Rheinpfalz Slalomfahrt in abgelegenem Gebiet

Speyer. Wer den Autoführerschein haben will, muss dem Prüfer die „Gefahrenbremsung“ bei Tempo 30 vormachen. Wer ein Motorrad fahren will, muss Slalomprüfungen bestehen. Weil dies im Verkehrsraum oftmals Probleme bereitet, haben die Fahrlehrer in Speyer das Polygon-Gelände gemietet.
„Ein Traum“, sagt Bernhard Rinnert. Er ist als Tüv-Sachverständiger Chef der rund 15 Führerscheinprüfer in der Vorderpfalz, und er nimmt gerade den Platz in Augenschein, den viele Führerscheinbewerber bei Teilen ihrer Prüfungen in Speyer kennenlernen werden: das Polygon-Gelände zwischen Speyer-Süd und Berghausen. Auch die Bundeswehr hat die 17 Hektar früher für ihre Fahrausbildung benutzt. Jetzt hat der Fahrlehrerverband Speyer von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben 900 Meter der 2,6 Kilometer Straßenstrecke gemietet. Seine Mitglieder können sie zu Schulungs- und Prüfungszwecken benutzen. „Speyer ist damit Vorreiter, wenn es darum geht, zur Verkehrssicherheit beizutragen“, so Bezirksvorsitzender Thomas Adam. Eine Vollbremsung ist beim Autoführerschein gefragt. Weitere Aufgaben mit Slalom-Hütchen müssen von künftigen Motorradfahrern bestanden werden. Im normalen Verkehr war dies häufig schwierig. Geschätzte 2000 Führerscheinprüfungen gibt es im Jahr in Speyer, davon bis zu 25 Prozent mit Zweirädern. Auch die Fahrschulen aus Germersheim und den Landkreisen kommen nach Speyer. Es ging mit den Hütchen mal zur Landzunge am Rhein, mal auf den Festplatz, mal zur Salzhalle an der Ausfallstraße Richtung Schifferstadt. Aber man habe immer auf parkende Autos und Laster oder andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen müssen. Im Prinzip sei seit Jahrzehnten nach einer solchen Lösung gesucht worden, aber erst nach dem Scheitern der zwischenzeitlich favorisierten Option Salzhalle und dem angekündigten Abzug der Bundeswehr habe er Nägel mit Köpfen machen können, berichtet Adam. Die Bundesanstalt sei sehr kooperativ gewesen, es sei schnell eine Lösung gefunden worden. Das Areal, auf dem außerdem die Reservistenkameradschaft und die International Police Association eingemietet sind, werde unbefristet und zu guten Konditionen zur Verfügung gestellt, sagt Adam. Der Vorbehalt sei nur, dass es im Zuge der Konversion einer anderen Nutzung zugeführt werden könne. In der bisherigen Debatte dazu ist unter anderem eine Nutzung für Vereinszwecke angeregt worden. Adam und Rinnert haben für die erste Motorrad-Prüfung bereits die Punkte markiert, an denen im richtigen Abstand der Slalomparcours aufgebaut werden muss. Alle Fahrlehrer, die sich an der Miete beteiligen, haben Schlüssel für den Zugang zum umzäunten Gelände, erklärt der Vorsitzende. Er rechnet damit, dass 20 von 28 Unternehmen dabei sein werden. Mit der Stadt und der Polizei sei das Projekt abgestimmt. Polizeichef Uwe Giertzsch: „Es ist zu begrüßen, wenn im geschützten Bereich geprüft wird.“ Einzelheiten seien noch zu klären. So hofft Adam auf die Erlaubnis der Stadt, eine zweite Zufahrt vom Oberkämmerer her nutzen zu dürfen, damit Fahrschüler nicht auf den gefährlichen B-9-Zubringer abbiegen müssen. An der Geländezufahrt sollten zudem ein Spiegel sowie Warnschilder aufgestellt werden.