Kultur Südpfalz Schatzsuche in der Südpfalz
Ein Jahr lang hat es gedauert, bis Anke Sommer alle Gemeinden des Landkreises Südliche Weinstraße und in der Stadt Landau aufgesucht hatte. Die Kunsthistorikerin war mit einem außergewöhnlichen Auftrag des Bistums Speyer unterwegs: In Kirchen, Sakristeien, auf Dachböden und in anderen kirchlichen Gebäuden war sie auf Schatzsuche.
Das Ziel der promovierten Kunsthistorikerin: eine umfassende Inventarliste kunsthistorisch relevanter Gegenstände zu erstellen, die dort lagern. Liturgische Kleidung und Gerät, Gemälde und Figuren gehören zu ihren Fundstücken. Am 10. November schloss sie ihre Arbeit ab und überreichte im Speyerer Priesterseminar St. German die in Buchform gebundenen Inventare. In einem Vortrag berichtete sie von ihrer oft detektivischen Arbeit und den historischen Hintergründen der Kirchenschätze. Bestehende zeitliche Lücken seien dabei vor allem auf den Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekrieg zurückzuführen. Auch in den 1960er- und 1970er-Jahren gingen viele der Kunstgegenstände verloren, weil sie weggegeben oder sogar weggeworfen wurden. Als besonders interessante Objekte benannte Sommer etwa zwei Weihrauchfässer aus dem Jahr 1500, die noch heute in Oberotterbach und Rohrbach verwendet werden. Andere Gegenstände erzählen ihre eigenen Geschichten. Ein unbenutztes Hostiengefäß, das auf etwa 1720 datiert werden konnte, befand sich in der Landauer Kirche St. Elisabeth, doch diese war erst 1974 erbaut worden. „Das Gefäß passte also eindeutig nicht nach Landau.“ Sommer ermittelte den Ursprungsort, und so konnte es an seinen Ursprungsort Maikammer zurückgegeben werden. Ein Vorgang, der innerhalb des Bistums kein Problem darstelle, wie Sommer versicherte. Das groß angelegte Inventarisierungsprojekt verfolgte mehrere Ziele. Domkustos Peter Schappert betonte den kunsthistorischen, geistlichen und wirtschaftlichen Wert des Kulturgutes. Der neu gewonnene Überblick ermöglicht nun, notwendige Restaurierungen und die fachgerechte Aufbewahrung besser zu planen. Dekan Axel Brecht denkt dabei auch an die Meßgewänder aus der Epoche des Jugendstils, die sich in der Landauer Marienkirche befinden. Sie lassen sich zurückdatieren bis zur Entstehungszeit des Kirchengebäudes. Eine digitale Datenbank bündelt die neuen Erkenntnisse zu den Stücken und stellt Fotos für die Pfarreien zur Verfügung. Sie soll in den nächsten Jahren immer weiter fortgeschrieben und ergänzt werden. Diözesan-Konservator Wolfgang Franz betonte besonders die Verantwortung, die Kunstgüter für nachfolgende Generationen zu erhalten. Auch sei die Kirche zu einem treuhänderischen Umgang mit den Kunstgütern verpflichtet. Anke Sommer blickt also insgesamt auf ein sehr spannendes Jahr zurück. Sie bedankte sich besonders bei einer Helfergruppe, deren Unterstützung Sommers umfangreiche Arbeit erstermöglicht haben: Sakristane pflegen, meist in ehrenamtlichem Einsatz, den Kirchenbestand und konnten ihr viele wertvolle Hinweise geben.