Eisenberg Robin Hood für 20 Minuten

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Die einen erinnert es an Robin Hood, die anderen an Indianerfilme: das Bogenschießen. Der erstere war mit Pfeil und Bogen im Wald von Nottingham unterwegs. Die Indianer nutzten die Gerätschaften zur Jagd. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Reiner Bohlander stattete dem 3-HD-Archery-Bogensportzentrum in der Marnheimer Straße in Kirchheimbolanden einen Besuch ab – und durfte sich für 20 Minuten wie Robin Hood oder Winnetou fühlen.

Den gespannten Bogen in der Hand stehe ich schussbereit vor der großen Videoleinwand. Dort läuft unten der gelbe Streifen langsam voll. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Bild. Ein großer Bison steht auf einer Lichtung, er bewegt sich. Ich spanne den Bogen, ziele – und wusch: Der Pfeil fliegt wie eine Rakete dem braunen Riesen entgegen und trifft ihn in der Flanke. Die englische Stimme gratuliert: Ein „Bull-Eye-Treffer“. Damit habe ich die höchste Punktzahl erreicht. Seit fast eineinhalb Jahren betreibt Mike Sachse das 3-HD-Archery-Bogensportzentrum. „Unsere Videoleinwand ist vielleicht einmalig in Europa“, erzählt er. Drei Schützen können simultan auf den Bildschirm feuern. Entweder auf Zielscheiben oder Tiere, die natürlich nur in Filmsequenzen gezeigt werden. „Gerade, wenn das Wetter nicht so gut ist, komme ich gerne hierher und trainiere“, erzählt Sascha Gruber. Der Wattenheimer ist ein großer Fan des Bogenschießens. Stolz zeigt er seinen Recurve-Bogen. „Ich bin eher so der traditionelle Typ“, schmunzelt er. Tatsächlich gibt es in der Bogensportszene den Unterschied zwischen den so genannten Recurve- und Compoundbögen. Erstere sind geschwungene Geräte und für den interessierten Schützen sozusagen die eleganteren Bögen, bei denen die Sehne direkt befestigt ist. Gruber legt sich auch vor jeder Schussserie ein Schutzarmband an und zieht einen speziellen Handschuh an. „Das Armband schützt vor der zurückschnellenden Sehne. Der Handschuh ist dafür da, dass das Ziehen der Sehne angenehmer ist“, erklärt er. Gruber nimmt im Jahr mehrmals an 3-D-Meisterschaften teil. „Da läuft man durch einen großen Landschaftspark und zielt auf verschiedene Tierfiguren, die im Gelände stehen“, sagt er – und betont: „Für mich ist Bogenschießen der ideale Ausgleich. Man muss sich voll konzentrieren und vergisst so den ganzen Stress, den man im Laufe eines Tages aufgebaut hat. Das ist fast schon Meditation.“ Bogenschießen verlangt eine hohe Körperbeherrschung. An diesem Abend ist Gruber mit Rick Honneffer im Bogensportzentrum. Der „eingedeutschte US-Amerikaner“, wie ihn 3-HD-Archery-Besitzer Mike Sachse nennt, steht eher auf die kleineren Compound-Bögen. Die sind leichter als die traditionellen Recurve-Geräte. Und: Beim Ziehen der Sehne wird quasi ein kleiner Flaschenzug benutzt. Für mich steht fest: Um den Pfeil auf sein Ziel zu schießen, muss man bei beiden Bögen ziemlich viel Kraft aufwenden. Bereits nach zwei Schüssen spüre ich Muskeln in Armen und Rücken, die ich schon lange vergessen hatte. „Rücken und Wirbelsäule profitieren vom Bogenschießen“, sagt Sachse und merkt an: „Hier wird eben kein Joystick oder die Tastatur bedient.“ Während in der Folge auf 3-D-Gänse, Bisons, Elche und sogar Tiger gezielt wird, loben sich Gruber und Honneffer gegenseitig und geben bei einem schlechten Schuss auch einmal eine Spitze gegenüber dem anderen ab. „Wir haben hier unseren Spaß und natürlich wollen wir auch unsere Leistungen verbessern. Das Schießen auf die Leinwand bekommt einen Wettkampfcharakter, aber das Vergnügen steht an erster Stelle, sagt Gruber. Im vorderen Bereich des Bogensportzentrums hat Sachse seine „Europarangliste“ ausgehängt. „Die Anzahl der Punkte ist bei uns nicht so interessant. Viel mehr schauen wir auf den Punkteschnitt, den die Schützen pro Serie erreichen.“ Der Besitzer hat neben der Videoleinwand auch eine große Servicestation in dem Bogensportzentrum eingerichtet. „Im Sommer sind viele Bogensportbegeisterte draußen. Aber da geht dann auch viel kaputt. Ich spanne die Seiten, repariere Bögen und stelle Pfeile her“, sagt er. Nach zwei Serien mit je sechs Schüssen ist erst einmal eine Pause angesagt. Sascha Gruber und Rick Honneffer setzten sich auf die Couch. „Wir sind manchmal bis zu zwei Stunden hier. 48 ist so die maximale Zahl an Schüssen, die ich bei einem Besuch abgebe“, sagt Gruber. Beachtlich. Ich massiere schon nach zweimal Schießen mein Schulterblatt und denke mir: „Robin Hood und Winnetou, sie waren auf jeden Fall keine Weicheier.“ Info 3-HD-Archery-Bogensportzentrum, Marnheimer Straße 63, Kirchheimbolanden. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 18 bis 22 Uhr; Samstag, 13 bis 22 Uhr. Telefon 0800/343 2724, www.3HDarchery.com.

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