Rheinpfalz Soziale Dienste statt Briefmarkenhandel
Lange stand die frühere Fabrikantenvilla in der Kaiserstraße nicht leer. Nach einer kurzen Umbauphase hat der Regionalverband der Johanniter in dieser Woche sein neues Domizil am Kaiserplatz bezogen. Auf 390 Quadratmetern werden zumindest zeitweise die 130 Mitarbeiter des Verbands über die drei Stockwerke des denkmalgeschützten Hauses arbeiten.
In der Liste der rheinland-pfälzischen Baudenkmäler ist über die Villa nur bekannt, dass sie um 1900 gebaut wurde und Teil der Schuhwaren-Fabrik „H. & A. Kraft“ gewesen sein soll. Als Unternehmervilla ist das Gebäude ein stattlicher historisierender Mansarddachbau, wie er einst in Pirmasens öfter zu finden war. Die Klinkerfassade findet sich öfter in der Kaiserstraße. Dominik Tretter, hauptamtlicher Vorstand des Regionalverbandes Westpfalz der Johanniter, ist sehr zufrieden mit dem neuen Domizil. Zuvor residierten die Johanniter in der Delaware Avenue in einem früheren Kasernenbau aus den 30er Jahren, der nicht so recht geeignet war für die Belange des Verbandes. Von der Nutzfläche habe sich der Regionalverband mit dem Umzug zwar nicht verbessert, aber die Aufteilung der Räume sei in der Kaiserstraße einfach viel besser. Dazu kommt der barrierefreie Zugang in der Kaiserstraße über die Gebäuderückseite, was gerade für einen Verband, der in der Seniorenarbeit tätig ist, extrem wichtig sein dürfte. Im früheren Domizil hätten die Besucher drei Stockwerke ohne Aufzug überwinden müssen. Jetzt hilft ein Treppenlift. Schließlich will Tretter mit seinem Team in dem Haus mehr Vorträge zu Pflegeversicherung und Demenz anbieten als bisher und dafür auch Betroffene einladen. „Wir wollten ins Zentrum“, erzählt Tretter, der als hauptamtlicher Vorstand zusammen mit dem ehrenamtlichen Vorstand Claus-Werner Blauth den Regionalverband führt. Als großen Glücksfall bezeichnet Tretter das freie Grundstück hinter dem Gebäude, auf dem derzeit ein Parkplatz für rund 20 Fahrzeuge entsteht. Immerhin haben die Johanniter einen großen Fahrzeugpark und versorgen von dem neuen Domizil aus die gesamte Südwestpfalz inklusive der Städte Pirmasens und Zweibrücken. Dies sei ein weiterer Grund für die Unternehmervilla gewesen, erzählt Tretter und verweist auf die Landesstraße 600, die in unmittelbarer Nähe eine direkte Anbindung an die Autobahn, B 10 und südliche Kreisgebiete gewährleistet, ohne durch die ganze Stadt fahren zu müssen. 130 Mitarbeiter beschäftigt der Regionalverband. Die meisten sind außer Haus tätig, müssen aber immer wieder mal in die Kaiserstraße, um Medikamente zu richten oder Berichte zu schreiben. Über die Geschichte des Hauses hat Tretter ein bisschen recherchieren können. Ursprünglich habe der Bau einer jüdischen Kaufmannsfamilie gehört und dann einem Schuhfabrikanten. Lange Jahre war dann ein Briefmarken- und Münzhandel in dem Haus zu finden. Hinter dem Haus schloss sich ein Fabrikbau an, der jedoch vor einigen Jahren schon abgerissen wurde. In dem Anbau unter dem Dach residierte einige Jahre die Künstlerinitiative „Kunstprozesse“, die dort Ausstellungen und Festivals veranstaltete und die Räume als Atelier nutzte. Jetzt haben die Johanniter das Haus gekauft. Was es gekostet hat und wie viel die Johanniter noch reinstecken mussten, will Tretter nicht verraten. Die Umbauarbeiten seien in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz geschehen. So habe beispielsweise die Fassade nicht mit Dampfstrahlern gereinigt werden dürfen, sondern nur mit schonenden Verfahren. Der Brandschutz habe größere Dachfenster als Notausstieg gefordert und Brandschutztüren wurden zum Treppenhaus hin installiert. Für die Vorträge wurde eine separate Toilette im Erdgeschoss eingebaut. Ansonsten sei das Haus in einem guten Zustand gewesen und nur geringfügig zu sanieren. Mit den Umbauten wurde im Mai begonnen. Den Umbau betreute ein Rodalber Architekturbüro. Alle Arbeiten seien im Zeitplan erledigt worden, freut sich Tretter, der nicht mit Lob für die Handwerker spart. „Wir sind super zufrieden mit allen Handwerkern. Das hat toll geklappt.“ |kka