Rheinpfalz „Rolle gewechselt, aber nicht die Themen“
MAINZ. Malu Dreyer (SPD) ist am 18. Mai erneut zur Ministerpräsidentin gewählt worden, doch auf anderen Posten in der Landesregierung gab es Wechsel. Die neuen Minister und Staatssekretäre der „Ampel“-Koalition aus SPD, FDP und Grünen stellen wir in der Reihe „Neu im Kabinett“ vor. Heute: Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur.
Vor seinem neuen Job ist ihm nicht bange. Er habe die Rolle gewechselt, aber nicht die Themen, sagt Konrad Wolf. Seit Mitte Mai ist der 54-Jährige Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur im Kabinett von Malu Dreyer. Wolf ist als Seiteneinsteiger auf die politische Bühne gekommen – Physiker, zuletzt Präsident der Hochschule Kaiserslautern, (noch) ohne Parteibuch. Für manche ist die Berufung des Hochschullehrers in die Regierungsmannschaft eine freudige Überraschung. Die rheinland-pfälzische Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) zum Beispiel verspricht sich künftig besseren Wissenstransfer von den Hochschulen und Universitäten zu mittelständischen Unternehmen. Andere sehen den neuen Minister teilweise mit Skepsis. Mit der Kultur hatte er bisher nichts am Hut. Das neue Amt sei ihm Freude und Chance zugleich, sagt der frischgebackene Minister. Der Wechsel von Themen und von Rollen, das ist nichts Neues im Berufsleben von Konrad Wolf. Geboren und aufgewachsen ist er im Landkreis Regensburg, dort wo Oberpfalz und Niederbayern ineinander übergehen und die traditionellen Strukturen so sind wie in seiner Wahlheimat Westpfalz. Wäre es nach seinen Eltern gegangen, hätte er deren Bauernhof übernommen, erzählt Wolf. Er entschied sich stattdessen für eine Lehre im Elektrohandwerk und studierte danach Physik. Das sei eine Wissenschaft, die „an die Grenzen der Erkenntnis“ reiche, begründet der 54-Jährige die Wahl dieses Fachs. Doch schließlich war es die angewandte Physik, die den jungen Wissenschaftler interessierte. „Ich will die Welt mitgestalten“, sagt Konrad Wolf. Nach Studium und Promotion in Regensburg wechselte er zum Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching bei München. Dort beschäftigte er sich mit dem Thema Kernfusion. Anwendungen aus dieser Forschung seien frühestens in 50 Jahren zu erwarten, sagt Wolf. Dafür sei er zu ungeduldig. Er wechselte zur Halbleitertechnologie, unter anderem zum Elektrokonzern Siemens und 2001 zur damaligen Fachhochschule Kaiserslautern, Campus Zweibrücken. Die Lehre und eine Forschung mit großen Freiheiten seien das gewesen, was er gesucht hatte, erinnert sich Wolf. In die Hochschulleitung ist der Physikprofessor nach seinen Worten „hineingewachsen“. Im Mai 2015 begann seine zweite sechsjährige Amtszeit als Präsident der Hochschule Kaiserslautern. Die Arbeit an der Spitze der Hochschule habe ihn auf den neuen Job in der Politik vorbereitet. Hochschulpolitik als Landesentwicklung sei ein Thema gewesen, das ihn beschäftigt habe, aber auch Fachkräftesicherung und Technologietransfer. Dennoch sind die Hochschulen ein anderes Pflaster als die Politik. Wolf weiß, dass der Umgang der Akteure miteinander ein härterer sein kann, dass er stärker von der Öffentlichkeit beobachtet wird: „Das ist so, das ist aber Teil des Gesamtpakets“, zeigt er sich gelassen. Also geht der Neu-Minister zuerst einmal mit großer Vorsicht zu Werke. Wie er es anpacken wolle, das Vertrauen der Kulturschaffenden zu gewinnen? „Jetzt geht es zunächst einmal ums Zuhören“, sagt Konrad Wolf. Er lässt wissen, dass er im „zweiten Leben“ mit einiger Wahrscheinlichkeit Geschichte studieren würde. Geschichte sei sein Steckenpferd. Und dann schwärmt er von den kulturellen Wurzeln des Landes, die bis in die Römerzeit zurückreichen. Hat der neue Wissenschaftsminister ein offeneres Ohr für die Forderungen der Studenten nach besseren Studienbedingungen? Hochschulen hätten nie genug Geld, sagt der Minister, man könnte für sie sehr viel mehr Geld sehr sinnvoll ausgeben. Aber es gebe eben auch Rahmenbedingungen. Die Wirtschaft wünscht sich den Ausbau des Angebots an dualen Studiengängen. Es sei in den vergangenen Jahren schon viel entstanden, sagt der Minister. Konrad Wolf tut viel in diesen Tagen, um die Erwartungen an ihn nicht ausufern zu lassen. Der neue Wissenschaftsminister ist parteilos. „Ich habe vor, mich zu engagieren“, sagt er. Der SPD habe er schon immer nahegestanden. Dort werde er sich gut aufgehoben fühlen. Konrad Wolf lebt in einer festen Beziehung und nennt sich „so gut wie verheiratet“. Er hat zwei Töchter. Aus einer kleinen Sorge macht der Minister keinen Hehl: Er ist begeisterter Läufer und weiß nicht, ob auch fortan Zeit für seine dreimal zehn Kilometer wöchentlich sein wird.