Rheinpfalz Streifen mit Maschinenpistolen

Nach dem Terroranschlag in Berlin verstärkt die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Kaiserslauterer Weihnachtsmarkt. So werden die Patrouillen der Polizei ab jetzt Maschinenpistolen tragen. Auch sollen Zufahrten zum Marktgelände an der Stiftskirche abgeriegelt werden.
Der stellvertretende Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, Franz-Josef Brand, erklärte gestern gegenüber der RHEINPFALZ, in Rheinland-Pfalz sei die Polizeipräsenz auf ausgewählten Weihnachtsmärkten, wozu Kaiserslautern gehöre, erhöht worden. Nach dem versuchten Anschlag eines Zwölfjährigen auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen (wir berichteten ausführlich) sei die ohnehin starke Polizeipräsenz am Montag noch einmal erhöht worden. Jetzt werde nach dem Anschlag in Berlin die Schlagzahl erneut gesteigert. Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehören nach den Worten von Brandt nicht nur mehr Streifen rund um den Weihnachtsmarkt, seit dem gestrigen Dienstag würden auch Maschinenpistolen getragen, zumindest eine pro Patrouille, was die Polizei eigentlich habe vermeiden wollen. Es werde in zwei Schichten den ganzen Tag über Patrouille gelaufen. Auch werde der Lieferverkehr kontrolliert, der zum Weihnachtsmarkt wolle. Außerdem werde die Polizei die Zufahrten zum Weihnachtsmarkt sichern: mit Gruppenfahrzeugen der Polizei, die quer gestellt werden. Nicht alle Zufahrten würden zur gleichen Zeit gesichert, vielmehr gebe es ständig wechselnde Absperrungen. Selbst ein Lastwagen wie der in Berlin sei nicht in der Lage, über ein solches Polizeifahrzeug hinwegzufahren, betonte der stellvertretende Polizeipräsident, nach dessen Worten die Polizei mit den Barrikaden das Ziel verfolgt, nicht berechenbar zu sein. Auch beim Silvestermarkt nach Weihnachten blieben die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen bestehen. Die Stadtverwaltung treffe ebenfalls verstärkt Vorkehrungen. Wie die genau aussehen, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt teilte lediglich mit, die Sicherheitsvorkehrungen für den Weihnachtsmarkt würden verstärkt. Die Stadt stehe in intensivem Kontakt mit der Polizei, in die Gespräche miteinbezogen seien Feuerwehr und die Marktverwaltung. Auf dem Weihnachtsmarkt gab es unterdessen gestern um 18 Uhr eine Schweigeminute. Nach den Worten von Karl Knörr, der den großen Glühweinstand vor der Stiftskirche betreibt, sei zwar an den Ständen weiterhin Musik gelaufen, aber die großen Musikveranstaltungen seien abgesagt worden. Bereits am Montagabend habe der Weihnachtsmarkt um 21 Uhr geschlossen, eine Stunde früher als sonst – aus Solidarität mit den Kollegen in Berlin und natürlich den Opfern des Anschlags und deren Angehörigen, wie Knörr ausführte. Knörr betonte, der Weihnachtsmarkt gehe weiter – nicht wegen der Umsätze, Geld sei nach dem Anschlag in Berlin zweitrangig. Es gehe vielmehr um Lebenskultur, zu der die Weihnachtsmärkte gehören, die dürfe nicht aufgegeben werden. Der Standbetreiber geht davon aus, dass das auch ein Großteil der Bürger so sieht, gestern Abend sei das Besucheraufkommen ganz normal gewesen. Knörr hat gestern früh mit einem Freund gesprochen, der einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche hatte. Der Mann sei sehr schockiert, der Weihnachtsmarkt werde wohl nicht mehr öffnen. Knörr kann allerdings nicht verstehen, wieso an der Hauptverkehrsstraße, von der aus der Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt einbog, keine Sicherheitspoller aufgestellt waren, zumal dort ja auch ein Unfall hätte passieren können. In Kaiserslautern sei so etwas nicht möglich, hier gebe es keine direkte Zufahrt zum Weihnachtsmarkt, durch die ein Lastwagen fahren könne. POLITIK |dür