Rheinpfalz Nur Hunde müssen still sein
„Herzlich willkommen zur dritten Ausgabe von Nachtlichtmelodien“, begrüßte Musikantenlandpreisträger Martin Folz am Samstagabend auf Burg Lichtenberg fast 300 Besucher, die zum gemeinsamen Singen gekommen waren.
In dem romantisch beleuchteten Burghof saßen sie ab 21 Uhr auf Bänken, einige hatten Getränke und Decken mitgebracht wie bei einem Picknick. Die Vorfreude auf das gemeinsame Singen in die laue Sommernacht hinein war unverkennbar, nach den ersten Takten kamen noch einige spontane Besucher dazu. Auch viele Familien mit Kindern waren gekommen, sogar einige Hunde waren – meist als stille Zaungäste – mit von der Partie. Und das Programm richtete sich an Groß und Klein, Jung und Alt. „Wir haben heute 35 Lieder dabei, das ist `n Haufen Holz,“ meinte Martin Folz in saloppem Plauderton. Der Musikantenlandpreisträger sang nicht nur und begleitete sich selbst auf dem Akkordeon, sondern führte auch durch den Abend. Musikalisch wurde er von den beiden Ukulele-Spielern Michael Fromm und Marcus Neßler begleitet. „Nach etlichen Gesprächen nach den Nachtlichtmelodien im letzten Jahr haben wir dieses Mal das Programm erweitert um Kinderlieder, internationale Folklore und Poptitel.“ Alte deutsche Volkslieder wie „Horch was kommt von draußen rein“, „Loreley“, „Am Brunnen vor dem Tore“, „Im Frühtau zu Berge wir geh’n“, „Kein schöner Land“ und das Revolutionslied „Die Gedanken sind frei“ konnten fast alle Gäste auch ohne Text und Noten mitsingen. Viele erinnerten sich dabei an ihre Schulzeit zurück. Immer wieder warf Martin Folz auch spontane, humorvolle Kommentare ein wie „Zieh die Bremse“ bei „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder „Jetzt können wir etwas Gas geben“ bei „Im Frühtau zu Berge wir geh’n“. Spontan improvisierte Martin Folz mit den Besuchern das „Steigerlied“, die „Hymne des Saarlandes“, die viele aus voller Kehle mitsangen. „Das Steigerlied geht immer,“ kommentierte Folz die Begeisterung der Sänger. Erinnerungen kamen auch bei Kinderliedern wie Karel Gotts „Biene Maja“ auf. Aber so ganz sicher waren die Hobbysängerinnen und Sänger nicht mehr. „Das mit dem Echo müsste man noch besser hinkriegen“, meinte Folz dazu. „Wer hat eine Idee?“ Der zweite Versuch klappte dann prima. Inzwischen war es dunkel geworden, und viele leuchteten mit einer Taschenlampe oder ihrem Handy auf die Noten, ein zauberhaftes Bild in dem nachtblauen Himmel. Bei dem Disney-Klassiker „Probier`s mal mit Gemütlichkeit“ haperte es zunächst etwas mit der Textkenntnis. Doch für Martin Folz war das kein Problem: „Ihr singt einfach das, was ihr kennt,“ schlug er vor. „Seid ihr bereit?,“ leitete er über zum Folkloreteil, in dem neben dem altbekannten „What shall we do with a drunken sailor“ mehrere Klezmer-Lieder auf dem Plan standen, die die Besucher mit viel Schwung und unüberhörbarem Spaß an der Sache mitsangen. Auch ein improvisierter Kanon klappte hier auf Anhieb. „Das ist gut für die Synapsen,“ witzelte Folz. Hits wie „Yesterday“ von den Beatles klangen voll verhaltenem Zauber über den Burghof, auch zu Peter Maffays „Über sieben Brücken“ und dem Reinhard-Mey-Song „Über den Wolken“ fanden die begeisterten Sängerinnen und Sänger sofort den Draht. „Jetzt will ich aber Hände und Lichter sehen,“ ermunterte Folz die Menschen zum Winken. Ausklingen ließ Martin Folz diesen Mit-Sing-Abend mit der Europahymne, Beethovens „Freude schöner Götterfunken“, das kraftvoll über die Burg schallte. „Das hat mir sehr gut gefallen,“ freute sich eine Besucherin aus Altenglan, die mit ihrer Hündin und einer Freundin aus Kaiserslautern gekommen war: „Das Ambiente, dieses Miteinander und diese Gemeinschaft.“ „Das Interessante ist, dass die Leute alle gerne singen“, stellte auch Martin Folz fest. „Singen, die Kommunikation über die Stimme, fasziniert die Menschen.“