Porträt
Sie steckt hinter der Ausstellung Flux4Art: Christina Körner
Die größte Arbeit liegt schon hinter ihr: Künstlerinnen und Künstler aus Rheinland-Pfalz stellen seit Ende Oktober im Landesmuseum und in der Kunsthalle Mainz aus. Später, ab Ende Januar, wird ein zweiter Teil des Projekts in Neuwied zu sehen sein: im Roentgen-Museum und in der Stadtgalerie Mennonitenkirche. Es ist erst die dritte Schau ihrer Art, organisiert vom Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz, finanziert mit Unterstützung des Kulturministeriums. Und es ist die zweite für Christina Körner als ihre Kuratorin.
Wie beim rheinland-pfälzischen Kultursommer ist es der besondere Auftrag der Landesausstellung, ein Schaufenster an verschiedenen Orten im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz zu öffnen und nicht nur in den wenigen großen Städten. Die vorherige Ausgabe 2020 war in Bendorf, Pirmasens und Wittlich, die Premiere 2018 in Montabaur, Germersheim und Boppard.
Schwierige Orte für eine Ausstellung
Sich auf immer neue Orte einzustellen, sei für eine Kuratorin freilich eine besondere Herausforderung, sagt Körner im Gespräch. Unproblematisch ist ein Haus wie die Mainzer Kunsthalle, die ohnehin auf wechselnde Ausstellungen eingerichtet ist. Doch in manchen Denkmälern wie der Sayner Hütte in Bendorf darf man nicht einmal Bilder hängen, einige waren an die Wand gelehnt.
Selbst ein etabliertes Haus wie das Landesmuseum Mainz zu bespielen, das im barocken Gebäude des ehemaligen kurfürstlichen Marstalls in der späteren „Golden-Ross-Kaserne“ untergebracht ist, hat Tücken – muss sich die moderne Kunst der Flux4Art doch hier um die kulturgeschichtliche Sammlung herum arrangieren. Grabplatten können da weder einfach mal abgehängt, noch sollten sie zugestellt werden.
Ihre Rolle: Vermittlerin
Körner sieht ihre besonderen Qualität als Kuratorin denn auch darin, zwischen vielen zum Teil divergierenden Interessen zu vermitteln. Nicht nur die Empfindlichkeiten der Teilnehmer, von denen ein jeder adäquat präsentiert sein will, sondern auch die Belange der Auftraggeber wollen berücksichtigt sein. Ihr Ziel: Sie wolle die Orte sichtbar machen, aber auch einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens im Land zeigen, wichtige Gattungen, Stile und Techniken sowie aktuelle Themen mit Relevanz für die Kunstszene.
„Ich legte großen Wert auf verschiedene künstlerische Positionen, auf das Thema Diversität und Vielfalt.“ 200 Bewerbungen waren für die Landesausstellung eingegangen. 60 Prozent der Auserwählten sind Frauen. Denn Körner tritt dezidiert für das Frauennetzwerken im Beruf wie im Privatleben ein. Auch ein Mix zwischen Alt und Jung war ihr bei beiden Auflagen der Flux4Art wichtig: Schon sehr bekannte Dokumenta-Teilnehmer hat sie ausgesucht, aber auch junge Leute wie einige Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral.
Das nächste Projekt lockt in Worms
Trotz der vielen Ansprüche an ihre Arbeit habe sie auch eine Linie finden wollen. Ein Thema gab es zwar nicht, „aber beim Kuratieren ist mir die Suche nach verbindenden Formeln und Mustern in Kunst und Kultur sehr wichtig“. Was half, sei die Möglichkeit gewesen, 20 der 60 Künstler selbst auszuwählen und sich dann am Ende beispielsweise für einen Bildhauer zu entscheiden, wo keine Bilder mehr gehängt werden konnten. Die anderen Zweidrittel der Aussteller wurden von einer Fachjury ausgesucht.
Ende März, wenn die Flux4Art in Neuwied zu Ende geht und alles wieder in Kisten verpackt auf dem Weg zurück zu den Künstlern ist, läuft Körners Vertrag aus. Um als alleinerziehende Mutter dann nicht ohne Job dazustehen, hat sie sich bereits für ein Folgeengagement beworben und einen Zuschlag bekommen: Sie wird künstlerische Leiterin beim Kunstverein in Worms – wieder auf Honorarbasis. Auch da warten aufregende Projekte auf sie. So beteiligt sich der Verein regelmäßig am Rahmenprogramm zu den Nibelungen-Festspielen und plant auch eine Ausstellung von Lisa Huber, wenn im Dom ab Aschermittwoch deren Fastentuch „Davids Harfe “ zu sehen sein wird.
Kunsthistorikerin, Dozentin, Journalistin
Sich als freischaffende Kunsthistorikerin durchzuschlagen, mit 58 noch neue Aufgaben zugetraut zu bekommen und dem Jobkiller Corona zu trotzen: kein leichte Sache. Dabei ist Körner breit aufgestellt als studierte Kunsthistorikerin, Kulturwissenschaftlerin und -managerin mit Spezialwissen in Textil. Sie hat Erfahrung in vielen Branchen – kuratiert Ausstellungen für Galerien, hält Einführungen bei Vernissagen, berät Filmprojekte, schreibt Beiträge für Kataloge und als Journalistin für Zeitungen und Magazine über Kunst und Architektur. Sie lehrt als Dozentin für Kunst- und Kostümgeschichte an der Fachhochschule Pforzheim und für Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Reutlingen. Sie hat eine eigene PR-Agentur geführt, ein Kunstprojekt für die Landesgartenschau in Sindelfingen geleitet und für die Kunststiftung Hohenkarpfen gearbeitet. Seit mehr als zehn Jahren macht sie die Öffentlichkeitsarbeit für das Netzwerk Mode Textil in Berlin.
In die Pfalz hat es die gebürtige Rottweilerin verschlagen, als sie mit ihrem damaligen Mann den Weg zur Wochenendbeziehung verkürzen wollte. Denn damals hat sie als Redakteurin in einem Düsseldorfer Fachverlag für die Textilindustrie gearbeitet. Die beiden zogen erst nach Karlsruhe und dann – weil es ihnen dort besser gefallen habe – in die Südpfalz nach Rheinzabern. Doch der Verlag wurde von der Süddeutschen Zeitung erst verkauft und später eingestellt.
Viele Stellen in der Kultur weggebrochen
So seien im Lauf der Jahre viele Stellen in Kultur und Medien gestrichen worden, nicht erst seit der Pandemie, erzählt Körner. „Der Markt hat sich stark verändert.“ Rheinland-Pfalz ist jetzt schon bundesweit Schlusslicht bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur. Und der Sparzwang steige weiter, seit immer weniger Menschen Kulturveranstaltungen wahrnehmen, stellt sie fest. Gerade erst hat das Statistische Bundesamt Zahlen veröffentlicht, wie dramatisch die Besucherzahlen in Museen, Kinos und Theatern 2021 eingebrochen sind: zwischen 30 und 68 Prozent.
Kontakt
Zu erreichen ist Christina Körner per E-Mail-Kontakt über Christina.koerner@pr-koerner.de.