Kultur Südpfalz Musik wie im Kaffeehaus

„Ja, so singt man nur in Wien ...“ weiß Sopranistin Anne Lünenbürger und brachte die Lieder, Opern- und Operettenmelodien der Donaumetropole in ihre Heimatstadt nach Landau. Dort verwandelte sich das Haus am Westbahnhof in ein Wiener Kaffeehaus und das Nürnberger Salonorchester Camerata Norica gab den Dreivierteltakt vor.
Es war das perfekte Programm für einen verregneten Sonntagnachmittag im fortgeschrittenen Frühjahr. Ein bisschen Fliederblühen und viel Verliebtsein, wonniges Walzerwogen und sonniges Gemüt, kokette Operettenmelodien und launige Ohrwurm-Potpourris – das alles dargeboten auf hohem musikalischen Niveau und doch nicht abgehoben, obwohl Initiatorin Anne Lünenbürger eine preisgekrönte Opernsängerin ist, mit ihrer Sopranstimme auch schon das Theater an der Wien füllte und durchaus das Zeug zur Diva hat. Aber eine Pfälzer Diva eben, die sich nicht zu schade dafür ist, den Kuchen für „ihr“ Wiener Kaffeehaus, in das sich das von ihrem Vater mitbegründete Haus am Westbahnhof für dieses Konzertprogramm verwandelte, selbst zu backen. Ein Grande Dame ihres Fachs, die europaweit Karriere machte, am Nürnberger Staatstheater lange eine künstlerische Heimstatt hatte und Landau noch immer als ihre Heimat schätzt. Mit Verve, Charme und Elan gelingt es ihr mühelos, die Balance zwischen dem großen Auftritt und den heimischen Parkett auszuloten, das starke Timbre ihrer Stimme mit leisen Zwischentönen auszugleichen, die charismatischen Töne der dargebotenen Lieder genauso wie den richtigen Ton im Umgang mit dem fast familiären Publikum zu treffen sowie alle Kaffeehaus-Gäste in ihren Herzen zu berühren und über die Maßen zu begeistern. Einfühlsam begleitet wurde Anne Lünenbürger am Klavier von ihrem „langjährigen Partner aus Nürnberger Zeiten“ Kurt Karl, der auch gleich „sein“ Salonorchester „Camerata Norica“ mitbrachte, das wiederum der kammermusikalische Ableger des Nürnberger Sinfonieorchesters Collegium Noricum ist und einmal mehr beweist, dass oft auch Laien meisterhaft musizieren. Das bestens aufeinander eingespielte Salonensemble begeisterte gleich zum Auftakt als überaus harmonischer und dynamischer Klangkörper mit spritzig intonierten Mozartmelodien aus der Zauberflöte und dem Don Giovanni, später mit einem beschwingten Operetten-Potpourri und wob Kammersängerin Lünenbürger den Klangteppich für die mal launigen, mal sinnlichen, mal pfiffigen, mal schwelgerischen Wiener Lieder, viele aus der Feder von Robert Stolz. Natürlich schenkte man sich an diesem stimmungsvollen Nachmittag ganz im Sinne des Vogelhändlers „Rosen aus Tirol“, wurde die Schönheit Wiens bei Nacht beleuchtet, der „Kaiser meiner Seele“ hofiert und ein herzliches „Grüß euch Gott, alle miteinander“ intoniert. Und als Anne Lünenbürger Lehárs Vilja-Lied vom Waldmägdelein interpretierte, hing ihr das Publikum geradezu ergriffen an jenen Lippen, die wenig später – jetzt von der „Lustigen Witwe“ zu „Guiditta“ gereift – so besonders heiß küssten und mit Bravorufen und Zugabeforderungen überhäuft wurden. Das Sahnehäubchen zum Schluss gab`s als walzerseliges, fröhliches „Ich hab’ dich lieb“, währenddessen die Sängerin sogar ein Tänzchen mit einem Kavalier aus dem Publikum wagte.