Rheinpfalz Reifen aus der Kryptonstraße
Auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Depots am Zunderbaum hat Michelin Homburg mit dem Neubau eines zentralen Reifenlagers begonnen. Ab Mai sollen dort in einer 18.000 Quadratmeter großen Halle gut 90.000 Lkw-Reifen auf Abruf gelagert werden. Die Pneus werden aus der Neuproduktion beziehungsweise Runderneuerung im Erbacher Werk kommen.
Die Erschließung des einstigen Militärgeländes teilt sich die Stadt Homburg mit der Nachbargemeinde: Auf Kirkel-Altstadter Gemarkung dehnt sich der größere, auf Homburger Terrain der kleinere Teil des neuen Industriegebiets aus. Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind zeigte sich beim Spatenstich am Dienstag nicht unglücklich darüber, dass sich das Homburger Michelin-Werk nun auf Kirkeler Gebiet erweitert: „Natürlich bedeutet dieser Neubau für den angestammten Standort Homburg eine Bestandssicherung. Diese Investition ist umso erfreulicher, wenn man hört, dass andere Michelin-Werke in Europa zuletzt ganz andere Entscheidungen ihrer Konzernzentrale hinnehmen mussten.“ In sein neues Lager investiert Michelin einen Betrag „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“, wie sich der Homburger Werksdirektor Cyrille Beau ausdrückte. Nach seinen Worten wird das Unternehmen künftig keine Miete mehr für auswärtige Hallen bezahlen müssen, in denen die Homburger Reifen bislang gelagert würden. „Wir vermeiden also Zusatzkosten und Transportaufwand. Außerdem sparen wir Zeit, weil wir unsere Reifen künftig direkt hier am Ort vorhalten.“ Kunden könnten so schneller beliefert werden. Nach Aussage von Wolfgang Weynand, Michelin-Logistikchef für Nordeuropa, ist der Weltkonzern aus dem französischen Clermont-Ferrand zurzeit dabei, „europaweit in ein modernes und schnelleres Logistik-Konzept zu investieren“. Ein Kernpunkt sei dabei die Konzentration der eigenen Reifenbestände auf eher wenige zentrale Lager. Eines von diesen entstehe nun am Zunderbaum. Und dies an einer bemerkenswerten Adresse: Das derzeit noch weitgehend aus nacktem, rotem Sand bestehende Gelände residiert postalisch an der Kryptonstraße 5. Soll hier etwa eines Tages Superman einziehen, der es in seinen Comic-Abenteuern bekanntlich immer wieder mit einem mysteriösen Mineral namens Kryptonit zu tun bekommt? Keineswegs, wusste Michelin-Pressesprecherin Aline Ditzler zu berichten: „Alle Erschließungsstraßen hier am Zunderbaum werden nach Edelgasen benannt – also nach Stoffen wie Helium, Argon, Xenon und eben Krypton.“