte Chance geboten, unseren Standort zu stabilisieren. Dies hat der Betriebsrat ausgeschlagen. Für den Standort ist das eine große Belastung“, schreibt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur. Wie berichtet, will die Terex-Geschäftsführung in der Produktion vom sogenannten Prämienlohn zum Modell Leistungslohn mit Zielvereinbarungen wechseln. Der Betriebsrat und die IG Metall lehnen das allerdings ab. Das bedeute nämlich eine Abkehr von harten hin zu weichen Beurteilungskriterien bei der Lohnbemessung. Außerdem versuche die Geschäftsführung, durch den beabsichtigten Systemwechsel bei den Betroffenen 26 Prozent des Gehaltes einzusparen, im Schnitt 800 Euro. Der Betriebsratsvorsitzende Eduard Glass fordert Geschäftsführer Beulker dazu auf, den Mitarbeitern dies von Angesicht zu Angesicht in einer Betriebsversammlung zu erläutern und eine unzutreffende Sachdarstellung der Unternehmensführung zu korrigieren. Der Betriebsrat habe die Gespräche auch nicht abgebrochen, sondern stehe selbstverständlich für weitere Verhandlungen, „auch außerhalb der Einigungsstelle“, zur Verfügung. Die Einigungsstelle ist noch einmal für den 22. Januar einberufen. Glass richtet namens des Betriebsrats auch einen Appell an den neuen Standortchef: „Herr Dr. Beulker, Sie sind gerade dabei, das Vertrauen der Belegschaft und des Betriebsrats gänzlich zu verspielen. Kommen Sie zur Besinnung!“ Beulker kündigte bereits an: „Sollte es in den nächsten Wochen nicht zu einer Einigung kommen, sind wir gezwungen, Einschnitte vorzunehmen.“ Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall droht Terex bereits damit, das Werk Bierbach zu schließen. 150 Mitarbeiter im Stahlbau wären betroffen, zudem die Abnahme schwerer Raupenkrane. Noch in diesem Jahr hatte Terex massiv in Bierbach investiert. Terex bestätigt nur, dass man für den Fall ergebnisloser Verhandlungen die Planung „möglicher Maßnahmen“ aufgenommen habe. Maßnahmen seien notwendig, unterstreicht Standortchef Klaus Beulker, weil die wirtschaftliche Situation von Terex Cranes Germany, also Zweibrücken, weiterhin schwierig sei. In einem internen Papier spricht Beulker von massivem Wettbewerbsdruck, sowohl von externen Wettbewerbern als auch im Terex-internen Standortvergleich. Wörtlich steht im Papier: „Dass die momentane wirtschaftliche Lage für uns dramatisch ist, macht die aktuelle Gewinnwarnung von Terex für das Cranes-Segment deutlich. In diesem Bereich stehen wir für rund 70 Prozent des Ergebnisses.“ Für Zweibrücken war erst im Oktober vergangenen Jahres der Abbau von 120 Stellen vereinbart worden, rund 65 reell. Rund ein Dutzend Mitarbeiter hatten gegen ihre betriebsbedingte Kündigung erfolgreich vorm Arbeitsgericht geklagt. (cps)

Mehr zum Thema
x