Herxheim / Köln
Svea Kirschmeier ist für den Theaterpreis Faust nominiert - das hat sie selbst überrascht
Am 25. November entscheidet sich, ob Svea Kirschmeier zu den Gewinnerinnen zählt. Neben der Kölnerin gibt es zwei weitere Nominierungen in der Sparte Theater für junges Publikum. In die Auswahl kam die 23-Jährige für ihre Hauptrolle in „Petra Pan“ am Kölner Comedia-Theater, einer freien Bühne wie das Herxheimer Chawwerusch. Im Videotelefonat erzählt sie, dass der Kontakt in die Südpfalz über die Regisseurin Susanne Schmelcher zustande kam, die für das Pfalztheater Kaiserslautern das Stück „Bürckel! Frau Gauleiter steht ihren Mann“ inszeniert hat und neben Heidelberg und Konstanz auch im Rheinland arbeitet.
Die Nominierung für den Theaterpreis hat Svea Kirschmeier sehr überrascht, wie sie gesteht. „Mein erster Gedanke war: Das kann doch gar nicht sein.“ Denn auf der Theaterbühne sei sie eher zufällig als absichtlich gelandet: „Nach dem Abi habe ich ein Jahr Bundesfreiwilligendienst als Regieassistentin an der Kölner Comedia gemacht. Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Theater und habe alles mit großen Augen aufgesogen.“ Aufgewachsen ist sie in dem kleinen Dorf Nöthen bei Bad Münstereifel. Und da sei sie kaum mit Theater in Kontakt gekommen.
„Das Universum will mir sagen, mach erst mal weiter“
Nach dem Jahr stand fest: „Wow, da will ich bleiben.“ Da hatte sie schon so viele Kontakte geknüpft, dass sie vom Stand weg für Produktionen verpflichtet wurde. Erst als Komponistin für das Schauspiel in Wuppertal – Musik habe sie schon als Kind gemacht. Und dann über eine Gesangspartie auch immer häufiger als Schauspielerin. „Ich habe mich da einfach reingeschmissen.“ Und in jeder Produktion lerne sie wahnsinnig viel dazu – „immer noch“. Eine Schauspielschule hat sie nie besucht. Und auch das Hochdeutsch, das andere sich mühsam erarbeiten müssen, ist ihr schon in die Wiege gelegt.
Jedes Frühjahr, wenn die Bewerbungszeit für die Schauspielschulen naht, grübelt sie, ob sie sich nicht doch besser das Rüstzeug für die Bühne systematisch draufschaffen sollte – auch, um sich nicht allein in Rheinland und Ruhrgebiet festzuspielen. So war es auch im vergangenen Jahr. Doch dann flatterten gleich fünf Anfragen aus der ganzen Republik in den virtuellen Briefkasten – darunter auch von der jungen Sparte am Herxheimer Chawwerusch. Und da habe sie gedacht: „Das Universum will mir sagen, mach erst mal weiter.“ Und dann hat das Universum auch noch die Nominierung für den Faust nachgelegt.
„Die Reaktion ist direkter, ungefilterter, auch härter“
Verblüfft habe sie, wie früh die Herxheimer sie eingebunden haben. „Ich habe noch nie erlebt, dass man ein halbes Jahr im Voraus in die Entstehung des Stücks involviert wird.“ Das Chawwerusch sei klein im Vergleich zur Comedia in der Kölner Südstadt. Auch dort macht Svea Kirschmeier fast nur Jugendtheater. Das Besondere vor allem an Schulvorstellungen: „Die Reaktion ist direkter, ungefilterter, auch härter. Denn da sitzen Menschen, die sich das nicht ausgesucht haben“, sagt die junge Frau mit der sportlichen, hoch aufgeschossenen Statur. Sie finde es schön, ein Publikum zu haben, das sich nicht bewusst für den Kauf einer Karte entschieden hat und das oft nicht mal weiß, wie man sich in einem Theater verhält. Denn junge Menschen seien offener, man könne ihnen noch was zeigen. Und dann spielt sie in der Südpfalz auch in einem queeren Stück. Das sei auf dem Land noch mal eine ganz andere Herausforderung als in einer Großstadt.
Stolz ist Svea Kirschmeier nicht nur auf die Faust-Nominierung, sondern auch auf ihre erste Platte, die sie gerade herausgebracht hat: die EP „Raus“ mit sechs eigenen Songs, alle in unterschiedlichen Stilen. „Die haben alles etwas Theatrales“, sagt sie. Schon als junges Mädchen habe sie Straßenmusik gemacht und auf Festen Covers gesungen. Ihr Hauptinstrument ist das Saxofon, da hatte sie einige Jahre Unterricht. Den Rest habe sie sich selbst beigebracht: Gitarre, Handpan, Ukulele, Klavier, Schlagzeug, Gesang. Auch an das Komponieren ging sie intuitiv heran. „Zum Glück. Damit habe ich ein paar Blockaden gar nicht erst aufgebaut“, sagt Svea Kirschmeier erfrischend unbefangen.