Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfälzerin Laura Sophie Helbig feiert mit Kurzfilm Premiere

Teamwork: Die englische Filmcrew auf dem Sofa und die deutsche auf dem Schirm haben parallel produziert.
Teamwork: Die englische Filmcrew auf dem Sofa und die deutsche auf dem Schirm haben parallel produziert.

Der Kurzfilm „Tin Cans“ der Südpfälzer Schauspielerin Laura Sophie Helbig und ihres deutsch-englischen Filmteams hatte Premiere beim Filmfest Trier. Das Team hofft auf weitere Festival-Zusagen – auch aus der Region.

Zwar ergatterten die jungen Filmemacher beim Filmfest Trier keinen der fünf Förderpreise, trotzdem war die Vorstellung für sie ein Erfolg: „Über 100 Leute haben unseren Film gesehen. Beide Vorstellungen waren ausverkauft“, berichtet Benjamin Kelm. Der Schauspieler aus dem Saarland ist unter anderem bekannt aus „Tatort“ und „Immenhof – Das große Versprechen“. Er spielt in „Tin Cans“ an der Seite von Schauspielkollegin Laura Sophie Helbig, die in Billigheim-Ingenheim aufgewachsen und heute im englischen Sheffield zu Hause ist, die Titelrolle.

Ihre Geschichte spielt 15 Minuten und ist, wie die Pfälzerin sagt, ein Plädoyer gegen die Anonymität der modernen Gesellschaft. Sie spielt während des Corona-Lockdowns. Während das öffentliche Leben lahmgelegt ist, lernen sich zwei pflanzenliebende Fremde, beide Singles, über einen Online-Workshop kennen. Schon bald kommunizieren sie auch privat über die Video-Plattform, werden vertraut miteinander, geben sich gegenseitig Halt. Carol ist seit einer Woche arbeitslos. Rob sorgt sich um seine schwerkranke Mutter.

Unerwartete Wendung

Trotz aller negativer Erfahrungen, die die beiden Filmfiguren machen, ist es eine zuversichtliche, heitere Geschichte, die am Ende eine unerwartete Wendung nimmt. Das Drehbuch dazu hat Helbig selbst geschrieben. Seit acht Jahren wohnt die 32-Jährige in England. Arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin und Autorin. Während des Lockdowns blieb sie kreativ, bastelte an eigenen Projekten, darunter „Tin Cans“ (zu deutsch „Blechdosen“).

Inspiriert zu dieser Geschichte habe sie besonders ein Erlebnis, wie sie sagt. „Meine Nachbarin hat während des Lockdowns eine WhatsApp-Gruppe für alle Leute in der Straße gestartet, um sich gegenseitig zu unterstützen. Tatsächlich ist daraus eine tolle Gemeinschaft geworden“, berichtet die Pfälzerin und merkt an, dass es dazu leider erst diese schreckliche Pandemie gebraucht habe. Und genau davon erzählt ihr Film noch: Von Menschen, die das Gute im Schlechten finden.

Leben im Split Screen

Rob und Carol verbringen ihre Tage miteinander, verbunden via Internet. Den Laptop stets zur Hand. Sie machen zusammen Musik, tanzen, kochen, weinen und lachen. Was sie tun, ist auf der Leinwand als Split Screen dargestellt – das heißt, es werden zwei Bilder gleichzeitig nebeneinander angeordnet: auf der einen Seite Carol, auf der anderen Rob. Durch diese Montage wird die Vorstellung, die Sehnsucht der beiden, ganz analog beieinander zu sein, visualisiert: Carol schiebt ihre Tasse in Richtung Kamera. Rob greift danach. Er greift an seinem Laptop vorbei, nimmt sich einen Blumentopf und tut so, als wäre es eine Kaffeetasse. „Der Split Screen war eine große Herausforderung im Entstehungsprozess“, erinnert sich Helbig. „Dadurch, dass wir beim Drehen tatsächlich über eine Video-Plattform kommunizierten, überschnitt sich später, nachdem wir das Filmmaterial zusammengefügt hatten, der Ton. Wir mussten deshalb den gesamten Film nachsynchronisieren.“

Die männliche Rolle in „Tin Cans“ spielt Benjamin Kelm, hier mit Laura Sophie Heölbig.
Die männliche Rolle in »Tin Cans« spielt Benjamin Kelm, hier mit Laura Sophie Heölbig.

Wir, das ist die Filmcrew, zu der noch der englische Regisseur und Autor Tom Senjo sowie der saarländische Produzent und Kameramann Roman Redzimski gehören. Gedreht wurde übrigens in Deutschland und England. Neben dem Split Screen, so erzählt Helbig, habe es noch andere Unwägbarkeiten gegeben: „Zwischendurch ging uns das ganze Material verloren. Wir hatten zwar eine Sicherheitskopie auf einer Festplatte in Deutschland, aber die musste erst einmal nach England geschickt werden. Das alles führte dazu, dass der Film später fertig wurde, als wir geplant hatten“, sagt sie. Statt 2022 wurde es 2023.

Film soll noch auf andere Festivals

„Umso stolzer sind wir jetzt, dass wir es geschafft haben und den Film endlich zeigen konnten“, betont Helbig. „Und der Film macht sich wirklich gut auf der großen Leinwand“, findet ihr Kollege Kelm, der das Filmteam in Trier vertrat. Mit den Reaktionen aus dem Publikum sei er zufrieden. „Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten“, sagt der Schauspieler. Beide hoffen, dass sich weitere Festivalveranstalter bei ihnen melden und sie ihren Film noch in anderen Kinos zeigen können. Bewerbungen liefen auch in der Südpfalz und in Baden-Württemberg, berichtet die Pfälzerin.

Indes arbeitet sie an ihrer Karriere weiter. Helbig hat kürzlich ein Theaterstück geschrieben, das sie nun auf die Bühne bringen möchte. Ein Theater dafür hat sie schon gefunden. Außerdem hofft sie auf weitere Schauspielengagements – am liebsten mit Kampfelementen, wie sie sagt. Denn die 32-Jährige ist auf Bühnenkampf spezialisiert. Auch mit ihrem Kollegen Kelm möchte sie noch einmal ein gemeinsames Projekt machen. „Wir haben super gerne zusammengearbeitet. Das möchten wir wiederholen.“

Info

Den Trailer zum Film gibt es unter youtu.be/Jay6cGzudJM

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