Kultur Südpfalz Spannung von innen

Die Aufführung eines der großen Oratorien des Meisters ist ein zwar längst nicht mehr ein jährlicher, aber doch ein regelmäßiger Akzent im Programm der Karlsruher Händel-Festspiele. In diesem Jahr erklang nach 20 Jahren wieder die späte „Theodora“ von 1749. Peter Neumann dirigierte die Staatskapelle.
Der in Köln wirkende und lebende Musiker beschäftigt sich mit seinem Kölner Kammerchor schon seit vielen Jahren sehr intensiv mit Händels Oratorien und setzte mit seinen Konzerten bei den einschlägigen Festspielen und auf CD schon viele prägende Zeichen in diesem Repertoire. Nur in Karlsruhe war er noch nicht, dabei ist er in der Fächerstadt geboren. Sein Debüt mit der „Theodora“ war also fällig. Neumann brachte seinen Kölner Kammerchor gleich mit, den Orchesterpart übernahm die Badische Staatskapelle, die so auch ihren gewichtigen Festspielauftritt hatte. „Theodora“ wird nicht selten szenisch gegeben. Berühmt sind Peter Sellars Version in Glyndeborne 1996 und Christof Loys Salzburger Inszenierung von 2009. Doch noch weniger als bei der „Semele“ hatte Händel bei seinem vorletzten Oratorium, dass er nach Aussage des Librettisten Thomas Morell selbst sehr geschätzt haben soll, eine szenische Theateraufführung im Sinn. Die braucht es auch in keinem Fall, wenn so packend und dramatisch musiziert wird wie jetzt in dem Karlsruher Konzert. Peter Neumann ist ein Händel-Dirigent, der die musikdramatische Kraft der Oratorien mit Nachdruck umzusetzen versteht. So hatte auch seine „Theodora“ in jeder Phase Spannung und lebendigen Ausdruck. Der Kölner Kammerchor sang mit bestechender Fülle im Klang und Transparenz im Satz. Auch die Staatskapelle sorgte für ein innerlich bewegtes Spiel. Trotz der vielen getragenen Nummern in Moll ist diese Partitur sehr tief in der Empfindung. Das wurde an diesem Abend klar. Die nur aus Gästen bestehende Solistenbesetzung war exquisit und erfüllte in großem Maße die in sie gesetzten Erwartungen. In der Titelrolle kehrte Sine Bundgaard, die gefeierte Costanza im „Riccardo primo“ 2015, nach Karlsruhe zurück und überzeugte wieder durch einen wunderbar ebenmäßigen und fein ziselierten Gesang, der immer viel Wohllaut verströmte und von Ausdruck beseelt war. Der australische Countertenor David Hansen, der 2018 den Ruggiero in „Alcina“ singt, faszinierte als Didymus nicht minder. Sein Gesang ist in allen Lagen überlegen und differenziert in Phrasierung und Tongebung, dabei getragen von einem untrüglichen Stilgefühl. Tuva Semmingsen gab dem Part der Irene viele empfindsame Nuancen. Samuel Boden gefiel durch seinen leichten und höchst beweglichen Tenor in der Partie des Septimius, während der fulminante Bassist Morgan Pearse mit energischer Diktion der Figur des Valens ein sehr prägnantes und sängerisch absolut souveränes Profil gab. Das Publikum im gut besuchten Großen Haus war begeistert und spendete wie bei der „Semele“ anhaltenden Beifall. Kultur |rg