Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Stefanie Patruno bringt frischen Wind in die Städtische Galerie

Die Neue: Stefanie Patruno.
Die Neue: Stefanie Patruno.

Die neue Leiterin Stefanie Patruno hatte Zeit, sich heranzutasten: an ihr neues Team, die Sammlung, das Haus. Doch diese Zeit der scheinbaren Ruhe ist seit Samstag vorbei, seit die Städtische Galerie Karlsruhe wieder für Besucher geöffnet hat.

Als Stefanie Patruno von den Besucherinnen spricht, betont sie das mitgedachte Gendersternchen vor *innen. Linguisten nennen diese kurze Pause Glottisschlag. Für Akademiker oder Zuschauer der Nachrichten in ARD und ZDF nichts Neues. Eine feine Bagatelle. Aber doch symptomatisch dafür, dass sich mit der neuen Leiterin der Städtischen Galerie etwas ändern wird. Und wenn nicht heute oder morgen, dann spätestens übermorgen.

Im Februar hat die 42 Jahre alte Kunsthistorikerin, die in Heidelberg Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Byzantinistik studierte, das Amt von ihrer in den Ruhestand verabschiedeten Vorgängerin Brigitte Baumstark übernommen.

Geplante Ausstellungen laufen

Programmatisch hat Patruno entschieden, die für die Zeit des Lockdowns geplanten Ausstellungen zu retten. Daher sind nun über die drei Gebäudeetagen die Arbeiten von Daniel Roth, Ralf Gudat, und Wilhelm Loth zu erleben. Die erste Resonanz hinsichtlich der online und telefonisch möglichen Anmeldungen sei gut: „Der Kalender füllt sich bei uns jetzt auch.“ Die bewährten Öffnungszeiten aus der Zeit vor Corona sollen bleiben, auch die gewohnten Ruhetage montags und dienstags. Sollte die Sehnsucht des Publikums tatsächlich groß werden, dann stünden diese zur Disposition. Der Eintritt ist zunächst frei.

Hatte Patruno in ihren ersten Tagen noch einen „Blick von außen, so wird dieser jetzt schon ein wenig gelenkt“, sagt sie. Hinsichtlich Veränderungen hält sie sich mit Details noch zurück. Allerdings will sie ein neues Leitbild erarbeiten um zentrale Fragen: Wo steht man als Museum und Städtische Kunstsammlung? Wie kann man Kunst präsentieren und vermitteln? Wie sammelt man unter den aktuellen wie kommenden Herausforderungen der Gegenwart?

Wie abgrenzen von den anderen Museen der Stadt?

„Wir haben eine großartige Sammlung von der Romantik bis in die Gegenwart, allerdings mit starkem Fokus auf Malerei und Fotografie“, sagt Patruno. Sie will die Sammlung weiterentwickeln: Sie solle „aktuell und brisant gehalten werden, um weiter in die Zukunft gedacht zu werden“. Doch auch, wenn man die Sammlung unter stärkerer Einbeziehung von Künstlern, Kunsthistorikern und Forschung neu präsentieren werde, solle der Unterschied zu Kunsthalle, ZKM oder Landesmuseum erhalten bleiben.

Neben einem Verzahnen von digitalen mit analogen Angeboten wirbt die neue Leiterin vehement dafür, das Haus für einen Dialog mit der Stadtgesellschaft „zu öffnen und die Gegenwart des Lebens in einer digitalisierten und globalisierten Welt hereinzuholen. Es ist mir ein Anliegen, relevante Themen wie Rassismus, Diversität oder Frauen aufzugreifen. Und das über Sammlungsinterventionen zu tagespolitischen Themen, mit Diskussionen im Museum oder öffentlichem Raum oder allgemein über Kommunikationsstrukturen, die in die Gesellschaft wirken.“

Erfahrungen von Mannheimer Kunsthalle

Sie stützt sich bei diesen Herausforderungen auf die fundierten Erfahrungen aus einer Museumslaufbahn, die 2005 an der Kunsthalle Mannheim als Assistentin der Direktion und von 2008 bis 2016 als Ausstellungskuratorin und Sammlungskustodin für die Bereiche Skulptur, Fotografie und Neue Medien begonnen hat. 2016 wurde sie stellvertretende Direktorin, Kuratorin und Sammlungskonservatorin des Instituts Mathildenhöhe in Darmstadt.

Über all die Jahre hatte sie Karlsruhe im Blick. Schon als Studentin habe sie hier viele Ausstellungen kuratiert, was sich später mit Kooperationen zu KIT, Hochschule für Gestaltung und Professoren der Kunstakademie fortgesetzt habe. Stefanie Patruno: „Es steckt viel Potenzial und Energie in dieser Stadt. Ich bin gespannt.“

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Weitere Informationen unter.

Die Städtische Galerie Karlsruhe residiert gleich neben dem ZKM.
Die Städtische Galerie Karlsruhe residiert gleich neben dem ZKM.
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