Karlsruhe
Schlagfertig: Comedy mit Till Reiners im Tollhaus
Schon gleich am Anfang, als Till Reiners die Bühne betritt, erntet er viel Applaus und laute Jubelrufe. Denn die Fans mögen den Stand Up-Comedian; und genau das ist es, was Till Reiners so schätzt, wie er später erzählt.
Der 38-Jährige mit dem knuffigen blonden Kurzhaarschnitt lächelt verschmitzt, hält sich sein Mikro vor den Mund und tauscht erstmal zum Warmwerden mit dem Publikum Smalltalk aus.
Blaue und gelbe Helme
Wer hatte eine weite Anreise? Was macht ihr so beruflich? Locker und unverfänglich spricht Reiners zu den 750 Leuten im voll besetzten Saal. Weil einer verrät, er sei von Beruf Bauleiter, will Reiners von ihm wissen – „was mich ja schon immer interessiert hat“ –, welche Bedeutung auf den Baustellen die Farben der Schutzhelme hätten? In Nullkommanichts entfaltet Reiners aus seiner Frage eine spaßige Improvisation im Dialog mit dem Publikumsgast. Man erfährt, dass er – der Bauleiter – einen schönen blauen Helm trägt, die anderen gelbe und weiße.
Nach dieser Information geht bei Reiners die Fantasie durch. Er mutmaßt über Status und Rangordnung von Bauarbeitern, auf der Baustelle, in der Gesellschaft, und spannt weite Gedanken, nur um letztendlich vom Zuhörer doch zu erfahren, dass dieser doch nur zufällig einen blauen Helm trage und die Farben der Helme eigentlich gar nichts zu bedeuten hätten. Über solche spontanen Brechungen lässt sich herrlich unbeschwert lachen.
Till Reiners kommt aus Nordrhein-Westfalen, hat in Trier studiert und sich in der deutschsprachigen Kabarett- und Comedyszene mittlerweile einen festen Platz erobert. 2022 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, im vergangenen Jahr den Bayerischen Kabarettpreis. Weil er unlängst auch die Moderation der TV-Show „Happy Hour“ auf 3sat übernommen hat, ist er jetzt auch einem sehr großen Publikum bekannt.
Dass sein aktuelles Solo-Programm – in dem es so gut wie überhaupt nicht um Italien geht – „Mein Italien“ heißt, ist ein dramaturgischer Aberwitz: Seine Freundin sei Italienerin, weshalb er Italienischkurse besuche. Die Kosten dafür könne er von der Steuer absetzen, wenn er beruflich was mit Italien mache, deshalb das Programm…
Christian Lindner als Partygast?
Wieviel Wahrheit in Till Reiners’ Nonsens steckt, weiß man nicht. So hört sich das, was er über seine Bekanntschaft zu FDP-Spitzenpolitiker Christian Lindner zu sagen hat, zunächst glaubhaft an. Dessen Referentin sei nach einer Vorstellung mal auf ihn zugekommen, um zu bedauern, dass ihr Chef im Programm so negativ weggekommen sei. Und sie habe Reiners versichert, Christian Lindner sei ganz anders, und sie könne, falls gewünscht, einen Kontakt herstellen. Soweit könnte die Anekdote noch stimmen. Es wäre kulturpolitisch plattes Anbiedern, aber durchaus möglich. Dass Christian Lindner jedoch Till Reiners’ Geburtstagsparty besucht habe und dort – umgeben von Freunden, die „eher so links“ sind – bockig geworden sei und die Wohnung nicht mehr habe verlassen wollen, ist natürlich unwahr und gut formatierter Quatsch für die Bühnenkunst.
Reiners entlarvt damit jedoch den Spitzenpolitiker und dessen narzisstischen Urtraum, den er mit ihm als Komiker gemein habe: Sie möchten, dass die Menschen sie mögen. Wenn Till Reiners das erklärt, erfindet er mit grammatischem Sprachwitz sehr drollige Wortbildungen rund ums Verb „mögen“. Er spricht davon, dass er Leute „anmögt“, wenn er sich mit Nachdruck darum bemühe, gemocht zu werden. Und wenn das mit dem „Anmögen“ gut laufe, dann fühlt er, dass er gerade voll gut „abmögt“. Und „Abmögen“ mache er am liebsten, vor allem auf der Bühne. In Karlsruhe, im Tollhaus. Keine Frage – dafür mögen wir ihn.
Termin
Till Reiners kommt nochmals ins Karlsruher Tollhaus zusammen mit Moritz Neumeier und dem Programm „Schund & Asche“ am Freitag, 23. Februar. Der Abend ist jedoch ebenfalls ausverkauft. Weitere Details zum Tollhaus-Programm gibt es unter www.tollhaus.de