Rheinpfalz Na denn: Prost!

Heute ist der Tag des Bieres, der jährlich am 23. April begangen wird. Die RHEINPFALZ hat sich zu Bierherstellung und zur Bedeutung von Bier mit Brauern – ehemaligen und aktuellen – im Kreis Kusel unterhalten. Denn immerhin hatte das Bierbrauen hier einst eine lange Tradition.
Im Kreis Kusel gab es bis vor wenigen Jahren auch Brauereien. Die Marken der Brauerei Emrich wurden seit 1998 bei Karlsberg in Homburg gebraut. Koch-Bräu bestand bereits seit 1774 und fusionierte 1972 mit der Bayerischen Brauerei Kaiserslautern (BBK) und wurde später geschlossen. In Lauterecken gab es seit 1860 noch die Brauerei Felsenbräu. Gebraut wird aktuell im gerade wiedereröffneten Brauhaus Lauterecken. Geschäftsführer Volker Berthold berichtet, dass ein dunkles und ein helles Bier in der kleinen, 6000 Liter fassenden Anlage als „Veldenz-Bräu“ gebraut werden. Betriebsleiter Holger Schneider von der Palatia-Mälzerei in Kreimbach-Kaulbach bezeichnet seine Mälzerei als einen der Spezialisten für Bier und Malz. Das Malz gehöre weltweit zum Besten, was sich Brauereien und Braumeister für das Bier und das Deutsche Reinheitsgebot wünschen. Wer Informationen über Brauen, Malz und Bier sucht, werde hier fündig. Und auch wer ein neues Bier kreieren und die „richtigen“ Spezialmalze finden wolle, erhalte hier Infos. Mit dem Tag des Deutschen Bieres feiern die deutschen Bierbrauer seit 1994 den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots im Jahr 1516; das weltweit älteste Lebensmittelgesetz. Das Reinheitsgebot von 1516 schreibt fest, dass zur Herstellung von Bier nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden darf. Einige mittelständische und Familien-Brauereien in Süddeutschland, die sich in der „Gütegemeinschaft Traditionsbier“ zusammengeschlossen haben, brauen seit 2003 jeweils zum Tag des Deutschen Bieres limitierte Spezialbiere unter dem Namen „Jahrgangsbier 23.04.“ , das aber erst nach etwa vier Monaten in den Handel kommt. Was kaum jemand vermutet: Das Bierland Deutschland liegt inzwischen nur noch auf dem fünften Platz der Biertrinker weltweit. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist seit Mitte der 70er Jahre von gut 150 auf heute 107 Liter pro Jahr gesunken. Die Weltmeister im Biertrinken kommen aus China. Auch das Klischee, es gäbe in Deutschland die meisten Brauereien, ist falsch. Der aktuelle Blick auf die Brauereidichte pro Einwohner zeigt, dass Deutschland in der EU nur Rang vier nach Dänemark, Litauen und Österreich einnimmt. Allerdings kam das stärkste Bier der Welt aus Deutschland, nämlich der „Schorschbock“ von Georg Tscheuschner aus Gunzenhausen mit 59 Volumenprozent Alkohol. Mittlerweile soll „Snake Venom“ aus einer schottischen Brauerei das stärkste Bier der Welt mit 67.5 Volumenprozent sein. Ob der hohe Alkoholgehalt aber noch durch natürliche Zutaten wie Gerstenmalz und Hopfen zu erreichen ist, zweifeln Bierbrauer aus der Region an. Wie frühere Bierbrauer aus dem Raum Kusel der RHEINPFALZ erzählen, dauert die Ausbildung zum Brauer und Mälzer drei Jahre. Dabei werden die für die Bierproduktion benötigten Rohstoffe, Eigenschaften und die Chemie der verschiedenen Gärprozesse erlernt. Im Wandel der Zeit steht in der Berufsschule betriebswirtschaftliches Wissen auf dem Lehrplan, damit die jährlich rund 600 angehenden Brauer mit dem süffigen Geschäft später nicht auf dem Trockenen sitzen. Ein fertig ausgelernter Brauer verdient zwischen 2000 und 2500 Euro im Monat. Nach einer Statistik des Deutschen Brauer- Bunds kommen durchschnittlich 30 Bewerber auf eine Stelle. Für die Brauer war der „Bier-Katechismus“ immer eine Hilfe bei Fragen – und die Erkenntnis, dass ein Bier nur so gut ist wie die Menschen, die es herstellen. Die über 1.300 deutschen Brauereien produzieren pro Jahr rund 100 Millionen Hektoliter Bier mit fast 5000 verschiedenen Biersorten. Über 15 Millionen Hektoliter werden jedes Jahr in mehr als 150 Länder der Welt exportiert. Die Brauwirtschaft als Arbeitgeber gehört zu den wichtigsten Zweigen in der Lebensmittelbranche. Sämtliche Produktionsabläufe werden heute mit Hilfe hochmoderner Computertechnologie gesteuert und überwacht. In der letzten Zeit sind Brauereien in Deutschland ins Gerede gekommen. So gab es Rekord-Bußgelder gegen Bierkartelle, weil einige bekannte Brauereien sich an illegalen Preisabsprachen beteiligt hatten. (ddl)