Karlsruhe
Preise für junge Künstler in der Städtischen Galerie
Laura Gaiser hat 2021 den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis der Werner-Stober-Stiftung erhalten. Ihre raumgreifende Videoinstallation ist im Erdgeschoss aufgebaut. Ein kleiner Aushang am Eingang warnt Besucher vor Bildern, „die ihre Empfindungen verletzen könnten“ aufgrund toter Tiere oder „sexuell aufgeladener Szenen“, weswegen ein Besuch „ab 16 Jahre“ empfohlen werde.
So ganz unberechtigt ist die Warnung vor den Arbeiten von Laura Gaiser nicht. Ob Seeigel, schwarzer Hahn oder Oktopus als „Kopfschmuck“, ob laszive oder bedrohlich-makabre Darstellungen mit zoomorphen Wesen: Diese aus tausenden Einzelbildern zusammengesetzten Szenen sind auch für hartgesottene Kunstfreunde teils eine Herausforderung.
Irritierend bis albtraumhaft
In Gaisers Filmsequenzen mit performanceerfahrenen Akteurinnen und Akteuren verschmelzen mehrere Realitätsebenen und wirken so zumindest irritierend, aber über mehrere Bildwände hinweg schon auch albtraumhaft. Was, fragt man sich unwillkürlich, sagt das jenseits rein künstlerischer Kriterien über die so schüchtern wirkende Urheberin aus? Die 1985 geborene Künstlerin, ausgewählt von einem Professorenkollegium der Akademie, hat 2015 ihr Studium als Meisterschülerin bei John Bock abgeschlossen, seitdem mehrere Auszeichnungen erhalten und an Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen.
Im ersten Obergeschoss stellen die Stipendiaten der Stadt Karlsruhe aus. Die 1983 geborene Johanna Wagner hat bis 2014 an der Karlsruher Akademie studiert und war zuletzt Meisterschülerin von Corinne Wasmuht. Sie widmet sich vor allem der Performance sowie Film und Fotografie, verwendet diese Ausdrucksmittel gerne in Mischformen, wobei vor allem der menschliche Körper als Ausgangspunkt im Zusammenspiel mit diversen Materialien dient.
Wenn Küchenrezepte flüstern
Ihre Themen sind Natur, Fortpflanzung und Diversität. In ihrer Schau „fool for a plant“ inszeniert sie unseren Planeten und die Biosphäre beispielsweise als Lebewesen, setzt magische Zeichen in den Garten und zeigt die choreografierte Bewegung organischer Formen in eine Art „Ameisentanz“. Das zeigt eine eigehende Beschäftigung mit den großen Fragen unserer Zeit, aber auch – wenn etwa Küchenrezepte flüstern oder Tanz und Musik mit der Zubereitung von Gemüse kombiniert werden – einen spielerischen Weg der Auseinandersetzung.
Einen erfrischenden Gegenpol zu mancher Düsternis zuvor bietet der 1985 in Nigeria geborene Ulrich Okujeni mit „Imaginery Island“. Seine Arbeiten sind bunt, wechseln zwischen figurativen und abstrakten Elementen, erinnern mal an Comic, mal an informelle Kunst. Mit Ölfarbe und Tusche entstehen kleine, mittlere und auch große Formate.
Lädt zum Verweilen ein
Auf Okujenis imaginärer Insel tummeln sich vegetative und organische Formen, mischen sich mitunter geradezu wild mit Linien und farbigen Flächen und lassen dem Betrachter viel Raum für eigene Assoziationen. Es passiert viel auf den Arbeiten von Okujeni, der 2015 an der Karlsruher Akademie Meisterschüler von Silvia Bächli war. Das lädt zum Verweilen ein und macht Spaß.
Das Kunststipendium der Stadt Karlsruhe wird jedes Jahr vergeben: im Wechsel an Absolventen der Karlsruher Akademie, der Hochschule für Gestaltung und der Musikhochschule. Es ist mit je 20.000 Euro dotiert.
Termin
Laura Gaiser, „Frucht Fleisch“, bis 11. September; Johanna Wagner, „fool for a plant“, und Ulrich Okujeni, „Imaginery Island“, jeweils bis 25. September in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Lorenzstr. 27: Mi-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr. www.staedtische-galerie.de.