Rheinpfalz Neues Leben für eine Villa

Wachenheim. Die Wachenheimer Villa Böhm wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die umfassende Sanierung hat begonnen. Auf 1300 Quadratmetern Fläche sollen hochwertige Eigentumswohnungen entstehen. Ab September wird vermarktet. Dem bisherigen Eigentümer blutet dennoch das Herz.
Korinthische Säulen, Terrazzo-Fliesen, wie man sie wohl auch auf der versunkenen Titanic hat finden können, und Dachgauben mit filigranen Mustern: Die Villa Böhm sieht von außen erhaben aus. Wird alles so, wie sich die drei Investoren Dieter Krahnert, Klaus Möller und Christian Hick das vorstellen, dann kehrt bald das Leben zurück in die Villa, die 1891 entstanden ist und einst Eigentum des reichsten Weinkommissionärs entlang der Weinstraße war, ihres Namensgebers. Sein ganzes Leben verbracht hat dort Erich Wiedemann, seit 1975 mit Praxis im Parterrebereich. Zuletzt bewohnte er das riesige Anwesen allein mit seiner Mutter. Nun hat er das Gebäude verkauft. „Ich bin niemand, der übertreibt“, sagt er und fügt hinzu, dass ihm das Herz schon sehr blute. Immerhin gehörte das Haus seit dem frühen 20. Jahrhundert den Wiedemanns. Der letzte hier verbliebene Sohn der Familie, der selbst keine Kinder hat, kennt die Geschichten von Krieg, finanziellen Anstrengungen und Erwachsenwerden im Schoß der Familie ganz genau. Dass er das Anwesen dennoch verkauft hat, begründet er damit, dass es ihm über den Kopf gewachsen sei. Aber gerade in dem Architektur- und Planungsbüro Krahnert und Möller habe er Männer gefunden, die die Fähigkeit hätten, das Haus neu zu entwickeln, so Wiedemann. In der Tat plant die Villa Wachenheim GmbH und Co. KG, wie die Investorenfirma offiziell heißt, völlig Neues. Ein Investitionsvolumen von sechs Millionen Euro steht den Herren nach eigener Auskunft zur Verfügung. Ohne die Auflagen des Denkmalschutzes zu verletzen, sollen bis zu zwölf Eigentumswohnungen entstehen, die zwischen 100 und 200 Quadratmeter Fläche haben können. Alles sei individuell planbar, die Käufer könnten über die Größe der Wohnungen entscheiden. Neu errichtet werden soll ein Gebäude, das sich optisch an die Villa anpasst, das Gebäude aber nicht kopiert. Die Wohnachse werde so geschwenkt, dass der Blick zukünftig zur Wachtenburg gehe. Auch im früheren Kelterhaus stehen bis zu drei Wohnungen zum Verkauf. Alle drei Gebäude versammeln sich um einen Innenhof, der atmosphärisch stimmungsvoll werden soll. „Es wäre schön, wenn wir jemanden finden, der im Kelterhaus öfter mal Gäste versammelt“, sagt Krahnert. Und Finanzplaner Hick schwärmt von den Weinkabinetten, die sich in den dann ertüchtigten Gewölbekellern fänden. Ab September will Hick in die Vermarktung einsteigen. Zu den Preisen wollen die Investoren heute noch nichts sagen. Fest steht jedoch, dass es in einer Tiefgarage 18 Parkplätze geben soll, die mit einem geräuschlosen Autoaufzug erreicht werden könnten. Den gab es zu Zeiten der Familie Wiedemann noch nicht.