Rheinpfalz
Organisator des Göcklinger Krähwettbewerbs: „Ich kann nur gackern“
Heute wird in der Südpfalz die Deutsche Meisterschaft im Gockelkrähen ausgetragen – ein Wettbewerb für Menschen, nicht für Tiere. Ein Fachgespräch unter Hühnern.
Ja, ja, gaga. Vor allem gaga. Das ist das Wichtigste. Angefangen hatte das alles vor einigen Jahren, 2012, weil es um das Göcklinger Weinfest immer ruhiger geworden ist. Wir wollten deshalb etwas Besonderes bieten, haben herumüberlegt. Irgendwann waren wir uns einig: Göcklingen, Gockel, da könnte man eigentlich eine Gockelkrähmeisterschaft machen. Aber nicht fürs Federvieh... Wettkrähen für tierische Hähne gibt es tatsächlich. Da wird gezählt, wie oft ein Hahn in einer bestimmten Zeit kräht. Unser Wettbewerb hingegen war für Kinder gedacht. Aber die haben sich entweder nicht getraut oder es war ihnen peinlich. Dafür sind dann Mütter und Väter spontan eingesprungen. Und so hat sich das Ganze zu dem Wettbewerb entwickelt, wie wir ihn heute kennen. Viel besser kräht der Hahn, so er die Kehle feuchtet an. Welche Rolle spielte der Wein bei dem Ganzen? Gewisse Damen und Herren hatten damals tatsächlich ein Gläschen zu viel . Und sie krähten gut. Inzwischen machen sich die meisten stocknüchtern und freiwillig zum Huhn. Warum? Ganz einfach: Die haben Humor. Leute, die sich vor 2000 Menschen stellen und gackern, die können über sich selbst lachen. Und so soll es sein. Bei uns wird niemand vorgeführt, niemand muss, aber jeder kann. Es soll einfach eine Mordsgaudi sein. Die Göcklinger Krähmeisterschaft macht Schlagzeilen im Internet. Ein gelungenes Ortsmarketing. Sind Sie stolz darauf? Stolz kann man sein, wenn man etwas Großartiges geleistet hat. Aber dazu zähle ich die Meisterschaft nicht. Ich freue mich einfach, wenn die Leute kommen und lachen. Können Sie eigentlich auch krähen? Nein. Ich kann ein bisschen gackern. Aber auch das nicht gut. Einige Leute, die hier auftreten, die können jedoch täuschend echt krähen. Martina Gebhard aus Freiburg, die Titelverteidigerin zum Beispiel, ist ein wahres Naturtalent. Was wird im Wettbewerb bewertet? Männer im Krähen und Stolzieren. Frauen im Glucksen und Gackern. Kinder dürfen es sich raussuchen. Wobei der Hahn nicht männlich, und die Henne nicht weiblich sein muss. Alles ist erlaubt. Jeder kann das sein, was er möchte. Wir sind eine lockere Spaßveranstaltung. Deren Ruf bis nach Thailand reicht. Auf welchen Kanälen das dort ankam, weiß ich nicht. Ich vermute über ein YouTube-Video. Jedenfalls dachte ich, dass muss ein Irrtum sein, als ich hörte, dass sich eine Gruppe von Thailändern angekündigt hat. Aber die haben sich tatsächlich hier in Göcklingen für ein paar Tage eingemietet. Erkennen Sie als erfahrener Moderator die Nationalität am Krähen? Wir hatten schon einen Griechen dabei. Und ein russisches Hinkel aus Minsk. Da hat man den Akzent deutlich gehört. Aus welchen Ställen haben sich sonst noch Hühner angekündigt? Oh, da bin ich selbst gespannt. Die Leute können sich nämlich bis kurz vor knapp anmelden. Oder während der Veranstaltung spontan mitmachen. Ich weiß aber von zwei Landauern. Und aus Mainz und Köln gibt es jeweils eine Anmeldung. Wir rechnen mit 20 bis 40 Teilnehmern. Schlägt da nicht der Tierschutz Alarm? Tatsächlich habe ich vor Kurzem einen Anruf von Tierschützern bekommen. Ich solle doch bitte keine Hühner auf dem Grundstück schlachten. Unglaublich, aber einige verstehen wirklich nicht, dass das eine Gockelkrähmeisterschaft für Menschen ist.
Sonntag, 14 Uhr: Der Wettkampf
Wer das Gackern und Krähen von Huhn und Hahn am besten nachahmt, wird deutscher Gockelkrähmeister. Der Wettbewerb wird zum sechsten Mal ausgetragen. Veranstaltungsort ist der Hoffmann’sche Kulturacker in Göcklingen. Los geht es um 14 Uhr.