Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt/Haßloch: Spargelernte unterbrochen

Düstere Aussichten: Den Landwirten fehlen die Erntehelfer.
Düstere Aussichten: Den Landwirten fehlen die Erntehelfer. Foto: Mehn

Die Verbraucher müssen sich auf einen massiven Einbruch beim Angebot von Spargeln einstellen. Den heimischen Landwirten fehlen die notwendigen Erntehelfer. Auch ist nach der Schließung der Gastronomie der Umsatz weggebrochen.

Außergewöhnliche Ereignisse erfordern auch außergewöhnliche Maßnahmen. Den ersten Schritt in der Corona-Krise musste am Freitagnachmittag Ralf Christ tun. Der 52 Jahre alte Gartenbaumeister musste erstmals seit der Gründung seines auf Spargel spezialisierten Betriebs „Quartier Christ“ die Reißleine ziehen und die am Donnerstag begonnene Ernte vorläufig unterbrechen.

Der Grund ist einfach: Trotz zahlreicher Einladungen an seine langjährigen Saisonarbeitskräfte aus Rumänien und Polen sind erst acht von ihnen in Neustadt eingetroffen. Für eine reibungslose Spargelernte benötigt er aber hundert Kräfte. Die meisten haben abgesagt, überwiegend aus Angst vor der Corona-Pandemie. Und denjenigen, die nach Deutschland einreisen wollten, sei von den Behörden die Einreise bisher versagt worden. „Was willst du dann noch machen, wenn keiner da ist“, sagt Christ.

Sicherheitsabstand gewahrt

Der Landwirt kann die Sorgen nachvollziehen. Er betont aber, dass alles getan werde, um Ansteckungen zu vermeiden. „Der Sicherheitsabstand von zwei Metern ist bei uns in den Dämmen gewährleistet.“ Der Betrieb habe noch viele andere Maßnahmen vorbereitet, um seine Mitarbeiter zu schützen. „Sie kommen seit über zehn Jahren zu uns“, sagt Christ. Da sei es selbstverständlich, dass der Betrieb sich für ihren Schutz verantwortlich fühlt.

Was ihn ärgert, ist die Bürokratie. „Diejenigen, die einreisen wollen, werden von der Bundespolizei nicht eingelassen, weil sie keinen festen Wohnsitz in Deutschland nachweisen können“, erklärt er. Doch wie solle das gehen, wenn jemand noch in Rumänien ist? Und selbst wenn er hier ankomme: Die Behörden seien ja für den Publikumsverkehr geschlossen. Wie es weitergehen wird, bleibt für ihn vorerst unklar. „Wir haben die Hoffnung, dass sich Ende April die Situation entspannt und wir dann die Ernte teilweise fortsetzen können“, sagt Christ.

In Haßloch Teilstart

Darauf hofft auch Christian Deyerling. Der Landwirt aus Haßloch konnte bisher noch nicht mit der Spargelernte beginnen. „Auch bei uns sind die Erntehelfer noch nicht eingetroffen. Die wenigen, die derzeit da sind, sind eigentlich für andere Aufgaben vorgesehen“, sagt Deyerling. „Wenn wir die geplante Mannschaft nicht zusammen bekommen, dann müssen wir eben mit den wenigen, die jetzt schon da sind, zumindest einen Teil des Spargels stechen.“

Deyerling musste ebenfalls eine Reihe von Absagen in Kauf nehmen. Wie seine Kollegen hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. „Wir sind gerade dabei, einen Flug aus Rumänien vorzubereiten, der frühestens am kommenden Wochenende starten kann.“ So hofft er, dass dann um die 25 Leute, die er für seine 13 Hektar Spargel benötigt, noch nach Deutschland kommen werden.

Stopp beim Lehmgrubenhof

„Die Frage wird sein, ob diejenigen, die kommen würden, ausreisen dürfen.“ Es könne sich ja bekanntlich täglich etwas ändern. Auch für ihn stehe fest, dass er in dieser Saison nicht alle Flächen ernten kann. „Es wird definitiv Umsatzausfälle geben“, sagt Deyerling. Andreas Kling vom Lehmgrubenhof habe am Samstagnachmittag entschieden, zunächst nicht mit der Spargelernte zu beginnen. Insgesamt weitere 20 Hektar Spargel könnten damit nicht gestochen werden. Dabei hätte der Familienvater ebenfalls bereits Mitte der letzten Woche beginnen müssen.

„Der erste Spargel ist schon fünf bis zehn Zentimeter aus dem Spargeldamm ans Licht gekommen“, schildert Kling die aktuelle Situation. Das Problem seien nicht nur die fehlenden Erntehelfer, sondern auch die aktuelle Absatzsituation. „Wir haben uns bemüht, Erntehelfer aus Rumänien zu bekommen, die auch gerne gekommen wären, aber sie haben keine Ausreisegenehmigung erhalten“, sagt Kling. Und fügt hinzu: „Ich weiß auch nicht, was morgen passiert.“ Er wolle deshalb vorerst keine weiteren Anstrengungen in Sachen Spargelernte unternehmen.

„Stehen erst am Anfang“

„Wir stehen bei Corona erst am Anfang. Was passiert, wenn die Leute kommen, und sie dürfen dann nicht arbeiten oder wir bekommen Auflagen, die wir nicht erfüllen können?“ fragt Kling. Eines steht für den Diplom-Landwirt fest: Die Nachfrage der Gastronomie an Spargel ist spätestens nach den behördlich angeordneten Schließungen vollständig weggebrochen.

„Das ist bisher die härteste Entscheidung, die ich für meinen Betrieb treffen musste, aber uns bleibt kein anderer Weg als zu versuchen, den Schaden zu minimieren“, so Kling. Er lasse derzeit die Pflanzen auswachsen. Er schließt aber nicht aus, doch noch das Spargelmesser in die Hand zu nehmen, sollte die Pandemie bis Ende April abflauen.

Im Moment gibt es dafür keine Anzeichen.

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