Rheinpfalz Narren nehmen Kurs auf die Karibik

Wie immer, wenn die Kleinsten und Jüngsten auftreten: Den Bambini flogen die Herzen zu.
Wie immer, wenn die Kleinsten und Jüngsten auftreten: Den Bambini flogen die Herzen zu.

Die 22. Sitzung des Karnevalvereins „Lämer Narre“, ein kleines närrisches Jubiläum, wurde mit großem Tamtam gefeiert, mit Polonaise durch die schön geschmückte Halle, mit skurrilem Panik-Orchester-Auftritt und schmissigen Gardetänzen. Die Premiere der Dorforgel mit viel Lokalkolorit rundete die Veranstaltung ab. Und musikalisch war von „Heile, heile Gänsje“ bis „Halleluja“ alles geboten.

Dem Motto „Die Läm-Air bei den Piraten in der Karibik“ gemäß hatte sich der überwiegende Teil der Besucher kostümiert. Es wimmelte nur so von großen Piratenmännern, kleinen, mit Degen bewaffneten Seeräubern, tollen Piratenbräuten und süßen Freibeutertöchterchen. Auch die Bühnenkulisse mit Luftballonanker, Luftballonkanonen und Schiffssteuer zeigten klar, wohin der Jeckenkurs führen sollte. Mit ohrenbetäubendem Spektakel riss die Guggemusik der Phönixkrächzer aus Ramstein bereits zum Einstieg viele Jecken von den Bänken. Das war dann kein schwieriger Einstieg für die jüngsten Lämer Narre, die Bambini-Garde, die in ihren schmucken Uniformen zeigte, dass es um die örtliche Fasnacht gut bestellt ist. Später servierten sie graziös und in schicken Piratenkostümen einen gelungenen Showtanz. Zwar ist es nicht einfach, als Erster in die Bütt zu steigen, aber für den TuS-Mitvorsitzenden Klaus Kneis stellt das kein Problem dar. Seine Probleme hat er eher zuhause mit der Ehefrau. Denn wenn er sagt, er geht zum Stammtisch, dann erwidert sie: „Gut, dann hol ich dich morje midda widder bei de Polizei ab.“ Um es aber so weit zu bringen, konsultierte er zuvor fünf Ärzte. Jeder genehmigte ihm zwei Pils, was zusammen zehn macht. „Die brauch’ ich schunn, wenn ich Dorschd hab“, sagt der trinkfeste Schdammdischbruder. Karibische Klänge, blau-weiße Gardeuniformen und ein Spitzenauftritt der hauseigenen Jugendgarde waren der Kontrastpunkt, für den es die erste Rakete gab. Für „Hannes un de Bojemäschder“ – Ortschef Alexander Frey war wieder mit seinem ersten Beigeordneten Michael Rösel närrisch unterwegs – gab es ganz andere Sorgen. Aus lauter Langeweile bei einer Sitzung hatte de Bojemäschder die Hand gehoben und zack, schon war Leimen für ein Jahr alkoholfrei ... Auch bei Dominik Wetzke, Ur-Leimer, eigens aus seiner neuen Heimat Hamburg angereist, lagen wegen seines Hausumbaus die Nerven blank. Schließlich waren von 15 Handwerkern zumeist 14 krank. Bis nach seinem gelungenen Büttenauftritt die Dorforgel platziert war, spielte die Band „Die Palomas“ Schunkellieder und hielt die Jecken bei guter Stimmung. Premiere hatte dann die Dorforgel. Benno Scholz bediente die Drehorgel, Oliver Vogel das Akkordeon, es sangen Thomas Schuster, Stefan Sutor und Thomas Peifer. Musikalisch verarbeitet wurden die Bänke im Ort, die für Touristen aufgestellt werden und auch dem angetrunkenen Spätheimkehrer als Ruheplatz dienen, wobei allerdings noch ein Bier- und Schorleautomat daneben fehlen. Oder die Stammtischgespräche bei Hubert, bei denen der Ortschef als Donald Trump auftritt. Ausfälle gab es wohl auch beim Wissefeschd, wo auswärtige Gäste zu später Stunde nicht mehr nach Hause fanden. Ein toller Premiereauftritt, der ein aufmerksameres Publikum verdient hätte. Dass es um die Lämer Garde gut bestellt ist, zeigten auch die Funkenmariechen Hannah Wenger und Johanna Schuster. Die Jugendgarde feierte die Feuerwehr als ihre „Heros“ mit einem flotten Showtanz. Zerrissene Hosen, durchlöcherte Strümpfe, kaputte Schuhe und angetrunken – das wiederbelebte „Panikorchester“ gab alles. Mit Waschbrett, Gitarre, Trompete, Pauke und Tamburin interpretierten sie Hits wie „Butterfly bis Hulapalu“ und brachten den Saal mit zum Kochen. Es ging rund. Alles stand, sang, schunkelte und huldigte Gott Jokus. Gardetänze gab es auch von auswärtigen Teilnehmern. So die Merzalber Garde in ihren feuerroten Uniformen, die für ihren Tanz zu einem „Pur“-Medley gefeiert wurde. Oder das fast profihaft auftretende Tanzpaar Bill und Denise aus Waldfischbach. Dann ging die Chose richtig los: Die Hitparade war angesagt. Rauf und runter wurden die Gassenhauer gespielt, Hits am laufenden Band aus der Schlagerwelt, da gab es kein Halten mehr für die Lämer Narre. Orientalisches Flair zog ein, als die wunderschöne Litschi-Damengruppe ihren ausgefeilten Showtanz präsentierte. Zum Abschluss eines abwechselungsreichen Abends stürmten die Lämer Freibeuter die Bühne, mit Kraft, Showelementen und Akrobatik: Das Männerballett riss die Lämer Narre mit auf ihrer Karibiksause.

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