Eisenberg „Respekt für Weitblick der Politik“

Die Gedenktafel, die am Haus Golsen auf die Tagung des Verfassungsausschusses vor 70 Jahren erinnert.
Die Gedenktafel, die am Haus Golsen auf die Tagung des Verfassungsausschusses vor 70 Jahren erinnert.

In diesen Tagen kann das Bundesland Rheinland-Pfalz auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Der Weg zur Landesverfassung, die im Mai 1947 per Volksabstimmung angenommen wurde, führte auch über das Gebiet der heutigen VG Göllheim: Wenige Wochen zuvor war im Haus Golsen in Zell der Verfassungsausschuss zusammengekommen, um über das staatspolitische Fundament des künftigen Bundeslandes zu beraten. Daran erinnert Altbürgermeister Hans Appel im Gespräch mit der RHEINPFALZ und würdigt die Gründung des Bundeslandes als Glücksfall.

Am Haus Golsen erinnert seit genau 20 Jahren eine Gedenktafel, gestiftet vom damaligen Staatssekretär und früheren Donnersberger Landrat Klaus Rüter, an diese Versammlung hier im Jägerzimmer. Darauf macht Altbürgermeister Hans Appel im Gespräch mit der RHEINPFALZ aufmerksam. „Am 21. März 1947 beriet hier im ,Hause Golsen’ der 17-köpfige Verfassungsausschuss der Beratenden Landesversammlung die Verfassung für Rheinland-Pfalz“, ist auf dieser Gedenktafel zu lesen. Im Weingut Bernhard in Harxheim, damals mit der Bewirtung der Ausschussmitglieder beauftragt, hat sich ein Gästebucheintrag erhalten: „Mit aufrichtigem Dank für die prächtige Gastfreundschaft verbinde ich den Wunsch: Mögen sie alle stets in richtiger Verfassung sein“, hatte Oberlandesgerichtspräsident Ludwig Ritterspacher, der Vorsitzende des Verfassungsausschusses, dort humorig notiert. Es sind Ereignisse, mit denen Hans Appel, langjähriger Orts- und Verbandsbürgermeister in Göllheim, sich eng verbunden fühlt, die sein Berufsleben und sein Bewusstsein als Bürger mitgeprägt haben. Zum einen, weil der heute 84-Jährige selbst 60 dieser 70 Jahre im öffentlichen Dienst hier tätig war, vom Eintritt in die Verwaltungslehre 1949 in Kerzenheim bis zur Verabschiedung als Göllheimer Ortsbürgermeister 2009 – nach 45 Dienstjahren allein in diesem Amt. Zum anderen, weil er bis heute die damaligen Grundsatzentscheidungen als ebenso klug und richtungweisend schätzt wie später die Gründung der Verbandsgemeinden. „Dem politischen Weitblick, mit dem die Väter des Grundgesetzes und der Landesverfassung föderale Elemente in unserem Staat und Bundesland verankert haben, zolle ich Respekt, eröffnete dies doch den Gemeinden die Möglichkeit, innerhalb des bestehenden Rechtssystems sich in eigener Verantwortung zu verwalten.“ Diese Formulierung aus einer Rede, die er vor 20 Jahren in der Golsenstiftung anlässlich der Feier „50 Jahre Rheinland-Pfalz“ gehalten hat, gilt für ihn heute noch unverändert. „Uns haben sich damals viele Chancen eröffnet, und wir haben sie auch genutzt.“ Großer Respekt vor den Persönlichkeiten, die am Verfassungsprozess mitgewirkt haben, verbindet sich bei Appel mit tiefer Dankbarkeit. Immerhin sei das Bundesland, das heute so selbstverständlich ist, nach dem Krieg von vielen Wirren und politischem Streit betroffen gewesen und hätte ebenso nicht zustande kommen können. Ein Sonderstatus für die Pfalz stand im Raum, auch ein pfälzischer Separatismus hatte viele Anhänger, die Zukunft des Saarlandes war ungewiss – die französische Besatzungsmacht hatte westlich des Rheins eigene Ziele und dafür manche Fürsprecher. In Standenbühl etwa wurde eine „Bewegung für den Anschluss der Pfalz an Frankreich“ gegründet, eine von nicht wenigen. Die Zukunft des heutigen Rheinland-Pfalz hätte anders aussehen können. Wichtig ist Appel aber auch, dass eine solche Verfassung gelebt wird. Er und seine Generation sieht diesen Weg zur Demokratie vor dem Hintergrund von Weltkrieg und Nazi-Terror, aus dem er herausgeführt hat. „Demokratie braucht die Leute, die mitmachen.“ Appel, der zur Zeit unter der Überschrift „Zeitenrad“ an seinen Lebenserinnerungen schreibt, hat diese finstere Zeit bis ’45 noch „in vollem Bewusstsein“ miterlebt und hält es für unerlässlich, das Bewusstsein für das, was damals geschehen ist und was daraus herausgeführt hat, wach zu halten. Zumal in Zeiten, in denen sich viele von der Politik abwenden und antidemokratische Bestrebungen an Boden gewinnen.

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