Rheinpfalz „Saarländisch einfach sauwitzig“
„Ungekocht geniessbar“ – so nennen sich vier junge Saarländer, die im Internet mit lustigen kurzen Videos mit typisch saarländischen Humor viel Spaß verbreiten. Spätestens ihr satirischer Beitrag zur Sperrung der Fechinger Talbrücke machte die Jungs quasi über Nacht zu angesagten Youtubern. Jetzt ist ein neuer Kurzfilm fertig: „Lyonerbomber“ feiert am 1. November Premiere im Homburger Eden-Kino.
Bei „geniessbar“ handelt es sich nicht um einen Tippfehler: Auf die Schreibweise legen die Spaßvögel Wert. Ihr neuer Clip „Lyonerbomber“ knüpft an den „Beitrag zur Fechinger Talbrücke“ an. Inhalt: Da nicht nur die Fechinger, sondern fast alle Brücken im Saarland marode sind, droht die Nahrungsversorgung zusammenzubrechen. Um Nachschub an Pils und Lyoner aufrecht zu erhalten, werden am Dillinger Segelflugplatz Lyonerbomber-Piloten ausgebildet. Im Video tauchen Gaststars auf: Fußball-Nationalspieler Patrick Hermann, Rapper Es Ta, Frank Beck (Rockband Gamma Ray). „Lyonerbomber“ ist die größte Produktion von „Ungekocht geniessbar“. Der Film ist deutlich länger als die gut 30 bisherigen Clips. Der Dreh dauerte Tage, an die 100 Darsteller, Statisten und Helfer wirkten mit. Auch sieben Sponsoren unterstützten Dennis Keller, Robin Klein („Pommes“), Marcello Papa („Mace“) und Julian Schneider („Julez“). Förderer gab es schon zuvor: Dennis: „Das waren meist Sachspenden. Uns wurden Drehorte oder Requisiten zur Verfügung gestellt.“ Drei der vier 19- und 21-Jährigen wohnen in Blieskastel, Schneider in Illingen. Ihre Zielgruppe bezeichnen sie als männlich und etwa 18 bis 24 Jahre alt. „Aber sogar die Freunde meiner Großeltern kennen unsere Videos“, so Schneider . Laut Statistik hat „Ungekocht geniessbar“ die meisten Fans aber auf Facebook. Wegen starker Nachfrage haben die Jungs sogar ein Postfach für Autogrammwünsche. Dass sie mit dieser Kunst mal richtig Geld verdienen können, glauben die Videokünstler aber nicht. Sie befürchten, „dass viele Likes abspringen“, würden sie ihr Hobby kommerziell betreiben. Schneider denkt sich, dass der Hype nicht ewig halten werde: „Das funktioniert eine Zeit lang. Aber dann macht irgendjemand was anderes, das besser ankommt.“ Unerwartet war vor allem die Resonanz auf den Beitrag zur Fechinger Talbrücke. „Wir dachten, dass wir so 10.000 bis 15.000 Aufrufe kriegen“, erinnert sich „Pommes“. Doch praktisch über Nacht seien so viele Klicks dazugekommen, dass quasi jeder im Saarland das Video kannte, ehe es offiziell auf Youtube hochgeladen war. Bisher hatten die Vier Parodien auf Werbespots gedreht – stets in Mundart. „Saarländisch ist einfach sauwitzig. Unsere Witze sind auf Saarländisch entstanden. Nur so kommen sie rüber. Auf Hochdeutsch wäre die Komik weg“, sagt Schneider. Der Talbrücke-Film war Parodie eines Beitrags des Saarländischen Rundfunks. „Wir haben geschaut, wie der SR so etwas macht, und versucht, es parodistisch nachzudrehen.“ Die Charaktere tauchen seither regelmäßig in ihren Kurzfilmen auf. Dass „Schorsch“ beim Sprechen jedesmal der Schnurrbart abfällt, wurde zum „Running Gag“. Mit dem Video-Produzieren hatte das Team im August 2014 angefangen, aus einer Laune heraus. Julian Schneider ist seit dem Talbrücken-Clip dabei. Ideen kommen plötzlich, jeder bringt seine Vorschläge ein. „Wir ergänzen uns alle sehr gut“, freuen sich Keller und Papa. Jeder sei mal für das Schreiben eines Drehbuchs verantwortlich. Alle Filme würden bis ins Detail durchgeplant. „Wenn uns beim Drehen aber etwas Lustiges einfällt, bauen wir das schnell ein“, sagt Keller. Ein Zwei-Minuten-Video nehme rund fünf Stunden Drehzeit in Anspruch. Hinzu kämen zehn Stunden für die Vorbereitung, noch mal bis zu 15 Stunden fürs Nachbearbeiten. Sie machen alles selbst, haben eine eigene Filmausrüstung. Dennoch bestimme Filmemachen nicht den Alltag: Im Vordergrund stehen Studium oder Ausbildung. Schneider ist gelernter Mediengestalter für Bild und Ton, Keller absolviert gerade diese Ausbildung. Papa studiert Angewandte Informatik, Klein Medieninformatik. Jetzt blicken sie gespannt der Premiere von „Lyonerbomber“ entgegen. Karten für die Vorstellung gibt’s nirgendwo zu kaufen: Sie werden ausschließlich über Facebook, Instagram und Snapchat verlost. Info —www.ungekocht-geniessbar.de —Premiere: 1. November, 11 Uhr, Kino Eden Cinehouse in Homburg |cdh