Rheinpfalz Nach Stotterstart rollt es
„Das erste Jahr ist gut gelaufen. Wir haben eine kleine schwarze Null geschrieben.“ Zufrieden mit dem Jahr 2016 zog Saar-Mobil-Geschäftsführer Hans Gassert bei einem Medien-Gespräch im ehemaligen Betriebsbahnhof der früheren Saar-Pfalz-Bus GmbH Bilanz. Diese Anlage gehört seit Ende vergangenen Jahres ebenfalls Saar-Mobil.
Im Januar 2016 hat die Gesellschaft Saar-Mobil, zu der sich fünf saarländische Busunternehmen zusammengeschlossen haben, mit Linien im Saarpfalz-Kreis, im Raum St. Wendel und St. Ingbert den Betrieb aufgenommen. Im Juli kam die Linie R 1 im Kreis Merzig-Wadern hinzu. In St. Wendel selbst ist die Saar-Mobil inzwischen der größte Anbieter, wie Geschäftsführer Hans Gassert darlegte. Nein, es sei anfangs nicht ganz glatt gelaufen, räumte Gassert am Donnerstag ein. Die Linienführung habe einiges Kopfzerbrechen verursacht. „Klar, es war ja komplett neu für uns.“ Inzwischen aber laufe „alles rund“. Derzeit zählt Saar-Mobil 60 Mitarbeiter. Insgesamt sind 160 Busse für das Unternehmen im Einsatz. „Wir decken die meisten Linien selbst ab, einige Partnerbetriebe sind jedoch mit im Boot“, sagte Gassert. Großen Wert legt der Geschäftsführer darauf, dass das bisherige Personal der Saar-Pfalz-Bus GmbH „eins zu eins übernommen“ wurde, mit denselben Gehältern, zu denselben Konditionen. Kein Fahrer habe Einbußen hinnehmen müssen, wehrte er sich gegen Anwürfe der Gewerkschaft Verdi, die immer wieder von Dumping-Löhnen privater Betreiber gesprochen habe. Die Gesellschafter der Saar-Mobil hadern aber mit noch einem unerfreulichen Überraschungscoup. Quasi über Nacht hat die saarländische Regierung die Förderung von neuen Bussen eingestellt. „Wir hatten uns natürlich auf diese Unterstützung verlassen und neue Fahrzeuge angeschafft“, sprach Gassert für alle an der Saar fahrenden Unternehmen. Immerhin koste ein neuer Bus 80.000 Euro, mancher habe zwei, drei oder sogar vier geordert. Nun aber werden die Landesmittel verwendet, um Haltestellen mit barrierefreiem Hochbord auszustatten. Was tun? „Wir haben es halt geschluckt“, gibt sich Gassert gelassen. Höhere Fahrpreise verlangen, sei keine Option. „Wir müssen eben manchen Bus länger fahren“, befand der zweite Geschäftsführer Arne Bach. Oder die Mehrkosten über andere Standbeine, die die Busunternehmen teilweise noch hätten, auszugleichen suchen. Insgesamt haben die fünf Gesellschafter 40 Busse für 8 Millionen Euro gekauft. Ende vergangenen Jahres hat die Saar-Mobil den bisherigen Betriebsbahnhof der früheren Saar-Pfalz-Bus GmbH übernommen. „Das ist von Anfang an unser Plan gewesen“, sagte Gassert. Der Standort in der Nähe des St. Wendeler Bahnhofs biete den Vorteil, dass rund 40 Busse gewartet und gewaschen werden können. Drei Arbeitsplätze seien entstanden. Inklusive weiterer Investitionen in St. Wendel in Höhe von 100.000 Euro hat die Gesellschaft für das Vorhaben eine Million Euro in die Hand genommen. Das saarländische Wirtschaftsministerium gewährte über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz eine Zuwendung mit der Auflage einer 25-jährigen Zweckbindung des Gebäudes. Nun möchte Saar-Mobil sich weiter vergrößern. Das Unternehmen hat sich, wie auch der bisherige kreiseigene Betreiber KVS (Kommunales Nahverkehrsunternehmen Saarlouis), beworben, ab Januar 2018 die Buslinien in Saarlouis zu bedienen. Der gelernte Verkehrsplaner Arne Bach will mit einem ausgeklügelten Fahrplanangebot punkten – mit einem Knotenpunkt am Kleinen Platz, besserer Anbindung und höherer Taktfrequenz. Mit demselben Personal und denselben Bussen – Fahrer wie Fahrzeuge würden übernommen werden - könnten mehr Passagiere effizienter befördert, eine um 16 Prozent höhere Leistung als bisher erbracht werden, ist Bach überzeugt. Außerdem würden zusätzliche Orte bedient. Die Entscheidung fällt am 17. April. Die Saar-Mobil streckt ihre Fühler aber nicht nur in andere Regionen im Saarland aus, sondern sogar jenseits der französischen Grenze. Nach Worten Bachs bemüht sich die Gesellschaft um „die Übernahme des Busverkehrs in Saargemünd“. |giw