Böhl-Iggelheim / Neustadt
Pfälzer Grumbeere: Steffen Boiselle neuer Markenbotschafter (mit Bildergalerie)
„100% Pälzer“ prangt in großen, weißen Lettern auf dem blauen T-Shirt von Steffen Boiselle. Falls irgendjemandem noch unklar war, wie und ob sich der Neustadter Zeichner und Cartoonist (Agiro Verlag), der auch regelmäßig für DIE RHEINPFALZ arbeitet, mit der Pfalz und der dazugehörigen Lebensart identifiziert – genau so. Da ist es passend, dass der 61-Jährige zum offiziellen Start der Frühkartoffelernte zum „Markenbotschafter für Pfälzer Grumbeere 2026/27“ ernannt wurde.
„Ich wurde angerufen“, sagt Boiselle im RHEINPFALZ-Gespräch auf die Frage, wie der Kontakt zustandegekommen sei. Er sei seit einiger Zeit schon in losem Kontakt mit der Pfälzischen Früh-, Speise- und Veredelungskartoffel-Erzeugergemeinschaft gewesen, habe auch schon ein Grumbeerheft für Kinder illustriert. Daher habe er auch sofort ja gesagt, als die Anfrage kam. Er sei kurz in sich gegangen, ob er sich das vorstellen könne, ob er das Amt auch richtig ausfüllen könne. Die Antworten seien allesamt positiv ausgefallen.
Bisherige Botschafter „eine schöne Mischung“
Er sei außerdem noch die Liste der bisherigen Markenbotschafter durchgegangen. „Eine schöne Mischung. Ich bin der erste Comiczeichner darunter“, sagt Boiselle. Zu den Vorgängern gehören unter anderem die Sterneköche Emil Kuntz (2012) – er war der erste Markenbotschafter für Pfälzer Grumbeere – und Manfred Schwarz (2017) sowie Sportgrößen wie Markus Merk (2018), Hans-Peter Briegel (2016), Horst Eckel (2017) oder das Team der Rhein-Neckar Löwen (2021). Aber auch Kulturschaffende haben sich schon um die Pfälzer Grumbeere verdient gemacht. Chako Habekost (2015), zum Beispiel, oder die Anonyme Giddarischde (2022). Oder Boiselles Vorgänger. Monji El Beji, Sänger der Bands Fine R.I.P. und Woifeschdkänisch, lässt es sich nicht nehmen und schaut selbstverständlich zur Amtsübergabe auf dem Hof von Johannes Zehfuß in Böhl-Iggelheim vorbei.
„Es war ein schönes Jahr“, resümiert der Fußgönheimer. „Man wird überall erkannt“, sagt er und lacht. Gut, das ist bei Monji El Beji ohnehin nicht das Problem. Und auch sein Nachfolger ist in der Pfalz schon eine Größe mit entsprechendem Bekanntheitsgrad. Sein Lieblingskartoffelgericht ist der Kartoffelbrei von Ehefrau Ines, erzählt er. „Mit viel Sahne.“
Zum Start eine Kartoffelzeichnung
Seine Aufgaben in den kommenden zwölf Monaten? Da ist sich Boiselle noch nicht so ganz sicher. „Aber ich denke, es geht darum Gutes mit der Grumbeere zu machen und auch gut darüber zu sprechen.“ Beides dürfte dem in Ludwigshafen geborenen Boiselle nicht schwer fallen. Die konkreten Termine kämen noch, meint er. Aber zum Start sei wohl eine schulische Veranstaltung gesetzt.
Und die eigenen Kartoffel-Kochkünste? „Ich kriege die Kartoffeln weich. Und geschnitten hab’ ich mich auch noch nicht“, sagt er und grinst. Seine eigentliche Kernkompetenz ist aber das Zeichnen. So hat er selbstverständlich für seinen Start als Markenbotschafter die Kartoffel auch gezeichnet. „Ein bisschen zittrig muss sie sein. Ein Ei, das zittrig ist. Eben ein Ei mit Charakter“, sagt er. Eine Kartoffel hat eben vieles, gerade Linien aber eher weniger. Boiselle ist überzeugt: „Ich als Botschafter, das matcht, des bassd.“
Wenig Regen, viele Sonnenstunden
265 Landwirte aus der Region sind nach offiziellen Angaben der Erzeugergemeinschaft angeschlossen und bauen auf rund 3900 Hektar Fläche Frühkartoffeln an. Ihr Vorsitzender ist Hartmut Magin. Er berichtete in seiner Begrüßung von bislang trockenen Monaten. Das habe man durch Beregnung ausgeglichen. Auch Sonne satt gab es, zum Beispiel 315 Sonnenstunden alleine im April. Die Folge für die Kartoffelernte: „Ende April hatten wir schon zwei Wochen Vorsprung.“ Die ersten Frühkartoffeln seien Mitte Mai in den Hofläden gewesen. „In dieser Woche ist der Start für die Ernte für den Einzelhandel.“
In Sachen Markenbotschafter habe El Beji die Latte schon hoch gelegt, meinte Magin. Boiselle bezeichnete er als „Künstler mit der ruhigen Hand“. Der Neustadter sei mittlerweile ein fester Bestandteil der regionalen Kultur. Beide hätten „die Heimat in den Genen“.
Geschichten über Erfahrungen mit Kartoffeln gibt es also genügend. Aber zum Dasein eines Markenbotschafters gehört selbstverständlich auch ein bisschen Praxiswissen. Und so steht Boiselle ein paar Minuten später neben Hartmut Magin an Bord eines Kartoffelroders. Unter den wachsamen und neugierigen Augen von Vertretern der Presse, aber auch der Pfälzischen Weinkönigin Anna Antonia Cölsch (Deidesheim), hilft der Cartoonist bei der Ernte. Er sortiert Kartoffeln aus, die es nicht in den Verkauf schaffen, Erdklumpen und Grünzeug, die es fälschlicherweise mit aufs Förderband geschafft haben.
Boiselle ist auch hier immer für einen Spaß gut – und hat auch noch das Auge für das Besondere, als er eine Kartoffel findet, die wie ein Herz geformt ist. Was auch wieder irgendwie passt. Denn, ganz klar: Steffen Boiselle hat ein Herz für Kartoffeln.