Rheinpfalz Regt euch nicht so auf

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Eine Grundschule will ein Zeichen für die Umwelt setzen – und drosselt für drei Stunden die Heizung um drei Grad. Seitdem wird sie mit Hass überschüttet. Emotionen zu zügeln, ist wohl altmodisch.

„Glaube nicht alles, was du hörst, sage nicht alles, was du willst, tue nicht alles, was du magst.“ – Martin Luther war ein Freund klarer Ansagen, die noch immer als Richtschnur dienen können. Dessen eingedenk, wollte die nach ihm benannte Grundschule in Düsseldorf mit einem „Warmer-Pulli-Tag“ eine Marke setzen. Für den vorgestrigen Freitag der Zeugnisvergabe hatte sie angekündigt, im Zeichen des Energiesparens die Heizung von 21 auf 18 Grad zu drosseln – um drei Grad für drei Schulstunden. Drei Grad, drei Stunden. Eine gutgemeinte Geste, ein Denkanstoß, nicht mehr. Doch als sich das Vorhaben in sozialen Netzwerken verbreitete, brach ein Sturm der Empörung über die Schule herein. Von Kindeswohlgefährdung war die Rede, von Instrumentalisierung der Schüler für die Mär vom Klimawandel, von Indoktrination. Eine Woge von Beschimpfungen, Drohungen, Hass. Wegen drei Grad für drei Stunden.

Wo ist der Grund für die Aufregung?

Gut, diese Details gingen leider unter in der hysterischen Erstaufwallung der erbosten Volksseele. Und dass die Schule die Hälfte des eingesparten Geldes für eigene Projekte verwenden darf. Und dass am Wochenende die Heizung ohnehin heruntergefahren wird. Ganz nüchtern betrachtet: Wo, bitte, ist der Grund für die Aufregung? Doch es gibt sie, und das zeigt, dass kommunikativ gerade etwas grundlegend verkehrt läuft. Die vernetzte Welt ist offenbar zu schnell geworden für so altbackene Denkmuster wie: nüchtern die Fakten analysieren, abwägen. Nein, dem emotionalen Erstimpuls wird stattgegeben, bar jeder rationalen Unterfütterung wird rausgehauen, was auf der Zunge liegt. Kein Anlass zu gering, um nicht in hektische Erregung zu verfallen. Was Wunder, wenn dabei die Sache (drei Grad, drei Stunden) überlagert wird von persönlichen Befindlichkeiten. Wer sich beispielsweise in seinem Lebensstil angegriffen sieht, weil eine Schule Energie spart, beweist, dass es ihm nur um eines geht: um sich selbst und die eigenen Ansichten. Es heißt, hierzulande gebe es zu wenig Meinungsfreiheit. Quatsch. Aber eine Meinung haben zu dürfen heißt nicht, gemein sein zu müssen.
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