Rheinpfalz So manche Antwort überrascht

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„Die Geschichte bekommt ein Gesicht“, sagte Geschichtslehrer Ulrich Königstein vom Veldenz-Gymnasium Lauterecken zu dem Besuch der Geschichtskurse der elften Klassenstufe in der Pro-Seniore-Residenz in Lauterecken. 25 Schüler stellten den Senioren gestern Fragen zum Nationalsozialismus sowie den Jahren nach dem Krieg und waren überrascht über die Sichtweisen der Zeitzeugen.

Im Geschichtsunterricht und in Büchern sei der Unterricht immer genaustens vorgegeben, erklärte Ulrich Königstein. Beim Treffen mit den Zeitzeugen hätten die Schüler selbst in der Hand gehabt, was sie fragen und wie sich ein Gespräch entwickelt. So könne jeder fragen, was ihn am meisten interessiert. Die Geschichte werde durch Gespräche mit den Menschen lebendig und mache diese dadurch spannender. „Die Schüler erhalten hier Geschichte aus erster Hand und bekommen Bilder zu den Schulbuchtexten“, ergänzte Königstein „Die Menschen haben viel erlebt“, sagte Einrichtungs-Leiterin Rita Schneider zu dem wertvollen Erfahrungsschatz der Senioren. „Aus dieser Perspektive lernt man mehr zu schätzen, was wir haben“, sagte Königstein, zum Beispiel die Demokratie. Zudem werde der Dialog mit Senioren gefördert und respektvoller Umgang miteinander gelernt. Die Schüler stellten den Senioren ganz unterschiedliche Fragen. Natürlich drehten sich viele Gespräche um das nationalsozialistische Regime und das alltägliche Leben während des Krieges. Eine Seniorin beschrieb zum Beispiel, wie sie mit anderen in einen Bunker flüchtete, als Bomber kamen und eine andere erzählte von ihrer glücklichen Zeit im Bund deutscher Mädels. Und wie war das Leben damals? Die Zeitzeugen berichteten, dass sie glücklich gewesen seien. „Man kannte ja nichts anderes und wir waren noch klein“, sagte eine Heimbewohnerin und erklärte, dass man stolz gewesen sei, in der Hitlerjugend zu sein. Eine andere bemerkte, dass die Leute einfach froh gewesen seien, dass sie arbeiten konnten. Spaß hatten die Senioren als Kinder reichlich, zur Verwunderung der Schüler: „Die Menschen waren damals wohl glücklicher als heute“, sagte Desiree Reisinger (18) und bemerkte, dass sich die Menschen an vielen Kleinigkeiten erfreut hätten. Größere Probleme hätten die Menschen in der Nachkriegszeit gehabt. Die Fragen, die sich die Schüler ausgedacht hatte, empfanden sie im Nachhinein als eher unpassend. „Es waren Fragen, die ein Schulbuch beantworten kann. Die Menschen hier antworten anders“, sagte Julian Preuß (17). Die Rentner erinnerten sich mehr an positive Erlebnisse. So beschrieb Preuß, dass eine Senioren ihm von einem regelmäßigen Marsch zu ihrer Tante erzählt und nur beiläufig bemerkt habe, dass sie einem britischen Bomberpilot in die Augen schauen konnte, als dieser über sie flog. Trotzdem hatten die Schüler nie das Gefühl, dass die Zeitzeugen ihren Fragen ausweichen wollten. Sie hätten sich nur schnell in positiven Erinnerungen verloren. Überrascht waren die Schüler auch von dem kritischen Umgang der Senioren mit der NS-Zeit. „Sie haben eine sehr demokratische Denkweise“, sagte Lukas Sinzel (17). Die alten Leute hätten ein neutrales Bild von dieser Zeit und seien auch nicht manipuliert worden. Viele hätten aber auch gesagt, dass sie auf dem Land nicht so viel von der Politik mitbekommen hätten. Erst nach dem Krieg seien sie durch das Radio über die Taten des Regimes aufgeklärt worden. Was mit den Juden geschah, sei ihnen unbekannt gewesen. Die Schüler sprachen mit ihnen aber nicht nur über die Kriegsjahre, sondern auch über die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder. Dabei wurden die Senioren teilweise sehr persönlich. So erzählte eine Frau über ihren ersten Urlaub in Bayern und dass sie mit einem Opel dorthin gefahren sei, der andauernd kaputt gegangen sei. Auch wenn die Gespräche anders verliefen als gedacht, so waren sich die Schüler einig: interessant und aufschlussreich seien sie gewesen. „Man kann Texten nun ein Bild verleihen“, sagte Julian Preuß zu den Eindrücken. Und auch die Senioren fanden die Gespräche „sehr nett“ und betonten, dass sie versucht hätten, auf alles zu antworten. „Es ist gut, dass die Erinnerungen nicht verloren gehen“, sagte eine Rentnerin. |erf

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