Rheinpfalz
Neunkirchen: Erste Mostbirnen-Wanderung für deutsch-amerikanische Freundschaft kommt gut an
Vor knapp 150 Jahren kamen diese nordamerikanischen Einwanderer in die Pfalz: Douglasien wurden an den Steilhängen des Potzbergs angesiedelt und gedeihen dort prächtig. Doch bei der ersten Mostbirnen-Wanderung ging es vor allem um die am Fuße des „Königs des Westrichs“ angebauten Saubeeren. Etwa 40 Leute waren bei der Tour dabei, die von der Ortsgemeinde Neunkirchen als Teil der Aktion „Willkommen in Rheinland-Pfalz – unsere Nachbarn aus Amerika“ organisiert worden ist.
Für 11 Uhr ist der Aufbruch geplant, doch Neunkirchens Ortsbürgermeisterin Lilli Niebergall hat noch nicht alle Namen der Teilnehmerliste für die Mostbirnen-Wanderung abgehakt. „Es Conny und ihre drei Freundinnen fehlen noch“, ruft sie dem einige Meter weiter stehenden Wanderführer Max Rübel zu, der sich noch angeregt mit Förster Frank Hesch unterhält. Rübel ist der „Guide“, der die Wandersleut’ nicht nur zu den „Saubeerebäm“ führen wird, wie die Mostbirnenbäume im westpfälzischen Dialekt genannt werden. Er wird die Wandergruppe auch über herrliche Panoramawege rund um den Potzberg führen – mit Blick auf idyllische Täler und herrliche Landschaftszüge. Revierförster Hesch ist Spezialist für alle Fragen zur Flora und Fauna, aber er ist auch Kenner der geologischen Urgeschichte der Region. Mehr noch: Für die amerikanischen Freunde übersetzt er alles in perfektes Englisch.
Interesse bei Amerikanern
Mit von der Partie ist auch Sara Wagner von der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern, ein überparteilicher Verein, der vor 23 Jahren von der Landesregierung ins Leben gerufen worden ist und von dieser finanziell gefördert wird. Zur Pflege der transatlantischen Beziehungen dient unter anderem die Initiative „Willkommen in Rheinland-Pfalz“. Die Ortsgemeinde wurde von der Idee bis hin zur Planung unterstützt, mit der Beantragung von Fördermitteln und dem Übersetzen von Flyer etwa. Die Atlantische Akademie bewarb die Wanderung bei den Amerikanern, die aus Ramstein und Winnweiler kamen. Ja selbst eine junge Familie aus Spangdahlem hat den Weg nach Neunkirchen gefunden.
Mittlerweile sind auch Conny und ihre Freundinnen eingetroffen und Max Rübel ruft zum Aufbruch. Nach knapp zehn Minuten hat die Wandergruppe die Unionskirche erreicht. Das Gotteshaus wurde von Lutheranern und Reformierten vor gut 200 Jahren gebaut. Mehr als doppelt so alt sind die schattenspendenden Lindenbäume im Kirchgarten, erzählt Rübel.
Unter den Interessierten sind auch Sharon und Michael Kieta: Sie kommen ursprünglich aus Kentucky und leben bereits seit 14 Jahren in Neunkirchen. Beide arbeiten als Schulpsychologen an einer amerikanischen Schule und fühlen sich, nicht zuletzt wegen der sehr guten Nachbarschaft, pudelwohl in ihrer neuen Heimat, wie sie versichern.
Kostprobe vom Beerenschnaps
Kurz hinter den letzten Häusern – der Weg führt nun steil bergan – entdeckt Förster Hesch am Wegessaum eine Wegwarte. Aus den Wurzeln des blaublühenden Heilkrauts wurde früher gar Kaffeeersatz gemacht, berichtet er. Kurz vorm Potzbergwald dann die erste Saubeere: Zwei brauntrübe Flaschen werden auf einem Stehtisch drapiert. Während Hesch Geschichtliches von der Mostbirne erzählt, schenkt Heike Heinz den Hochprozentigen in Schnapsgläser ein.
Nächster Rastpunkt ist der Schützenbrunnen. Hier erwartet die Wanderer gar ein Birnenchampagner, ein Birnenschaumwein. Wissenswertes gibt’s von „Guide“ Rübel. Er spannt den Bogen von den ersten Anpflanzungen unterschiedlicher Weinbirnen bis hin zur heutigen Zeit, in der wieder Streuobstwiesen mit den alten Weinbirnensorten angebaut werden. Übrigens: Der Birnenchampagner besticht durch eine lang anhaltende Perlage und den Duft von reifer Birne, schmackhaft dazu auch das kredenzte Griebenschmalzbrot.
Birnen auch im Kuchen
Über schattenspendende schmale Pfade führt der Weg hoch zum Potzbergturm, der jedoch immer noch gesperrt ist. Hier servieren Lilli Niebergall und das von ihr hochgelobte Team Kaffee und „Cake“, Schokobirnen- und Käsebirnenkuchen. An den steilen Hängen des Potzbergs findet der Wanderer, wie Förster Hesch berichtet, nicht nur Kastanienhaine. Er begegnet auch den ersten nordamerikanischen Einwanderern, die vor knapp 150 Jahren den Weg in die Pfalz gefunden haben und sich im heimischen Revier wohlfühlten: mächtige Douglasien.
Über den Rosenweg, von wo sich ein herrlicher Weitblick über das Nordpfälzer Bergland bis hin zu den Vogesen und dem Schwarzwald öffnet, geht es zurück nach Neunkirchen. An der Grillhütte angekommen, sitzen die Wanderer noch lange bei kühlen Getränken, Wildgrillwurst, Birnenmusbroten und Flammkuchen mit und ohne Birnen zusammen und pflegen die deutsch-amerikanische Freundschaft.