Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Reihe Orgelpunkt in Stiftskirche packt heißes Eisen an

Anna Linß – hier bei einem Konzert in Dahn – hat sich wieder Besonderes überlegt für ihren Landauer Orgelpunkt.
Anna Linß – hier bei einem Konzert in Dahn – hat sich wieder Besonderes überlegt für ihren Landauer Orgelpunkt.

Kantorin Anna Linß hat schon einige besondere Programme in der Landauer Stiftskirche auf die Beine gestellt. Filmmusikern an der Orgel zu hören, ist inzwischen schon nichts Ungewöhnliches mehr. Jetzt heißt es: „Orgel queer“.

Was haben Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) und Ethel Smyth (1858-1944) gemeinsam? Klar, alle drei haben Kammermusik und Werke für Orchester geschrieben. Doch wann erklingen ihre Stücke einmal nacheinander in einem Konzert, zumal an der Orgel? Schließlich haben nur Händel und Smyth Werke für dieses Instrument hinterlassen. Doch am Sonntag, 1. Juni, ab 18 Uhr kommt es genau dazu.

Es ist das dritte Konzert in der Reihe Orgelpunkt in der Landauer Stiftskirche: „Orgel queer. Werke von queeren Autor*innen und Komponist*innen“. Anna Linß, die das Programm zusammengestellt hat, wird die von ihr ausgewählten Werke selbst an der Rieger-Orgel spielen. „Man hört es den Stücken nicht an, dass sie von queeren Personen komponiert wurden“, sagt sie. Wer nichts über die sexuelle Orientierung des jeweiligen Künstlers wisse, der oder die könne diese auch nicht heraushören, insbesondere nicht bei einer „Blindverkostung“, fügt Linß hinzu. Damit hat die Stifts- und Bezirkskantorin auch die Antwort auf die Frage gegeben, weshalb Werke von Tschaikowsky, Smyth und Händel eben doch in ein Konzertprogramm passen: Alle drei Kunstschaffenden waren mutmaßlich homosexuell. Ihre offen gelebte oder versteckte Orientierung führte zu verschiedenen sozialen Problemen, die sich auch auf die Bedingungen ihres künstlerischen Schaffens auswirkten. Aktuell wird das Thema mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in den USA und Europa wieder immer mehr zum sprichwörtlichen heißen Eisen.

Starke Frauen in der Bibel

Auf die Idee zu dem „queeren Orgelpunkt“ kam Anna Linß durch ihre Bekanntschaft mit Pfarrer Carsten Schulze. Bei dem Orgelpunkt am 1. Juni wird Schulze, selbst queer, aus Werken von Autoren wie Oscar Wilde (1854-1900) und Virgina Woolf (1882-1941) lesen. Wilde landete aufgrund seiner Homosexualität im Gefängnis und starb bald nach seiner Haftstrafe und Zwangsarbeit verarmt in Paris. Woolf unterhielt neben ihrer Ehe amouröse Beziehungen zu Frauen. Der Juni gilt übrigens als „Pride Month“, in dem die LGTBQ-Community in besonderem Maße für ihre Rechte eintritt.

Der Auftakt der Orgelpunkt-Reihe erfolgt bereits am Sonntag, 23. Februar, 18 Uhr, unter dem Titel „Orgel und Sopran“. Der Amtsvorgänger von Anna Linß, Professor Stefan Viegelahn, wird an der Rieger-Orgel Platz nehmen und die Sopranistin Judith Wiesebrock den Gesangspart zu dem Konzert beisteuern. Unkonventionell wird es dann am Sonntag, 9. März, 18 Uhr, wenn sich die Kantorin und die ehemaligen Dekanin Angelika Keller starken Frauen in der Bibel und Komponistinnen widmen. Ungewöhnlich ist auch die Kombination von „Orgel und Klavier“ am Sonntag, 15. Juni, 18 Uhr, mit Organist Lars-Simon Sokola und Pianist Wigbert Traxler.

Konzert mit Lichtkünstler

Als bekennender Fan von Organist Marius Beckmann freut sich Anna Linß, diesen für den Orgelpunkt zum Thema „Orgel und Improvisation“ am Sonntag, 17. August, 18 Uhr, gewonnen zu haben. Zwei Monate darauf, am Sonntag, 12. Oktober, 18 Uhr, spielt die Stifts- und Bezirkskantorin wieder selbst auf der Rieger-Orgel, während ihr Lebensgefährte François Croissant von den Musikstücken inspirierte, selbst produzierte Videosequenzen zeigt. Den Abschluss der Reihe macht Anna Linß mit Lichtkünstler Raimund Becker am Sonntag, 30. November, 18 Uhr, unter dem Motto „Orgel und Licht“.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, Spenden sind willkommen. Erstmals wird die Reihe Orgelpunkt im Rahmen eines neuen Förderprogramms von der Kulturstadt Landau finanziell unterstützt, wie Anna Linß sagt. Vergangenes Jahr habe sie mit Erfolg einen Antrag dafür gestellt. Infos: stiftskirchenmusik-landau.de.

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