Rheinpfalz Politiker wegen Bienentod unter Druck

In jedem Stock lebten rund 40.000 Bienen.
In jedem Stock lebten rund 40.000 Bienen.

«» Der Besitzer, der auf einem Gelände in der Nähe der Kaiserbacher Mühle in Göcklingen 15 von 16 Bienenvölker verrotten ließ, ist zu einer Geldbuße in einem mittleren dreistelligen Bereich verdonnert worden. In seiner Heimat bei Marburg steht er nicht nur deswegen im Fokus der Kritik.

Da wird uns Tag für Tag vor Augen geführt, wie wichtig Bienen nicht nur für die Honig-Produktion, sondern auch für unser Ökosystem und die landwirtschaftlichen Erträge sind, und dann konnte es passieren, dass Tausende von Bienen starben. Schauplatz der Katastrophe war – wie berichtet – eine Wiese bei Göcklingen. Dort hat ein Eschbacher auf einem Grundstück Obstbäume stehen. Vor über einem Jahr erhielt er per E-Mail eine Anfrage, ob auf seinem idyllisch gelegenen Gelände Bienenstöcke aufgestellt werden dürften. Als Naturfreund stimmte er sofort zu. Wenig später bezogen 16 Maja-Völker ihr neues Quartier. Pro Volk etwa 40.000 Bienen. An den Stöcken wurde ein Schild angebracht. Ein Name steht darauf, außerdem eine Handynummer. Dann wunderte sich der Grundstücksbesitzer, dass sich nach der Honig-Hochsaison überhaupt nichts an den Stöcken tat. „Sie wurden einfach sich selbst überlassen, sprich absolut vernachlässigt.“ Was fehlte, war vor allem das Zufüttern, damit die Bienen überwintern können. Und Schutz vor Milbengefahr. Der Eschbacher begann zu recherchieren. Im Internet zu finden war unter dem Namen: Politiker der FDP, Agraringenieur, selbstständig, wohnhaft in einem kleinen Dorf in Hessen. Doch so oft sich der Obstzüchter auch mit diesem Mann in Verbindung setzen wollte, er erreichte ihn einfach nicht. Auch die RHEINPFALZ hatte es mehrmals versucht. Ohne Erfolg. Vom Veterinäramt des Landkreises Südliche Weinstraße wurde der nachlässige Bienenhalter dann aufgespürt. Der rechtskräftige Bußgeldbescheid ist inzwischen beglichen, das Verfahren abgeschlossen. Doch in seiner Heimat sieht sich der Liberale mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Denn es soll wohl eine ganze Reihe von Versäumnissen in seiner Bienen- und auch Rinderhaltung gegeben haben. Deswegen wird von Beobachtern seine Qualifikation für ein hohes Amt beim Landeswohlfahrtverband angezweifelt. Am 6. Dezember kandidiert er für die Aufgabe eines Spitzenfunktionärs eines Verbandes mit rund 1200 Mitarbeitern, einem Zig-Millionen-Haushalt und 57.000 zu betreuenden Menschen, wie die „Oberhessische Presse“ berichtet. Die Personalie versetze viele Menschen in Aufruhr. Zweifel an seiner Eignung für die Position wurden auch in Leserbriefen und Stellungnahmen geäußert. Marianne Reif (70) aus Ilbesheim, seit vielen Jahren engagierte Tier- und Naturschützerin, hat die Diskussion um den 49-Jährigen verfolgt. Nach Angaben des dortigen Veterinäramts hat er von 2011 bis 2013 sechs Bußgelder von insgesamt 4700 Euro bezahlt. Eine vernachlässigte Kuh habe wegen fehlender tierärztlicher Versorgung eingeschläfert werden müssen. In seinen Bienenbeständen starben zuletzt rund 80 Völker, nachdem der FDP-Politiker erkrankt war und den Bienen keine ausreichende Pflege hatte zukommen lassen, heißt es. Er selbst soll Versäumnisse eingeräumt haben, doch an seiner Kandidatur, die von SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern unterstützt wurde, hält er fest. Er könne aus Bußgeldbescheiden keinen Rückschluss auf seine Eignung ziehen, wird er zitiert. Bei den Verstößen gegen Tierschutz- und Tierseuchengesetze handele es sich nicht um Straftaten, sondern um Ordnungswidrigkeiten, geben seine Befürworter zu bedenken.

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