Rheinpfalz Schaufeln für die Gräfin von Paris

Daniel Vogel, Ruben Weinkämmerer und Patrick Hartmann (von links) pflanzen einen von 197 jungen Obstbäumen.
Daniel Vogel, Ruben Weinkämmerer und Patrick Hartmann (von links) pflanzen einen von 197 jungen Obstbäumen.

Kalt und windig war es am Samstag. Dafür schien den ganzen Tag die Sonne. Sie wärmte die gut 20 Grundstücksbesitzer beim Anlegen neuer Streuobstwiesen in den Schindharder Gewannen „Hinter den Gärten“ und „Im Tal“. Insgesamt 197 junge Obstbäume aus der Vorderpfalz wurden am Samstag eingepflanzt. Zurück geht die Initiative auf das EU-Projekt Life-Biocorridors, durch das alte Kulturlandschaften neu entstehen sollen.

Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume sollen in den nächsten Jahren entlang des Hangs oberhalb der Kirche in Richtung Bärenbrunnerhof wachsen, um ihre Besitzer mit den Früchten alter Obstsorten zu beglücken. Eine weitere Streuobstwiese entsteht parallel zur Friedhofstraße oberhalb der bewirtschafteten Wiesen. Die vorbereitenden Arbeiten begannen bereits in der Woche zuvor mit dem Ausheben von Pflanzlöchern. Ab 8 Uhr am Samstag waren die Pflanzarbeiten dann im Gange. Ein Hasenzaun, um die Wurzeln gelegt, soll die Jungbäume, die bereits eine Höhe von zwei Metern haben, vor dem Wurzelfraß durch Wühlmäuse schützen. Dann wurde das Pflanzloch mit Mutterboden aufgefüllt, zuletzt kam eine Erdschicht darauf. Diese wurde festgestampft. Vor dem Angießen wurden die Bäume noch angepflockt, damit sie gerade in die Höhe wachsen. In Dreier-Teams ging die Arbeit schnell voran. In ein paar Jahren können sich die Schindharder im Frühjahr dann an Brettacher, Gewürzluiken, Gravensteiner, Rheinischem Bohnapfel, Herbstrenette, Roter Bellefleur, Schöner aus Boskop, Doppelter Philippsbirne, Guter Graue, Gräfin von Paris, Karcherbirne, Veldenzer, Bühler Frühzwetschgen und Kirkes Pflaumen erfreuen. Bei der Pflanzaktion dabei waren Ortsbürgermeister Joachim Burkhart und Sabine Hoos, die das EU-Projekt Life-Biocorridors im Bereich des Wasgaus von Dahn aus leitet. Vor zwei Jahren hatte der Gemeinderat entschieden, sich an diesem EU-Projekt zu beteiligen. Life-Biocorridors unterstützt nicht nur das Anlegen von Streuobstwiesen, auch Altholzinseln werden geschaffen (wir berichteten mehrfach). Das Öffnen der Tallagen von Verbuschung und Bewaldung war auch immer wieder Thema. Streuobstwiesen am Ortsrand zu schaffen, ist ein weiterer Ansatz. Es geht dabei darum, alte Kulturlandschaften neu entstehen zu lassen. Früher war das Umfeld der Dörfer geprägt von den Streuobstgürteln. Diese gingen ab den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts durch die an den Ortsrändern neu entstandenen Baugebieten verloren. Die beiden Projektbereiche in Schindhard umfassen einen Hektar Landschaftsfläche. Es sind insgesamt 41 Flurstücke betroffen, die 22 Eigentümern gehören. Damit Zuschüsse fließen, müssen die Maßnahmen mindestens 18 Jahre laufen. Der Projektträger schließt mit der Gemeinde einen Vertrag zur Offenhaltung der Grundstücke ab. Diese verpflichtet sich, dafür zu sorgen, dass der Vertrag erfüllt wird. Deshalb verpachten die Eigentümer ihre Grundstücke an die Gemeinde. Das von Sabine Hoos geleitete Projektbüro übernahm im Bereich der Fichtenschonung die Organisation und Finanzierung der Rodungsmaßnahmen einschließlich des Holzverkaufs, die Wurzelstockbeseitigung und die Grünlandeinsaat. Bei der Mager- und Streuobstwiese wurde ein Verjüngungsschnitt der Obstbäume durchgeführt. Eine Hecke wurde in Teilen zurückgesetzt, und das Projektbüro stellte die jungen Streuobstbäume inklusive Stützmaterial und Verbissschutz bereit. Nun werden noch Hinweistafeln aufgestellt, die auf den schützenswerten Lebensraum hinweisen.

x