Rheinpfalz
St. Wendel: Fußballer aus Wallhalben und Winterbach brechen Rekord im Dauerkicken
Es ist geschafft, die erste Hürde bravourös bewältigt: Seit Montagmorgen rollt der Ball nurmehr für Bonus-Stunden. Wacker aber lassen die Bestmarken-Jäger aus Wallhalben und St. Wendel-Winterbach das Bällchen weiter laufen. Erst am heutigen Mittwochabend soll der Abpfiff ertönen – nach 168 Stunden Dauerpassen und Einnetzen in Serie.
Durchhalteparolen sind ja sonst eher was für von Abstiegsängsten gepeinigte Amateur-Clubs oder von Finanznöten gebeutelte Profi-Vereine. Wenn allerdings die Beine wie Blei am Rumpf lasten, die Schritte immer schwerer fallen, die Blasen Ballongröße erreichen, dann dürfen sich auch die Dauerbrenner mal selbst Mut zusprechen. Zumal ja eigentlich keinerlei Pfeifen im Walde mehr nötig ist: Die Rekordjagd-Fußballer vom „Thank God it’s Friday - Event Club“ (TGIF-EC) Wallhalben und von den Sportfreunden (SF) Winterbach/Saar haben es ja schon gepackt.
Seit Montagmorgen, 7.01 Uhr, haben sie den Rekord fürs längste Fußballspiel der Weltgeschichte in der Tasche. Na ja, eine kleine Unwägbarkeit ist noch mit im Spiel: Der Rekord steht erst, wenn denn die penibel auf jede Kleinigkeit schielenden Augen der Guinness-Rekordbuch-Hüter bei ihrer Prüfung auch wirklich keine Krümel mehr finden.
Der bisherige Rekord liegt bei 108 Stunden Dauerfußball. Seit vergangenen Mittwochabend kicken die Hobbysportler. Am Mittwochabend ist die angepeilte Woche rum. Wie mehrfach berichtet, hatten die Wallhalber bereits zwei Rekordballons fliegen lassen. Beide waren abgestürzt – einmal, weil just zwei andere Teams fast zeitgleich noch länger auf dem Platz umher geirrt waren, einmal, weil die Juroren das Spielgeschehen als nicht schlüssig genug dokumentiert angesehen hatten.
Jede Spielminute dokumentiert
Das soll sich nun keinesfalls wiederholen. Viel Aufwand haben die Organisatoren in den Kamera-Beweis gesteckt. Der wird nun nicht schon während der Partie zu Rate gezogen – Elfmeter oder nicht, das ist den Jungs so was von schnuppe. Sondern danach. Es gilt, zu beweisen, dass auch ja kein Spieler das Gelände verlassen hat, mal eben ausgebüxt und dann wieder aufgelaufen ist.
Indes hat es leichten Schwund gegeben. Wie Chef-Organisator Dirk Stiwitz am Dienstag wissen ließ, sind inzwischen drei Spieler verletzungsbedingt ausgeschieden. Einer hatte echte Kreislaufprobleme – und die Gesundheit geht natürlich vor, auch bei den Fußball-Wahnsinnigen aus Wallhalben und Winterbach sowie aus weiteren Orten in Pfalz und Saarland.
„Wir sind jetzt irgendwo bei 1400 pro Team. Ich glaub’, wir liegen so etwa mit 30 Toren im Hintertreffen“, stöhnte Dirk Stiwitz. „Ich hab’ ja angeregt: Wir stellen uns jetzt hinten rein und machen dicht“, witzelte der Initiator des Fußball-Wahnwitzes. Der Appell des spielenden Teammanagers fand bei den Mannschaftskameraden indes wenig Anklang.
Was Stiwitz zur scherzhaften Plauderei über recht fragwürdige taktische Schachzüge bewogen hat: Noch am Montagabend, Stand 19.01 Uhr, lagen seine Farben in Führung, stand es 1270:1266 für die in Blau gewandeten „Wällwer“. In der Nacht aber scheinen die Winterbacher die berühmte zweite Luft bekommen zu haben.
Die Partie plätschert so dahin
Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass das Spiel inzwischen plätschert wie die kleine Dusche am Spielfeldrand, der es etwas an Druck mangelt. Nach wie vor sind Liegeplätze – vor allem auf Massagebänken – heiß begehrt bei frühsommerlicher Hitze. Es brütet gewaltig überm künstlichen Grün auf dem Winterbacher Kunstrasen. Mollige 65 Grad sind über der Kunstgrasnarbe gemessen worden.
Wasser, Wasser und noch mal Wasser. Dazu die Knetkünste von Betreuern – wie Stiwitz’ Frau Nadine, die sogar gelernte Ergotherapeutin ist. Ohne ihre helfenden Hände wäre der Göttergatte wohl schon ein fußballerisches Wrack. Den 48-Jährigen aber stachelt eben ein unglaublicher Ehrgeiz an.
Jener Ehrgeiz sollte aus allen verbliebenen 33 Akteuren über Nacht noch mal das Vorletzte herauskitzeln. Am letzten Tag droht eine weitere Hitzeschlacht. Und was droht beim Abpfiff? „Ehrlich, ich weiß es nicht. Wir haben jedenfalls nichts vorbereitet“, sagt Stiwitz.
Schiris lassen ihre Karten stecken
Viele Tore, wenig Fouls, keine Karten: Die Schiris haben sich darauf verständigt, dass es keine Verwarnung, gleich gar keinen Feldverweis geben soll. Denn das hieße ja einen Spielausschluss – bis zum Ende also. Und die folgende Sperre von mindestens einem Spiel würde sich ja bis zum St. Nimmerleinstag hinziehen. „Aber wir kommen ohne Karten aus“, sagte Schiri Leon Simbgen vom VfL Wallhalben.
Das bestätigte sein Kollege Christian Kiefer. „Ich find’ super, was hier läuft“, sagte Kiefer, der aus einem Dorf bei Losheim am See kommt. Vor allem eines hat Kiefer gerührt: der karitative Zweck. „Von diesem ganzen Zirkus profitiert ja auch die Stefan-Morsch-Stiftung, die sich dem Kampf gegen Leukämie widmet.“ Kiefer persönlich findet das besonders wichtig: „Meine Mutter ist an Leukämie gestorben.