Landau
Niklas Liepe über ein Leben als reisender Violinist
„Es ist unfassbar schöne Musik“, sagt Niklas Liepe zum Programm der Matinée, die in Dvoráks mittelböhmische Heimat führt. Neben den bekannten Slawischen Tänzen – in einer Fassung für Cello und Klavier – steht das nicht so oft gespielte frühe Klaviertrio Nr. 1 auf dem Programm, das Stück „Waldesruhe“ für Cello und Klavier sowie die Sonatine opus 100 für Violine und Klavier, die der Tscheche seinen Kindern widmete.
Wie läuft die Vorbereitung auf eine solche Kammermusik-Matinée? „Mein Bruder und Alexander Hülshoff wohnen in Köln, ich in Hamburg“, erzählt Niklas Liepe. „Wir haben uns erst einmal getroffen, um den musikalischen Rahmen abzustecken. Vor dem Konzert, proben wir intensiver. Musikalisch verstehen wir uns sehr gut.“ Immerhin kennen sich die Musiker aus den Jahren 2013 bis 2017, als Liepe Stipendiat der von Hülshoff geleiteten Stiftung Villa Musica war. Dort liege der Schwerpunkt auf Kammermusik, und von der Erfahrung des gemeinsamen Musizierens zehre er heute noch, sagt der Geiger.
„Ich habe einen der schönsten Berufe, die es gibt“
Egal, ob Kammermusik oder mit einem Orchester: Manchmal funktioniere das Zusammenspiel sofort, in anderen Fällen dauere es, bis man sich findet. Wie auch in allen anderen Lebenslagen. Im Ensemble sollte man eigene Ideen nicht einfach durchziehen, sondern vorher ansprechen und vermitteln, sagt Liepe.
Mit einem Leben auf Reisen könne er umgehen. „Man muss sich ein kleines Refugium schaffen für eine Privatsphäre außerhalb der Musik, dann fällt das Reisen nicht so schwer. Immerhin habe ich einen der schönsten Berufe, die es gibt. Außerdem versuche ich immer, etwas von den Konzertorten zu sehen. Wir bummeln schon am Vorabend durch Landau, auch nach der Matinée finde ich hoffentlich noch etwas Zeit für Landau, bevor ich nach Prag fahre.“
Wettbewerbe als Stresstest
Nach dem Auftritt in Prag geht es weiter nach Thailand, zu einem Konzert mit Nils Liepe und dem Royal Bangkok Symphony Orchestra, danach zurück nach Deutschland, um in Bonn mit der Klassischen Philharmonie Mozarts Violinkonzerte zu spielen. Jedes Mal mit anderem Programm.
In kurzer Zeit unterschiedliche Kompositionen zu verinnerlichen, hat der Geiger bereits während des Studiums in Wettbewerben gelernt. „Wichtig ist nicht der Wettbewerb selbst, sondern die Vorbereitung. Es ist ein Stresstest, weil man in kurzer Zeit viel Repertoire vorbereitet. Im Wettbewerb sieht man, wo man steht, und lernt viel dazu.“ Die Wettbewerbssituation sei besonders unangenehm. Und als Lehrer an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg kennt er inzwischen auch die andere Perspektive.
Paganini und der Klimawandel
Besondere Furore machte Niklas Liepe mit dem New Paganini Project. „Im Studium bei Zakhar Bron musste ich die Capricen von Niccolo Paganini rauf und runter spielen. Ich fand sie damals schrecklich, weil es dabei um die Spieltechnik ging. Aber man muss sich auch den musikalischen Ansatz anschauen. Deshalb kam ich auf die Idee, rund 20 verschiedene Komponisten zu bitten, je eine Caprice zu bearbeiten. Der Violinpart blieb original, die Orchestersätze sind neu dazu gekommen“, erzählt Liepe.
Das Ergebnis: Das New Paganini Project beleuchtet die Capricen ganz unterschiedlich, mal jazzig, mal als Tango oder Foxtrott. Es folgten die „Goldberg Reflections“ und im März 2024 „Elements“ mit Texten und Kompositionen, die auf den Klimawandel hinweisen. „Ich will die Schönheit der Natur ins Bewusstsein rufen, sie ist etwas Besonderes, keine Selbstverständlichkeit“, sagt Liepe.
Termin
Landauer Meisterkonzert am Sonntag, 5. März, 11 Uhr, im Alten Kaufhaus. Tickets gibt es im Büro für Tourismus im Rathaus und bei Ticket Regional, online www.ticket-regional.de.