Rheinpfalz P. Semas roter Renner

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Herschberg. „April, April“ – wenn auch etwas verspätet –, dachte sich wohl Patrick Sema, als er am 2. April ein Schreiben aus den Niederlanden in seinem Briefkasten fand. Im Land von Frau Antje soll er zu schnell gefahren sein. Geht gar nicht, denn dort war er seit zwei Jahren nicht mehr, war sich der Herschberger sicher und ging auf Spurensuche. Beinahe hätte er den Brief sogar weggeschmissen, schreibt Patrick Sema in einer Mail an die Redaktion. Doch seine Neugier siegte. Was er allerdings zu lesen bekam, als er den Umschlag öffnete, mutete tatsächlich wie ein Aprilscherz an. Denn der Absender war die Bußgeldstelle des Nachbarlandes. „Bußgeld? Ich war zuletzt vor über zwei Jahren bei unseren Nachbarn zu Gast, sollten die Mühlen in Holland wirklich so langsam mahlen?“, fragte sich Sema amüsiert. Nein, laut Schreiben nicht. Denn darin stand, dass ein gewisser „P. Sema“ am 23. Februar 2015 in einer 80er-Zone mit 87 Stundenkilometern geblitzt wurde. Mit 30 Euro Verwaltungsgebühr sollte er folglich die niederländische Staatskasse aufbessern. Sema – noch weit entfernt von jeglicher Alterssenilität – war sich indes sicher, an besagtem Tag keine Grenze passiert zu haben. Und dann dieses Kennzeichen, von dem im Schreiben die Rede war. „Irgendwie geläufig, aber keinesfalls meins“, war sich der Herschberger sicher, der prompt auf eine Betrugsmasche tippte. Seine Internetrecherche belehrte ihn aber eines besseren – kein Zweifel: Das Schreiben ist echt. „Was nun?“, fragte sich Sema und rief hilfesuchend bei der Polizei in Waldfischbach-Burgalben an. Dort erfuhr er dann Erstaunliches. Denn das ihm durchaus bekannt vorkommende Nummernschild „PS NN 87“ ist tatsächlich im Besitz der Familie Sema. Allerdings ist das dazugehörige Fahrzeug nicht auf ihn, Patrick, sondern auf seinen Vater Paul zugelassen. Aber der hat an seinem Auto ein anderes Kennzeichen, wunderte sich Patrick Sema noch, als ihm plötzlich dämmerte, woher er das Nummernschild kennt. Er bat den Polizisten kurz zu warten und lief ans Fenster in Richtung Hinterhof: Treffer! Da stand das gesuchte Fahrzeug. Feuerrot, offenes Verdeck, mächtige Reifen – wenngleich höher als breit – und die langgezogene Motorhaube gibt einen Blick auf das tackernde Aggregat darunter frei! Es war der fast schon historische Traktor von Vater Paul. Eher Lastentier als Rennpferd und selbst mit Rückenwind bergab keine 87 Stundenkilometer schnell. Sema berichtete dem Polizisten von seiner Entdeckung, die für Gelächter an beiden Enden der Leitung sorgte. Ehe er auflegte, versprach Patrick Sema dem Beamten noch, ein ernstes Wörtchen mit seinem Vater zu reden. Denn: „Mit dem Traktor mit 87 Stundenkilometern auf holländischen Straßen unterwegs, das muss ja nun wirklich nicht sein“, findet der Sohnemann. Der hat mittlerweile auch schon für Erheiterung bei den niederländischen Behörden gesorgt und vermutlich herausgefunden, wie es überhaupt zu dem Bußgeld kam. In den Niederlanden werden nämlich nicht die Fahrer fürs Rasen bestraft, sondern stets der Fahrzeughalter. Deshalb werde dort auch nur das Nummernschild fotografiert. Beim Auslesen eines Kennzeichens sei dann wohl ein Fehler passiert. „Also, gut überlegen, wem man sein Auto für eine Fahrt nach Holland leiht“, rät Sema und mutmaßt, dass nun irgendwo im Pirmasenser Umland jemand mit ähnlichem Kennzeichen bei der Lektüre dieses Textes ins Schwitzen gerät.

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