Eisenberg Nur wenige Fahrer für längere Strecken
Kann ein regionaler Online-Shop mit ehrenamtlichen Transporteuren funktionieren? Das war eine der Fragen, auf die sich die Verantwortlichen für das Projekt Digitale Dörfer durch die Testphase im Mai eine Antwort erhofften. Die Antwort: Ja, aber...
Das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern hat nach der ersten Testphase des Projekts Digitale Dörfer Bilanz mit den beteiligten Verbandsgemeinden Eisenberg und Göllheim gezogen. Rund 190 Menschen haben sich in den beiden Verbandsgemeinden für das vom Land geförderte Forschungsprojekt registriert. In der VG Betzdorf, die als zweite Region für das Projekt ausgewählt worden war, haben sich knapp 270 Personen über die Digitale-Dörfer-App angemeldet. Die Teilnehmer konnten über einen Online-Shop Waren bei regionalen Händlern bestellen, die ihnen dann von ehrenamtlichen Transporteuren zugestellt wurden (wir berichteten mehrfach). In Eisenberg und Göllheim wurden während der vierwöchige Testphase im Mai 76 Bestellungen in dem eigens eingerichteten Shop aufgegeben, 382 Artikel wurden insgesamt geliefert. „Die Testphase hat gezeigt, dass die Bürger vor allem Waren und Lebensmittel des täglichen Bedarfs nachfragten“, informiert Claudia Reis, Pressereferentin beim Fraunhofer-Institut. In Eisenberg und Göllheim seien zu 70 Prozent Waren mit regionalem Bezug wie Backwaren, Eier und Obst beziehungsweise daraus hergestellte Produkte geordert worden. Die meisten Bestellungen gingen bei der Bäckerei Schmitt, dem Arleshof, dem Hit Markt in Eisenberg und dem Obsthof Enders ein. Die eifrigsten Besteller wohnen in Steinborn, wo 38 Prozent der Lieferungen hingingen, gefolgt von Eisenberg (24 Prozent), Kerzenheim und Göllheim (je 8), Albisheim (5), Harxheim (3), Ramsen und Rüssingen (je 1). An die Paketstation im Hit-Markt zum Selbstabholen gingen 12 Prozent der Bestellungen. Interessant für die Wissenschaftler war insbesondere die Antwort auf die Frage, ob das System der ehrenamtlichen Auslieferung funktioniert. „Ja, das geht“, sagt Reis. „Allerdings gibt es innerhalb der Verbandsgemeinden je nach Lage des Händlers und der Wegstrecke große Unterschiede. Die Auslieferung der Waren über freiwillige Fahrer funktionierte sehr gut in denjenigen Ortsteilen, in denen sich Menschen sowieso viel bewegen, weil sie zur Arbeit oder Schule fahren.“ In Eisenberg seien viele Pakete vom Ortszentrum in nahe gelegene Stadtteile wie Steinborn transportiert worden. Für längere Lieferungen vom einen Ende der Verbandsgemeinde Eisenberg zum anderen Ende der Verbandsgemeinde Göllheim stünden generell nur wenige Fahrer zur Verfügung. Laut einer vom Fraunhofer IESE durchgeführten Umfrage in den Verbandsgemeinden sind ehrenamtliche Zusteller in der Regel nicht bereit, mehr als fünf Minuten Umweg auf sich zu nehmen. „Da gerade die Hersteller regionaler Produkte außerhalb viel befahrener Strecken liegen, muss hier über alternative Konzepte nachgedacht werden“, so Reis. „Zum Beispiel hat sich die Nutzung von Packstationen als Zwischenstationen bewährt.“ Über die App und das Webportal hatten die Bürger auch die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu übermitteln. Das Fraunhofer IESE setzte einige dieser Vorschläge bereits während der laufenden Testphase um, berichtet Claudia Reis. „Generelle Ideen und Diskussionen zu alternativen Zahlungsweisen sind ein weiterer Punkt, der ausgearbeitet werden muss“, sagt sie. „Allerdings geht es hier nicht nur um die technische Umsetzung, sondern auch darum, was die Einzelhändler bereit sind anzubieten.“ Die nächste Testphase ist im Herbst vorgesehen. Bis dahin soll das System auf Basis von in Kürze stattfindenden Nutzer- und Einzelhändlerworkshops erweitert werden. So denken die Projektverantwortlichen über das Einbinden professioneller Lieferdienste wie zum Beispiel Apothekenzustelldienste nach. Auch soll die Software mehr Anwendungsmöglichkeiten als Online-Bestellungen bieten. Jürgen Stutzenberger, der bei der Verwaltung mit den Digitalen Dörfern betraut ist, nennt ein Netzwerk „Bürger helfen Bürger“ als Beispiel. „Im ersten Workshop sollen die Einzelhändler und im zweiten die registrierten Transporteure und Besteller über ihre Erfahrungen berichten und Vorschläge machen, wie die zweite Testphase optimiert werden kann“, informiert Stutzenberger. „Am 23. Juni sind aber auch die Nichtaktiven und neue Nutzer eingeladen. Sie sollen die notwendigen Informationen bekommen und motiviert werden, in das Projekt einzusteigen.“ Die gesammelten Vorschläge werden dann in einem Treffen aller Beteiligten nochmals diskutiert, um den Fahrplan für die zweite Testphase aufzustellen. Info Workshops in Eisenberg, Sitzungssaal des Rathauses: •22. Juni, 19 Uhr: Einzelhändlerworkshop •23. Juni, 19 Uhr: Bürgerworkshop