Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Noch immer Saga-haft: Die kanadische Progrockband brilliert in der Festhalle

Gitarrist Dusty Chesterfield (im Vordergrund) gab als Ersatzmann für Ian Crichton dem Konzert die besondere Note.
Gitarrist Dusty Chesterfield (im Vordergrund) gab als Ersatzmann für Ian Crichton dem Konzert die besondere Note.

Viel Neues gerissen haben Saga schon lange nicht mehr. Trotzdem schaffen es die Kanadier durch ständiges touren immer irgendwie auf dem Schirm zu bleiben. In der Wörther Festhalle haben sich tausend Fans von überall her aufgemacht um die Band zu sehen und zu hören, die schon seit ihrer Gründung im Jahr 1977 komplexen Progrock mit eingängigen Melodien kombiniert und damit einen Sound mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen hat, der bis heute beinahe konkurrenzlos da steht.

In die allererste Liga, in der Ikonen wie Yes oder Genesis den Ton angeben und/oder angegeben haben, konnten Saga nie vordringen. In den USA rangierte das Quintett nur einmal, 1981 mit dem Album „Worlds Apart“, unter den Top 30 der Charts, in England blieb die Band sogar weitestgehend komplett unbeachtet. Lediglich in Deutschland avancierten Saga zu Stars.

Die Verehrung hier ging sogar soweit, dass die Gruppe in ihrer Heimat Kanada sehr häufig für eine deutsche Band gehalten wurde, wie Jim Crichton, damals Bassist und hauseigener Produzent der Combo, dem Autor dieser Zeilen einmal lachend erzählte. Crichton erklärte in dem Gespräch auch die Entstehungsweise der Saga-Songs, die heute noch Gültigkeit hat: „Wir legen Wert darauf, dass jeder Song zunächst einmal eine solide Melodie hat. Dann wird über die Arrangements gesprochen. Die Texte kommen später, nach der Musik. Unsere Lieder sollen eine kommerzielle Rockseite haben, radiotauglich sein und einige erinnerungswerte Momente enthalten. Wir wollen nicht den Weg einschlagen, den beispielsweise King Crimson genommen haben. Die orientieren sich immer mehr Richtung Fusion und spielen heute Stücke, bei denen ein Schlagzeuger wahnsinnig werden muss. Das wollen wir definitiv nicht“.

2017 verließ Jim Crichton die Formation, für ihn kam Dusty Chesterfield. Sänger Michael Sadler nahm schon 2007 seinen Hut, kehrte aber vier Jahre später wieder zur Band zurück. Schlagzeuger Brian Doermer verkündete wenig später seinen Ausstieg aus gesundheitlichen Gründen. Er wurde durch Mike Thorn ersetzt. Keyboarder Jim Gilmour hatte seine Saga-Auszeit von 1986 bis 1992 genommen, ist seither aber eine feste Konstante im Line-Up der Kapelle.

Von Anfang ohne Unterbrechung dabei ist heute nur noch Gitarrist Ian Crichton. Ausgerechnet er fehlte aber in Wörth – aus privaten Gründen, wie es auf Nachfrage hieß. Andere Quellen berichten von einem Beinbruch des Klampfers. Seine Rolle nahm in Wörth Dusty Chesterfield ein. Dessen Part am Bass wiederum übernahm kurzfristig Mike Borkosky, ebenfalls Kanadier aus der Provinz Ontario stammend, Borsosky ist Produzent, Sänger und normalerweise Gitarrist. Er tourte unter anderem mit Alannah Myles und Lee Aaron.

Chesterfield wiederum war mehr als bloßer Ersatz für Ian Crichton. Er heimste mit außergewöhnlichen Können auf seinem Instrument mehrfach Beifall auf offener Szene ein. Aus „Tired World“, dem Kapitel sechs der von Saga auf ihren Langspielplatten immer wieder in loser Folge eingestreuten „Chapter“ – das sind durcheinandergewürfelte Musikstücke, die irgendwann einmal, richtig zusammengefügt, eine komplette Geschichte erzählen sollen – ein Highlight des Konzertabends. A

ber auch sonst wussten Saga, wenn auch mit einem Repertoire das größtenteils schon mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat, zu überzeugen. Aus Stücken wie „Ice Nice“, zu denen Crichton, Borkosky und Sadler gleichzeitig mehrere Keyboards und Syntheziser bedienten, machte letzterer ein gesungenes Zwiegespräch mit dem Publikum. Die Einleitung zu „The Interview“, einem Song aus „Worlds Apart“, ging fast unter im Jubel der Zuhörer. Sadler ist mit seinen 70 Jahren und einer erst vor kurzem überstandenen Krebsoperation noch immer erstaunlich gut bei Stimme und hat auf der Bühne die Rolle des Regisseurs inne.

Kein Musiker hat eine Setliste vor sich liegen und so ist es Sadler, der auf Zuruf die Reihenfolge der gespielten Stücke bestimmt. Um den Kollegen zwischendurch eine Ruhepause zu gönnen darf Trommler Mike Thorne auch schon mal mit einem tollen Schlagzeugsolo glänzen, was dem Ablauf der Show eine wohltuende Dynamik verleiht.

Jim Gilmour bekommt seine große Stunde zu „Scratching The Surface“, bei dem er den Leadgesang übernehmen darf. Gilmour ist mit seinem Spiel eine tragende Säule im Saga-Kosmos, als Sänger ist er allerdings, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig. Saga werden in Wörth so gefeiert, dass sie es sich sogar leisten können, auf ihre bekanntesten Hits hierzulande, „On The Loose“ und „Wind Him Up“, verzichten zu können. Sollten die Musiker gesundheitlich wieder alle auf dem Damm sein und bleiben, wird das Konzert in der Festhalle sicher nicht ihr letztes Gastspiel in der Region gewesen sein. Das Vorprogramm bestritt übrigens die wiedervereinigte Metalband Czakan aus dem Schwarzwald, die ihre besten Tage in den späten 1980er-, frühen 1990er-Jahren hatte.

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