Rheinpfalz Nachtwandel in Mannheim: Kultur im Kiez

Party mit kulturellem Anspruch: Der „Nachtwandel“ im Jungbusch hat längst seine treue Fangemeinde.
Party mit kulturellem Anspruch: Der »Nachtwandel« im Jungbusch hat längst seine treue Fangemeinde.

«Mannheim.» Irgendwie ist alles anders. Doch letztlich bleibt es, wie es immer war. Der „Nachtwandel“ im Jungbusch geht am Freitag und Samstag in die 14. Runde. Erneut laden die Stadtteilbewohner zu ihrem Kulturfest ein. Voraussichtlich werden wieder Zehntausende dieser Einladung folgen und erleben, was der Stadtteil zu bieten hat.

Über 800 Kreative werden den „Busch“ an diesen beiden Tagen wieder zum Leuchten bringen. Ihr Tun verteilt sich dabei auf rund 70 Anlaufstationen, die sich über das gesamte Quartier verteilen. Hinterhöfe werden zu Kunst- und Begegnungsorten. Ateliers öffnen sich. Wohnungen werden zu Ateliers, Kneipen, Straßen und Straßenbahnhaltestellen zu Live-Bühnen. Selbst die Aral-Tankstelle, die schon lange Kult ist, wird Mitmachstation für alle Kunstbegeisterten. Musik jeglichen Couleurs, Ausstellungen verschiedenster Genres, Kulinarisches aus aller Herren Länder. Der Tipp, den die meisten befolgen: einfach eintauchen.

Vom Geheimtipp zum Großereignis 

Mit dieser Vielfalt ist der „Nachtwandel“ auch über Mannheims Grenzen hinaus bekannt geworden. Doch die Entwicklung vom Geheimtipp bis zum Großereignis mit zuletzt bis zu 30.000 Besuchern brachte auch seine Schattenseiten mit sich. „Die Finanzierung aus dem Stadtteil heraus war nicht mehr möglich“, sagt Jungbusch-Quartiermanager Michael Scheuermann. Zudem schien angesichts der Auflagen für derart viele Besucher das Ende der Veranstaltung nah. 2016 musste der „Nachtwandel“ zur Enttäuschung vieler Fans ausfallen. Doch mittlerweile gibt es ein neues Finanzierungsmodell. Denn auch die Stadt erkannte, wie wichtig dieses Kulturfest für Mannheim ist. Bereits im vergangenen Jahr trug sie zur Finanzierung der Veranstaltung bei. Dieses Jahr ist sie erstmals offizieller Veranstalter und nimmt somit dem Gemeinschaftszentrum Jungbusch, das weiterhin die organisatorischen Fäden in der Hand hält, eine gewaltige Last ab. „Der Erfolg brachte neue Anforderungen. Eine neue Struktur soll den Fortbestand des ,Nachtwandels’ sichern“, sagt Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Die Finanzierung ruhe daher jetzt auf mehreren Säulen: Kulturamt, Sponsoren, Gastronomen und Feiernde. Letztere können unter anderem durch den Kauf eines „Nachtwandel“-Bechers oder eines Soli-Buttons dabei helfen, dass die Kosten gedeckt werden. „Denn nach wie vor soll kein Eintritt verlangt werden“, so Kurz, der für das Motto „Spende statt Eintritt“ wirbt.

Zusammen halt im Jungbusch

Der Veranstalter verspricht eine professionelle Infrastruktur für das Ereignis. Dennoch soll eines dabei nicht verloren gehen, wie Michael Scheuermann betont: „Die Lebendigkeit der Menschen im Jungbusch muss weiter zum Ausdruck kommen.“ Der „Nachtwandel“ dürfe sein besonderes, irgendwie „unprofessionelles“ Flair nicht verlieren. Immerhin ist es traditionell eine Veranstaltung aus der Bevölkerung heraus. „Eine Veranstaltung, die die Bewohner verbindet, die Zusammenhalt schafft und die Dynamik des Jungbuschs widerspiegelt“, erklärt der Quartiermanager. Und da stimmt ihm OB Kurz zu: „Es ist mehr als ein Remmidemmi-Fest.“ Kunst und Kultur stünden im Vordergrund, nicht das Partymachen. Neben altbekannten Künstlern wie der Ludwigshafener Bernhard Wadle-Rohe alias General Schweißtropf, der seine verschwitzen Reime, Reden und Tagebuchtexte aus dem Fenster des Café Blau grölt, findet dieses Jahr einiges Neues im Programm Platz. Um einen Ausgleich zwischen laut und leise zu schaffen, verwandelt sich zum Beispiel die Kirchenstraße stärker denn je in einen Ort der leiseren Töne. Unter anderem lädt ein Pianist zur Jam-Session ein. Und es gibt eine Tanzperformance mit Lichtinstallation. Ebru-Malerei gibt es hingegen in der Moschee, indischen Tanz in der Orientalischen Musikakademie. Einige Stationen laden zum Mitmachen ein, junge Jungbusch-Bewohner präsentieren auf Fotos ihren Stadtteil aus ihrer ganz individuellen Sicht. Alles in allem dürfte es wieder eine große kulturelle Entdeckungstour werden. So wie immer eben. Noch Fragen? Während des „Nachtwandels im Jungbusch“ müssen sich Autofahrer auf Verkehrsänderungen in und um den Stadtteil einstellen. Mehr dazu und zum Gesamtprogramm unter www.nachtwandel-im-jungbusch.de. Das Laboratorio 17 in der Jungbuschstraße bietet sich als erste Anlaufstelle für Neuankömmlinge an. Einen weiteren Info-Punkt gibt es am „Haupteingang“, Jungbuschstraße/Ecke Luisenring. Der „Nachtwandel“ findet an Freitag und Samstag, jeweils von 19 und 24 Uhr, statt.

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