Rheinpfalz Studenten leiden unter Mietwucher
Eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts offenbart die finanziellen Nöte der Studenten. Lena Sommer ist dafür das beste Beispiel. Die angehende Deutsch- und Geschichtslehrerin muss in ihrem Alltag nahezu jeden Cent zweimal umdrehen.
«Mannheim.»Mit ihrem Freund teilt sich Lena Sommer eine Wohnung in Mannheim. 700 Euro müssen die beiden monatlich für Miete, Strom und Internet aufbringen. Bei einem Bafög-Zuschuss von 370 Euro pro Monat ein knappes Kalkulationsspiel. „Mein Freund unterstützt mich da sehr, anders würde es gar nicht gehen“, sagt die 23-jährige Rülzheimerin (Kreis Germersheim). Bis 2020 soll der Höchstsatz an staatlicher Unterstützung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (Bafög) für Studenten um 15 Prozent steigen. Eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts zeigt aber: Selbst der bisherige Höchstsatz von 649 Euro reicht in beliebten Hochschulorten den Studierenden nicht zum Leben. Die Berliner Forschungseinrichtung nahm bundesweit die Ausgaben der Studierenden für Wohnung, Nahverkehr, Studium, Verpflegung und Lebenshaltung unter die Lupe. Das Ergebnis: In 20 von 96 untersuchten Hochschul-Standorten kann auch die geplante Reform der Ausbildungsförderung die Lebensunterhaltungskosten nicht decken. Spitzenreiter ist München: In der bayrischen Hauptstadt kostet Studierende das Leben im Durchschnitt 1000 Euro pro Monat. Aber auch Frankfurt (885 Euro), Heidelberg (780 Euro), Karlsruhe (765 Euro) und Mannheim (750 Euro) finden sich im oberen Bereich der Tabelle wieder. In Thüringen ist das Studentenleben mit 595 Euro am günstigsten – noch. In Mannheim werden allein 350 Euro Miete kalkuliert. Bei Lena Sommer geht zumindest diese Rechnung auf. Aber wie kommt man sonst über die Runden? „Ich verdiene mir bei der Forschungsgruppe Wahlen etwas dazu. Aber eben nur so viel, dass das Studium nicht darunter leidet“, sagt sie. Denn das kostet auch ohne Bücher, Referats-Handouts und Co. viel Zeit und Geld. Zweimal im Jahr werden jeweils 320 Euro für Semesterbeiträge plus Bahn-Ticket fällig. Nicht nur deshalb hat die Studentin gelernt, sich einzuschränken und zu arrangieren. „Wir schmeißen alles in einen Topf. Da bleiben rund 250 Euro für jeden übrig. Das ist nicht die Welt, aber ich bin niemand, der einmal im Monat zum Frisör muss. Feiern und mal locker 50 Euro an einem Abend ausgeben, ist nicht drin. Urlaub geht gar nicht“, erklärt sie. Auch Amelie aus Sinsheim zog zu Beginn ihres Studiums zunächst nach Mannheim. Aber nur für ein halbes Jahr. 340 Euro Bafög-Zuschuss bekam sie monatlich, 250 Euro waren dabei pauschal für die Wohnung vorgesehen. Zu wenig, um sich bei einer noch verhältnismäßig günstigen WG-Miete von 325 Euro finanziell über Wasser zu halten. Daher zog sie wieder zu ihren Eltern und erhält nun noch 140 Euro an staatlicher Unterstützung. Über eine Stunde Zugfahrt nimmt sie für ihre Seminare und Vorlesungen in Kauf. „Ich arbeite nebenbei, aber ohne die Hilfe meiner Eltern würde es nicht gehen“, erklärt sie. Dass Nebenjobs oder die finanzielle Unterstützung von Eltern und Verwandten für das Studium trotz staatlicher Fürsorge im Grunde unverzichtbar sind, zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts. Gerade die unterschiedlichen Wohnkosten der Universitätsstädte werden als Hauptgrund für das Ungleichgewicht gesehen. Daran könne auch eine deutliche Anhebung der Wohnpauschale auf 325 Euro wenig ändern, die vom Bildungsministerium vorgesehen ist. Schließlich liegen die bundesweiten Durchschnitts-Preise für Zimmer in einer Wohngemeinschaft bei 363 Euro. Tendenz steigend. „Lokale Besonderheiten bei den Studienkosten dürfen nicht darüber entscheiden, ob jemand ohne finanzielle Unterstützung der Eltern studieren kann“, sagt Forschungsdirektor Stefan Brauckmann. Er plädiert für einen regional angepassten Ortszuschlag. Schließlich sind die Studenten von heute die Arbeitskräfte von morgen. Egal, ob sie in Leipzig, Hamburg oder Mannheim studieren. „Die Beratung im Studierendenwerk ist immer sehr freundlich, aber das ändert nichts an der Lage, dass das Geld immer sehr knapp ist“, sagt Sommer.