Rheinpfalz Russische Kriegsgefangene schnitzen für milde Gaben Spielsachen

Aufgrund der großen Resonanz ist die Ausstellung „Spielzeug aus der Kriegs- und Nachkriegszeit“ im Hauensteiner Schuhmuseum mit 3000 Objekten bis nach den Osterferien im April verlängert worden. Ursprünglich sollte sie am 22. Februar geschlossen werden. Zu sehen sind auch sogenannte „Russenspielzeuge“.
Es war vor allem im Jahre 1944, aber auch noch Anfang 1945, also vor 70 Jahren: Ausgemergelte, abgemagerte und denkbar schlecht bekleidete russische und ukrainische Gefangene waren in der alten Turnhalle in der Turnstraße interniert und zur Zwangsarbeit abgeordnet. Hauensteiner Zeitzeugen erinnern sich noch heute an die rund 40 verhärmten Gefangenen, die morgens in Kolonnen zur Arbeit im Gemeinde- und Staatswald unter Bewachung durchs Dorf und abends wieder zurück in die Turnhalle geführt wurden, wo sie auf dem blanken Stroh-Boden die Nacht verbrachten und bei sehr schlechter Verpflegung immer weiter „herunterkamen“. Gerold „Ger“ Seibel (80), der in der Nachbarschaft lebte, weiß noch, wie dankbar sich die Gefangenen für jedes Stück Brot zeigten, das Hauensteiner ihnen gaben, als sie durchs Dorf geführt wurden. „Das war jeden Tag ein trauriger Anblick, aber wenn ihnen beim Vorbeimarsch von mitleidigen Bürgern etwas zugesteckt wurde, huschte ein dankbares Lächeln über ihre Gesichter.“ Dafür revanchierten sich „die Russen“: In der kärglichen Freizeit, die ihnen blieb, schnitzten und bastelten sie kleine Holzspielzeuge, die sie den Passanten als Dank übergaben, und vor allem die Kinder hatten an diesen kleinen Kunstwerken ihre helle Freude. Lothar Becker (74) bekam damals von seinem Vater einen futterpickenden Vogel auf einem kleinen Holzbrett, der heute noch durch seine Mechanik fasziniert. „Meine älteren Brüder Gilbert und Gerhard und ich waren dermaßen von dem bewegten Spielzeug begeistert, dass wir es bis auf den heutigen Tag als ein ganz besonderes Liebhaberstück aufbewahrt haben. Auch nach sieben Jahrzehnten funktioniert das von den russischen Gefangenen geschnitzte Spielzeug wie am ersten Tag.“ Eher unscheinbar, steht das auf zehn Quadratzentimetern Grundfläche errichtete Holzspiel mit den emsig pickenden Vögeln in der geschützten Vitrine, wie unter anderem auch der „Russenhampelmann“. In den Nachkriegsjahren waren die Holzspielzeuge der Russen in den Hauensteiner Familien beliebt und verbreitet. Die derzeit ausgestellten Exponate von Lothar Becker dürften aber dennoch die letzten sein, die heute noch existieren.