Rheinpfalz Oktokopter spürt Schäden an Solarmodulen auf

Das Fluggerät hebt ab. Während es fast senkrecht in den Himmel steigt, gibt es den Blick frei auf die Fracht, die es an der Unterseite transportiert: eine Wärmebildkamera. Michael Bender, Inhaber des in Waldfischbach-Burgalben ansässigen Unternehmens mbi-Automatisierungstechnik, steuert das Fluggerät mittels Fernbedienung. Zielgenau fliegt es über die Fotovoltaikmodule auf dem Hallendach. Gesucht wird das Modul, das seine Arbeit nicht mehr richtig erledigt und keinen Solarstrom erzeugt.
Um fehlerhafte Module zu entdecken, war es in der Vergangenheit notwendig, auf das Dach zu steigen, die Module abzubauen und einzeln zu überprüfen. In ungünstigen Fällen waren in diesen Fällen teure Einsätze von Hubwagen oder Gerüst notwendig. „Das lässt sich eleganter lösen“, sagt Diplom-Ingenieur Bender und zeigt auf die von ihm gesteuerte Drohne mit angehängter Wärmebildkamera. „Eine Thermografiekamera muss optimal zum Objekt ausgerüstet sein, um Spiegelungen und Reflexionen auszutauschen“, erläutert er. Die Drohne sorgt dafür, dass die Kamera im richtigen Winkel über den Modulen schwebt. Drahtlos wird das Wärmebild der gesamten Fotovoltaikanlage an den Computer übertragen, der neben Bender steht. Ein blau-gelb-rotes Farbenmeer, aus dem der Fotovoltaikspezialist, der als Sachverständiger im Bereich Solarstromgutachten gefragt ist, schnell schließen kann, welches Modul Probleme bereitet. „Die Wärmebildkamera kann unnatürliche Wärmequellen, sogenannte Hotspots, an einzelnen Modulen aufspüren. Dadurch ist eine gezielte Demontage des beschädigten Moduls möglich“, erläutert Bender Vorteile des fliegenden Systems. Es hilft etwa , bei beschädigten Modulen Garantieansprüche geltend zu machen. In der Regel geht es um Geld, wenn Benders Sachverstand und die Dienste seines Oktokopters – darum handelt es sich bei dem Fluggerät – gefragt sind. Geld, das nicht so fließt wie erhofft, weil die Anlage nicht die Jahreserträge an Solarstrom liefert, die prognostiziert sind. Der Blick auf die Abrechnung bei manchem Anlagenbesitzer, auch der regelmäßige Blick auf den Zähler, lässt oft erahnen, dass etwas an der Anlage nicht richtig funktioniert. Benders Aufgabe besteht zunächst darin sich ein genaues Bild von der Anlage zu machen. Dazu wird schönes Wetter und ein Kennlinienmessgerät benötigt. Es zeigt, vereinfacht ausgedrückt, welche Maximalleistung eine Anlage bringen kann. Diese Ergebnisse werden mit den Anlagedokumenten und den Herstellerdaten der verbauten Komponenten abgeglichen. Die Leistungsfähigkeit verbauter Solarmodule lässt im Lauf der Jahre nach. Weichen die Daten der Kennlinienmessung aber zu stark von den zu erwartenden Ergebnissen ab, ist klar: An dieser Anlage stimmt etwas nicht. Wenn Sichtkontrollen abgeschlossen, simple Probleme wie Verschattung ausgeschlossen sind, beginnt die intensivere Fehlersuche. Hier kann die Drohne wertvolle Dienste leisten. „Idealerweise verwendet man Schwebeplattformen mit mehreren elektrischen Motoren, um notfalls auch einen Motorausfall ohne Absturz kompensieren zu können“, erklärt Bender, warum er auf einen Oktokopter mit acht Motoren setzt. 20.000 Euro hat er investiert, um Solaranlageneigentümern bei der Suche nach Schäden g der Anlage zu helfen. Der Oktokopter kann bis zu 3,5 Kilo schwere Geräte transportieren: Wärmebildkamera, Digitalkamera oder Videogerät, die eine thermografische oder optische Anlagenkontrolle ermöglichen. Eine in gestochen scharfen HD-Bildern auflösende Kamera mit 120-fachem Zoom, die der Oktokopter transportieren kann, liefert detaillierte Erkenntnisse für die optische Inspektion. So lassen sich Dacheindeckungen, Regenrinnen, Schornsteine problemlos inspizieren. Auch für detaillierte Immobilienpräsentationen eignen sich die Bilder. Zehn Minuten lang kann die Drohne unter Volllast über einem Dach schweben und reichlich Daten sammeln, die direkt an den Computer übertragen werden. Fällt Bender während des Fluges bereits etwas auf, kann er gezielt Punkte anfliegen. Damit er sich schon während des Fluges auf die Untersuchung der Anlage konzentrieren kann, baut er auf unterstützende technische Möglichkeiten des Fluggerätes. „Es kann autonom starten und landen, kann definierte Wegepunkte anfliegen, parkt an definierter Stelle“, sagt Bender, der sich als Pilot so gänzlich auf die Kamera konzentrieren kann. Sollte der Empfang ausfallen, „kommt der Oktokopter automatisch zum Startpunkt zurück und leitet eine Landung ein“, sagt er. Bis er das Fluggerät beherrschte und richtig programmieren konnte, „musste ich es schon mal suchen, weil es nicht dort gelandet war, wo es landen sollte“, verrät er schmunzelnd. Sensormotoren am Fluggerät halten die Kamera stabil. Diese liefert verwacklungsfreie Bilder. Während des Fluges trägt Bender Kopfhörer, über die er akustische Signale des Oktokopters empfängt, beispielsweise über den Akkuzustand. Die Kosten sind abhängig vom Aufwand, der notwendig ist, um die Anlage zu überprüfen beziehungsweise Fehlerquellen zu identifizieren. Vier Thermografiebilder, die erste Aufschlüsse bringen können, gibt es ab 25 Euro. „Es gibt in Deutschland 1,4 Millionen Solaranlagen“, sagt Bender. Probleme mit diesen, die finanziell zu Lasten des Anlagenbesitzers gehen, bleiben nicht aus. Fotovoltaikanlagen sind das Haupteinsatzgebiet. Weitere Einsatzgebiete sind für ihn vorstellbar: Kontrolle von Dächern, Fassaden, Brücken, Stromtrassen, Windrädern.